• Bundeswehrsoldaten in Seniorenheim in Kulmbach im Einsatz
  • Kulmbach ist aktuell Schwerpunkt der Bundeswehr
  • Einsatz voraussichtlich zwei Wochen lang

Sie sind die Rettung in der Not: Seit einigen Tagen sind Soldaten der Bundeswehr im Landkreis Kulmbach im Einsatz. Dank ihrer Hilfe ist es möglich, den Betrieb in den drei von Corona schwer getroffenen Seniorenheimen aufrecht zu erhalten. In den Häusern der Arbeiterwohlfahrt in der Johann-Brenk-Straße und Am Rasen sowie in der Pro-Seniore-Residenz in Wirsberg sind neben den Bewohnern auch zahlreiche Fachkräfte erkrankt oder in Quarantäne. Deren Aufgaben werden vorübergehend von 27 in der Pflege erfahrenen Fachkräften des Sanitätslehrregiments der Bundeswehr Feldkirchen übernommen, die von weiteren 27 Soldaten aus Veitshöchheim als "Helfende Hände" unterstützt werden.

Situation in Kulmbach ist sehr kritisch

Ein Bild von der Lage im Landkreis machte sich gestern der Chef des Sanitätslehrregiments, Oberstarzt Tobias Gamberger. "Kulmbach ist aufgrund des großen Hilfebedarfs unser aktueller Schwerpunkt", sagte Gamberger. Die aktuelle Hilfeleistung sei Teil des Selbstverständnisses der Bundeswehr: "Wir tragen unsere Uniform mit gutem Grund. Wir dienen Deutschland und helfen dort, wo Not ist. Das möchten wir auch der Bevölkerung vermitteln. Wenn die Menschen uns in dieser Funktion vor Ort erleben, bewirkt das mehr als alle unsere Werbeplakate."

Nach dem Hilferuf aus Kulmbach sei zunächst ein Team geschickt worden, um die Lage zu sondieren. "Unser Grundsatz, ein Blick ins Gelände ist durch nichts zu ersetzen, gilt letztlich auch hier. Schnell war klar, dass die Situation so kritisch ist, dass wir viele Kräfte schicken müssen, um sie nachhaltig zu verbessern."

Feldkirchen ist das einzige Sanitätslehrregiment in Bayern. Rund 600 Soldaten tun dort Dienst, eine Qualifikation in einem Gesundheitsberuf hat davon knapp ein Drittel. Momentan sind rund 80 dieser Soldaten des Regiments im Einsatz, verteilt auf ganz Bayern.

Einsatz voraussichtlich zwei Wochen

Der Hotspot Kulmbach hat aktuell Prioriät, doch auch an anderen Orten werden immer wieder Soldaten gebraucht. "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden wir in nächster Zeit noch weitere kritische Situationen in anderen Landkreisen haben." In Kulmbach werden die Soldaten bleiben, bis die Heime wieder mit ihrem eigenen Personal arbeiten können. Der Oberstarzt rechnet mit etwa zwei Wochen Einsatz.

Von den 27 Fachkräften sind 15 in der Karl-Herold-Seniorenanlage in der Johann-Brenk-Straße, zwei im Heiner-Stenglein-Seniorenheim Am Rasen und zehn in der Wirsberger Pro-Seniore-Residenz eingesetzt. Je nach aktueller Situation können sich bei dieser Verteilung auch Verschiebungen ergeben. Untergebracht sind die in Kulmbach tätigen Soldaten im Hansa-Hotel des BRK-Kreisverbands und die Wirsberger im dortigen Jugendtagungshaus.

Es sei eine ungewöhnliche Situation für fast alle seine Soldaten, so Gamberger. Pflegebedürftige alte Menschen sind üblicherweise nicht die Zielgruppe der Sanitäts-Soldaten. Doch es sei eine dankbare Aufgabe, betonte er: "Die Kameraden spüren die Dankbarkeit der Menschen, die auf ihre Hilfe angewiesen sind."

"Sie sind ein Segen für uns!"

Er besuche alle Soldaten, um zu sehen, was gut funktioniert und wo es Probleme gibt, aus denen man für künftige Einsätze lernen kann, so Gamberger. Derzeit seien die Belastungen für die Soldaten schon groß. In Wirsberg beispielsweise waren Kameraden mit Doppelschichten von morgens 6 Uhr bis abends 20 Uhr durchgehend im Einsatz. Das sei schon sehr fordernd. Landrat Klaus Peter Söllner bedankte sich namens des Krisenstabs und aller Landkreis-Bürger bei Gamberger und allen Soldaten aus Feldkirchen und Veitshöchheim. "Sie sind ein Segen für uns!" Und er ergänzte: "Wenn der ganze Mist vorbei ist, dann möchten wir diese Verbindung gerne weiter pflegen, am besten mit einem Seidla Bier." Auf diese Zeiten freuen sich auch Oberstarzt Gamberger und seine Truppe.