Der Bauantrag von Thomas Berger war noch nicht einmal abgeschickt, da sorgte er schon für gewaltige Aufregung. Was der Unternehmer, der in Bayreuth eine Zeitarbeits-Firma betreibt, da vorhabe, sei "schon relativ heftig", sagt der Himmelkroner Bürgermeister Gerhard Schneider am Telefon - hörbar darum bemüht, dass nicht auch seine Formulierungen heftig werden. Immerhin geht es um ein sensibles Thema: die Unterbringung von Flüchtlingen. 180 sollen es sein, sagt der Bürgermeister.

Die will Thomas Berger in einem ehemaligen Hotel in Himmelkron einquartieren. Das steht seit geraumer Zeit leer, wurde im Zuge der Insolvenz des Autohofs ebenso wie die Shell-Tankstelle geschlossen. Berger hat das Gebäude gekauft. Jedenfalls so gut wie: "Beim Notar waren wir schon."

Besser als Zelte

Sein Plan: Das Haus an die Regierung von Oberfranken zu vermieten, die darin Bürgerkriegs-Flüchtlinge aus dem Nahen Osten unterbringen will. Aus Bergers Sicht hat das Gebäude etliche Vorteile: gute Erreichbarkeit, Geschäfte in der Nähe. Und vor allem: "Eine menschenwürdige Unterbringung, eindeutig besser als Zelte."
Bis zu 150 Menschen könnten in dem Haus unterkommen, das einst 96 Gästezimmer hatte. Die seien sicher nicht alle weiterhin nutzbar: "Wir werden einige Zimmer zusammenlegen müssen, Küchen einbauen, Räume schaffen, wo man Wäsche waschen kann, den Brandschutz verbessern..."

Dass sich gegen sein Projekt Widerstand regen würde, damit hatte Berger gerechnet. Dass der Widerstand des Bürgermeisters so heftig sein würde, hat ihn dann doch überrascht. "Ich bin unglaublich enttäuscht", sagt er. Immerhin habe man ihm bei der Regierung von Oberfranken, die für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig ist, großes Interesse an dem Haus signalisiert. "Man hat mir gesagt, das sei ein Top-Objekt, das man unbedingt haben wolle. Bei der Regierung hat man mir geraten, den Bauantrag an die Gemeinde Himmelkron zu stellen."

Wie ernst ist die Absicht der Regierung, mit Thomas Berger ins Geschäft zu kommen? Aus erster Hand erfährt man dort nichts. "Die Regierung von Oberfranken kann dazu noch keine Stellung nehmen", sagt Pressesprecher Oliver Hempfling. Mehr nicht.

Aber der Protest aus Himmelkron, so scheint es, hat wohl Wirkung gezeigt. Zumal sich auch Landrat Klaus Peter Söllner in die Debatte eingeschaltet hat. Dass auch er gegen das Projekt ist, sagt er nicht direkt, verweist vielmehr darauf, dass man sich im Landkreis Kulmbach durchaus der humanitären Verpflichtung zur Hilfe bewusst sei und ja in der Vergangenheit schon bereitwillig Flüchtlinge und Asylbewerber sowohl in zwei Sammelunterkünften in Kulmbach als auch dezentral in verschiedenen Gemeinden des Landkreises aufgenommen habe: "Über unser Soll hinaus!"

Man werde sich auch weiterhin kooperativ verhalten. Aber: In Himmelkron gehe es schon um eine stattliche Zahl. Und dann wird der Landrat doch sehr direkt: "Wenn durch ein solches Vorhaben ein Zielkonflikt entsteht mit der gemeindlichen Planung, dann sollte man darauf schon Rücksicht nehmen." Das habe er am Mittwoch dieser Woche in einem Gespräch mit der Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin deutlich gemacht. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir noch einmal darüber sprechen, bevor eine Entscheidung getroffen wird."

Nicht tragbar

Für Bürgermeister Schneider ist klar: Die Entscheidung muss gegen eine solche Unterkunft fallen. "180 Flüchtlinge in einer Gemeinde mit 3500 Einwohnern... das geht einfach nicht", sagt er. Und: "Man weiß ja auch nicht, wer da kommt." Auch die Frage, wer die Betreuung übernehme, stelle sich.

Argumente, die Berger so nicht gelten lassen will. Er gehe nicht von 180 Menschen aus, sondern von 150, höchstens. Die Regierung von Oberfranken habe signalisiert, dass sie im Fall des Falles zwei bis zweieinhalb Hausmeister-Stellen schaffen werde, so dass jemand vor Ort sei, der für Ordnung sorge. Bei den künftigen Bewohnern handle es sich um Flüchtlinge unterschiedlicher Herkunft: "Familien sind da dabei, Akademiker aus Syrien." Die im Übrigen auch ein Mehr an Kaufkraft nach Himmelkron bringen könnten.

Berger bleibt deshalb zuversichtlich, dass die endgültige Entscheidung doch noch zu seinen Gunsten ausfällt. Den Bauantrag für die Umgestaltung des ehemaligen Hotels jedenfalls hat er gestern zur Post gebracht.