Sie ist die "etwas andere" Kandidatin in der RTL-Kuppelshow "Bachelor", in der ein Junggeselle unter 22 Bewerberinnen eine Lebenspartnerin sucht: Hannah Kerschbaumer (28), die in Bayreuth geboren und in Hollfeld aufgewachsen ist, will das Herz von "Bachelor" Niko Griesert erobern. Hannah ist eine Frau, die im TV auch über Schicksalsschläge spricht. Im Interview mit unserer Zeitung äußert sie sich über das Leben mit einer Prothese und betont, dass sie sich auch als Frau ohne Modelmaße perfekt fühlt.

Hannah, seit wann lebst du in Berlin, welchen Bezug hast du noch zu Hollfeld?

Ich lebe schon mehr als zehn Jahre in Berlin, habe dort auch mein Abitur und Studium abgeschlossen. Aber als gebürtige Fränkin bin ich natürlich sehr verwurzelt mit Franken und liebe jede Sekunde, die ich in der Fränkischen Schweiz bei meinen Eltern und Freunden verbringen kann. Wenn ich mal mehrere Monate nicht in Franken war, fehlen mir das fränkische Bier und Essen schon sehr (lacht).

Du hast Wirtschaftspsychologie studiert und bist Unternehmerin. Was führst du für ein Unternehmen?

Ich bin studierte Wirtschaftspsychologin und habe mit 26 Jahren mein erstes Unternehmen gegründet: eine Firma, die sich auf das Produzieren von Weinaufstrich konzentriert. Jetzt berate ich andere Firmen in der innovativen Geschäftsmodell-Entwicklung und bin im Gründungsprozess eines neuen Unternehmens.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dich für den "Bachelor" zu bewerben?

Ich bin gar nicht selbst auf die Idee gekommen. Meine beste Freundin hat mich dazu gedrängt, nachdem ich keinen Erfolg auf dem digitalen Dating-Markt hatte.

Die Sendung wird seit zwei Wochen ausgestrahlt. Wie ist es, wenn man sich im Nachhinein im Fernsehen sieht?

Sehr unterhaltsam. Man lernt sich auf eine ganz andere Art und Weise kennen. Normalerweise sieht man sich nicht in so vielen Perspektiven.

Du bist mit den anderen Kandidatinnen über eine längere Zeit in einem Haus. Kommt da Lagerkoller auf?

Gar nicht, mit so vielen Frauen in einem Haus gibt es immer was zu erleben! Da werden die Gesprächsthemen nie langweilig.

Normalerweise finden die Dreharbeiten ja an Traum-Urlaubszielen im Ausland statt, diesmal Corona-bedingt in deiner Wahlheimat Berlin quasi direkt vor deiner Haustür. Ist das schade?

Ganz und gar nicht. Ich liebe Deutschland und finde es total aufregend, bei der ersten Staffel in Deutschland dabei sein zu können. Es war für mich natürlich ein witziger Zufall, dass in Berlin gedreht wurde, aber ich dachte mir: So ist wenigstens die Anreise mit der S-Bahn recht kurz.

Du bist in der Staffel ja die "etwas andere" Kandidaten, die auch über eigene Schwächen spricht. Du lebst mit einer Prothese, gehst auf Instagram ganz offen damit um und hast das auch Bachelor Niko Griesert gleich offenbart. Ist dir das nicht schwer gefallen?

Natürlich hatte ich etwas Angst vor seiner Reaktion, da ich ja Niko zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich kannte und ihn und die anderen Mädels auch nicht in eine unangenehme Situation bringen wollte. Ich glaube, zu einem späteren Zeitpunkt und bei einem Date mit weniger Teilnehmerinnen hätte es mich weniger Überwindung gekostet. Aber ich wusste auch: Wenn er mich nicht akzeptiert hätte wie ich bin, hätte ich die nächste Rose auch nicht angenommen.

Warum trägst du die Prothese?

Im Alter von vier Jahren wurde mir mein Vorfuß amputiert. Ich bin in einen fahrbaren Rasenmäher auf unserem Grundstück reingerutscht, da das Gras durch Tau noch nass war. Der Rasenmäher sollte bei einem Widerstand aufhören zu mähen, doch das tat er leider nicht. Somit wurde mein Bein bis zu meinem Knie in die Klinge gezogen. Meine Großmutter und mein Vater retteten mir das Leben. Meine Oma trug mich blutend vom Rasenmäher in die Arztpraxis meines Vaters, die etwa 200 Meter Luftlinie vom Unfallort entfernt war. Mein Vater hat die Erstversorgung übernommen. Ein Helikopter wurde gerufen. Ich bin erst im Klinikum ohne Vorfuß wieder aufgewacht. Ich saß danach im Rollstuhl und musste wieder laufen lernen.

Du sprichst davon, dass du keine Modelmaße hast und mit Narben lebst. Willst du andere Leute dazu ermuntern, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen, auch wenn man nicht im klassischen Sinn perfekt ist?

Ich habe Glück, dass meine Eltern mir schon immer viel Selbstbewusstsein mit auf den Weg gegeben und mir eingetrichtert haben: "Du bist toll, so wie du bist, und ein genauso schönes Mädchen, auch wenn dir ein Fuß fehlt." Doch gerade in der Pubertät und in der Schule empfand ich das leider nicht immer so. Ich wurde von anderen Kindern und Jugendlichen aufgrund meiner Behinderung gehänselt und ausgeschlossen. Daher musste ich viele Jahre darum kämpfen, mich zu akzeptieren. Aber jetzt kann ich sagen: Ich fühle mich perfekt so, wie ich bin. Und dazu möchte ich auch andere Menschen ermuntern.

Wie ist das, wenn man plötzlich in der Öffentlichkeit steht und Bild-Schlagzeilen wie "Die traurige Geschichte von Kandidatin Hannah: Sie verlor einen Fuß" liest? Wie sieht das deine Familie?

Es ist für mich wirklich total irre, da ich damit gar nicht gerechnet hatte, und ich hoffe, dass sich dadurch auch die Akzeptanz von behinderten Menschen in den breiten Medien weiter etabliert. Meine Familie steht auf jeden Fall hinter mir und feuert mich von Franken aus an.