Andreas Wolff haben Joseph Kolb, Philipp Hofmann und Moritz Vogel - wie viele andere Sportbegeisterte wohl auch - bis vor wenigen Wochen nicht gekannt. Jetzt wissen die drei Zehnjährigen, wer Wolff ist. "Der deutsche Torwart. Er hat im EM-Finale gegen Spanien super gehalten", sagt Philipp, der vom Keeper des Handball-Europameisters schwärmt.

Mit Joseph, Moritz und den anderen Schülern der Klasse 4a der Thurnauer Schule greift Philipp, der sonst den Ball mit dem Fuß tritt, jetzt selbst zum Handball. Er will ein Turnier gewinnen, das viele vierten Klassen aus dem Landkreis Kulmbach am 11. Mai in der Dreifachsporthalle in Marktleugast zusammenführt.


Elf Klassen machen schon mit

Es ist das Turnier um den "1. Handball-Schulcup", das Peter Frankmölle vom TV Marktleugast ausrichtet. Peter Frankmölle, der oberfränkischer Referent für Kinderhandball im Bayerischen Handballverband ist, freut sich darüber, dass sich bis dato schon elf Klassen aus acht Schulen (Marktleugast, Mainleus, Thurnau, Kasendorf, Trebgast, Untersteinach, Kulmbach-Ziegelhütten und Burghaig ) angemeldet haben. "Ich bin sprachlos vor Begeisterung ob dieser Resonanz", sagt Frankmölle, nach dessen Worten auch das Schulamt die Sportveranstaltung begrüßt.


Auf dem Kleinfeld

Da die meisten Viertklässler bis dato mit Handball wenig am Hut hatten, lädt sie Frankmölle zum Schnuppertraining ein. Auch in Thurnau konnten die Viertklässler jetzt eine Doppelstunde im Schulsport trainieren. Im Spiel auf dem Kleinfeld haben sie schnell gelernt, dass Handball ein Teamsport ist, bei dem es ganz schön zur Sache geht.

"Das macht richtig Spaß", sagt Anne Täuber (10), die einen der weichen Goalcha-Bälle in die Hand nimmt, die den Kindern die Angst nehmen. "Wenn es bei uns einen Verein geben würde, würde ich gleich mitmachen", erklärt Philipp Hofmann.

Doch genau das ist die Krux. Im Landkreis gibt es laut Frankmölle nach dem Ausstieg des ATS Kulmbach aus dem Spielbetrieb mit dem TV Marktleugast und dem SSV Kasendorf nur noch zwei Vereine, die Handballsport anbieten.


Es gibt genügend Potenzial

Eltern müssen Fahrgemeinschaften bilden, um ihre Kinder zum Training zu bringen. "Das funktioniert. Bei uns in Marktleugast spielen auch viele Kinder aus umliegenden Gemeinden", sagt Peter Frankmölle, der sich dennoch wünscht, dass wieder mehr Vereine auf den Handball-Zug aufspringen. "Allein für Mainleus kann ich nach der Schnupperstunde in der Schule sagen, dass man dort ohne Probleme sowohl eine männliche wie auch weibliche D-Jugend stellen könnte."

Im Sportunterricht steht zwar Ballsport auf dem Lehrplan, meist wird aber Völkerball, Volleyball oder auch Basketball gespielt. In Thurnau wird wie an vielen anderen Schulen im Landkreis Kulmbach in den kommenden Wochen nun aber ein verstärktes Augenmerk auf Handball gelegt, wie die Sport- und Klassenlehrerin der 4a, Anja Sandmann, betont. Auch, um für den Wettstreit in Marktleugast gerüstet zu sein.


Getrennt in einem Team

Das Training und das Turnier sollen "Handball als Event" darstellen. In Marktleugast spielen Jungs und Mädels zwar in einem Team, sie stehen aber nicht gemeinsam auf dem Feld. "Die Mädchen der Klassen bestreiten die erste Halbzeit, die Jungen übernehmen das Ergebnis und spielen die zweite Halbzeit", erläutert Peter Frankmölle. Er hofft, dass sich noch Sponsoren finden, die die Veranstaltung unterstützen.