Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung plant die Schaffung eines neuen Instituts für Kinderernährung, das am Max-Rubner-Institut (MRI) angesiedelt werden soll. Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) hat mit Unterstützung der CSU-Landesgruppe im Bundestag und der oberfränkischen CSU den Hut für den Lebensmittel- und Forschungsstandort Kulmbach in den Ring geworfen.

Wie realistisch sind die Kulmbacher Chancen? Diese Frage stellt Markus Tutsch, Bundestagskandidat der von Bündnis 90/Die Grünen, und fordert konkrete Erläuterungen der Abgeordneten. Er hält die Förderung der Forschung in diesem Bereich für sinnvoll, zweifelt aber an den Kulmbacher Chancen. Es gebe bereits seit 1964 ein Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund, das sich mit dem gleichen Forschungsschwerpunkt beschäftigt, und am MRI-Hauptstandort Karlsruhe rechne man nach Medienäußerungen des ehemaligen Anstaltsleiters schon damit, das Institut zu bekommen.

Die Bayerische Rundschau hat diese Frage an Emmi Zeulner weitergegeben. Können sich die Kulmbacher berechtigte Hoffnungen machen? Wann fällt die Entscheidung? Dass das neue Institut kommen wird, ist beschlossene Sache, so Zeulner., "und das nicht erst irgendwann, sondern schon bald". Im Haushalt 2017 seien bereits Mittel dafür eingeplant.

Über den Standort entscheide Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), der sich bis jetzt noch nicht dazu geäußert habe. Kein Verständnis hat Emmi Zeulner für die Aussage des früheren Präsidenten des Max-Rubner-Instituts, Gerhard Rechkemmer, der in einem Zeitungsinterview Ende August verkündet hatte, das Institut für Kinderernährung werde seinen Sitz in Karlsruhe haben: "Das hat er nicht zu entscheiden. Wenn ein Institutsleiter Politik machen will, dann muss er sich wählen lassen."

Das Dortmunder Institut spiele für die Planungen keine Rolle, da es nicht aus Bundesmitteln finanziert werde, während das Max-Rubner-Institut eine Forschungseinrichtung des Bundes sei.

Viele gute Argumente sprächen für Kulmbach: "Wir kämpfen für unseren Standort, weil wir gute Voraussetzungen dafür haben." Mit "wir" meint Zeulner alle oberfränkischen CSU-Abgeordneten, die sich in einem Schreiben an den Minister für Kulmbach aussprechen, ebenso wie CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt, die ebenfalls Kulmbach favorisiert.

"Ich wünsche mir, dass sich parteiübergreifend alle politisch Engagierten in der Region für ihre Heimat stark machen", sagt Zeulner an die Adresse von Grünen-Kandidat Tutsch. "Es ist wichtig, dass wir gemeinsam neue Perspektiven für den Standort schaffen und ihn damit auch langfristig sichern."

Und was genau wird in Kulmbach erforscht, wenn es klappt? Geplant ist ein interdisziplinär arbeitendes Fachinstitut, das aus einem naturwissenschaftlichen und einem sozialwissenschaftlichen Forschungsbereich bestehen soll und mit den anderen Fachinstituten des MRI zusammenarbeiten wird. Es wird dabei unter anderem um das komplexe Zusammenwirken sozialer, psychologischer und physiologischer Einflussfaktoren auf die Prägung der Ess- und Trinkgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen gehen. Der Aufbau eines neuen Instituts sei ein Prozess, der Zeit brauche, aber längerfristig werden dadurch auch mehrere qualifizierte Arbeitsplätze entstehen, so Zeulner.

Grünen-Politiker Tutsch treiben in Sachen Kinderernährung noch weitere Sorgen um. "Was uns zu denken geben sollte ist, wie schlecht es um die gesunde Ernährung von Kindern bestellt sein muss, wenn plötzlich so intensiver Forschungsbedarf besteht. Mittlerweile enthalten unsere Lebensmittel eine unüberschaubare Anzahl an Zusatzstoffen", schreibt Tutsch. Auch die Tatsache, dass mittlerweile in fast jedem Lebensmittel Zucker stecke, diene nicht der Gesundheit. Tutschs Fazit: "Forschung an Ernährung ist wichtig. Noch wichtiger wäre es jedoch, durch entsprechend transparente Kennzeichnung von Lebensmitteln für eine sichere Einordnung durch die Verbraucher zu sorgen, statt mit undurchschaubaren Zutatenlisten zur Verschleierung der eigentlichen Inhaltsstoffe beizutragen.

Dieses Ziel sei auch ihr wichtig, sagt Emmi Zeulner. "Die Forschung ist wichtig für die Politik. Sie kann uns fundierte Antworten auf wichtige Fragen geben und zeigen, wo Defizite sind und beseitigt werden müssen."