Was beim Backsteinbau der Petzbräu (nachmalige Mälzerei Müller) in der Pestalozzistraße sehenden Auges falsch gemacht wurde, wird bei den stadtbildprägenden Gebäuden auf dem alten Spinnereigelände richtig gemacht: Am Donnerstag entscheidet der Stadtrat über die Sanierung des letzten Komplexes, der noch herzurichten ist. Es geht um das markante Industriedenkmal am Bahnhofsplatz, erbaut 1928. Die historische Fassade des seinerzeit fortschrittlichen, streng gerasterten Betonskelettbaus wird erhalten.

Künftig soll hier ein Grünes Behördenzentrum entstehen. "Es liegt mir auch ganz persönlich am Herzen, diese Gebäude zukunftsfähig zu machen und einer neuen Nutzung zuzuführen", sagt Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD).

Planungsphase mit Verzögerung

Das Projekt eines privaten Investors aus Oberbayern zieht sich schon einige Zeit hin. Die Verzögerung macht bereits etwa ein Jahr aus. In der Planungsphase gab es einige Schwierigkeiten und Abstimmungsprobleme. Unvollständige Planunterlagen, der Umgang mit zu erhaltender Originalsubstanz, die Ausbildung des neuen Haupteingangs, der beim Denkmalschutz keinen Anklang fand, die Größe des neuen Staffelgeschosses oder die Zufahrt zur Tiefgarage - es gab eine Reihe strittiger Fragen.

"Da die alte Spinnerei aus verschiedenen Bauzeiten stammt, war es zum Beispiel wichtig, diese anhand der ursprünglichen verschiedenen Fassadengestaltung sichtbar zu machen und zu erhalten. Diesbezüglich gab es nach dem ersten gemeinsamen Ortstermin Umplanungen seitens des Investors", so Pressesprecherin Alexandra Beck vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. "Um einen denkmalgerechten Umgang mit dem Gebäude zu gewährleisten, waren das BLfD und die Untere Denkmalschutzbehörde von Beginn an in das Vorhaben eingebunden."

Inzwischen scheinen die Probleme ausgeräumt zu sein, es soll bald losgehen. Die Genehmigung der Denkmalbehörden und der städtischen Bauverwaltung liegt vor.

"Gegen das vorgestellte Nutzungskonzept bestehen grundsätzlich keine Bedenken", sagt Beck. Das Landesamt stimme der Baugenehmigung unter Auflagen zu. "Das Landesamt für Denkmalpflege begrüßt die Absichten des Investors, das leerstehende Industriedenkmal zu revitalisieren und denkmalgerecht instandzusetzen."

Zustimmung signalisiert

Und am Stadtrat wird's nicht scheitern. Von allen Seiten wurde Zustimmung signalisiert. OB Lehmann ("Die alte Spinnerei ist tief in der Identität der Stadt Kulmbach verwurzelt") geht davon aus, dass es grünes Licht für den Bauantrag auf Nutzungsänderung in ein Büro- und Servicegebäude geben wird.

Auf Anfrage konnte die Stadt Kulmbach zwar keinen genauen Bauzeitplan mitteilen, aber es ist davon auszugehen, dass die Sanierung bis Ende 2022 dauern wird. Dann will die Immobiliengesellschaft des Freistaats Bayern (Imby) das Gebäude mieten. Das Grüne Zentrum, so Lehmann, soll Sitz verschiedener staatlicher Einrichtungen und Institute werden, wie beispielsweise das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten oder das Kompetenzzentrum für Ernährung. "Damit gelingt uns auch eine weitere Stärkung des Lebensmittelstandortes Kulmbach." Der Oberbürgermeister rechnet mit etwa 100 Arbeitsplätzen in der Innenstadt.

Für die Mitarbeiter gibt es im Untergeschoss eine Tiefgarage mit 72 Stellplätzen. Deren Einfahrt war umstritten. Zunächst auf der Südseite geplant, wurden Zu- und Abfahrt auf die Nordseite an die Heinrich-von-Stephan-Straße verlegt. Beim Staffelgeschoss legten die Genehmigungsbehörden Wert darauf, dass das Penthouse zurückversetzt wird. Denn die exponierte Ostfassade am Bahnhofsvorplatz sei von herausragender Bedeutung.

Soccercourt wird abgebaut

Die Planung sieht den Umbau und die Nutzungsänderung der drei Hauptgeschosse vor. Dort befinden sich die Büros der Behördenmitarbeiter sowie die notwendigen Besprechungs-, Aufenthalts- und Sanitärräume. Fußgänger erreichen das Gebäude über die Fritz-Hornschuch-Straße: Auf der Ostseite wird der neue Haupteingang mit Treppe und Vordach gebaut. Dafür muss der kleine Fußballplatz abgebaut werden. Als barrierefreier Zugang ist an der Südseite ein weiterer Eingang mit Aufzügen geplant.