In Ländern wie Spanien werden Kastanien als heilige Bäume verehrt. Heilig ist der Kastanienbaum auf dem Hegnabrunner Spielplatz nicht - obwohl: Ralf Pistor hat eine besondere Beziehung zu dem stattlichen Gehölz, das mit seinem Kronendach das hölzerne Spielhaus beschirmt. Ein Mensch allein genügt nicht, den mindestens 80 Jahre alten Stamm zu umfassen. Und doch sollte es dem Laubträger an die Borke gehen, weil nicht sicher war, ob von ihm nicht Gefahr drohe.

Der Gemeinderat hatte im Zuge der Erstellung eines Baumkatasters, mit dem Forstingenieur Johannes Wurster betraut ist, auch die Bäume auf dem Kinderspielplatz inspiziert. Vier stattliche Bäume waren bereits wegen potenziellen Pilzbefalls gefällt worden. Doch als es um besagte Kastanie ging, legte Ralf Pistor, der für die CSU-WG im Gremium sitzt, sein Veto ein. "Auch mir geht es um die Sicherheit, gar keine Frage. Aber trotzdem sollten wirklich nur die Bäume fallen, bei denen es nachweislich angeraten ist. Ich bitte deswegen, da künftig etwas genauer hinzuschauen."

Weil der Fachmann das Risiko nicht übernehmen wollte, machte Pistor einen ungewöhnlichen Vorschlag: Er erklärte sich bereit, die Kosten für eine fachliche Begutachtung der Kastanie selber zu tragen. "Ich war mir sicher, dass der Baum relativ gesund ist und nicht weg muss. Man sieht es ja auch jetzt, dass er fast in voller Blüte steht."

1300 Euro kostete ihn die Durchleuchtung des Gehölzes, die ein Spezialist mittels schalltomographischer Untersuchung vornahm. Dabei werden am Stamm Nägel in der Borke befestigt und mit Sensoren bestückt. Sobald man auf die Nägel klopft, zeichnet ein Messgerät in einem Diagramm auf, wie sich der Schall im Baumstamm verteilt und ob eventuell größere Hohlräume zu erkennen sind.

Das Ergebnis: Die Kastanie ist im Grunde gesund. "Es muss eine Kronensicherung vorgenommen werden und es bedarf einiger Pflegearbeiten wie der Entfernung abgestorbener Äste. Das geht in Ordnung, das übernimmt die Gemeinde im Zuge ihrer Sicherungspflicht", sagt Ralf Pistor.

Eine Herzensangelegenheit

Für ihn hat sich der finanzielle Aufwand gelohnt. "Ich will mich in keiner Weise als Baumretter feiern lassen, aber ich freue mich wirklich sehr, dass dieser Baum, unter dem ich schon als kleiner Pimpf gespielt habe, stehen bleibt. Ich tue das auch für die Lebensqualität der Bürger. Das war mir eine echte Herzensangelegenheit." Es widerstrebe ihm, "im Zweifelsfall alles einfach umzumachen, denn wir müssen in diesen Zeiten sorgsamer mit unserem natürlichen Erbe umgehen". Er sei zudem froh, dass sich die Kollegen im Gemeinderat auf den Kompromiss eingelassen hatten.