Samstag, 20. Juni, 15.41 Uhr - drei Hammerschläge des Auktionators, und die Sache ist für Bürgermeister Werner Diersch (SPD) gelaufen. Als kurz darauf in einem Nebenraum die notarielle Beurkundung des Kaufvertrages vorgenommen wird, ist die Gemeinde um 17.20 Uhr der neue Eigentümer des Trebgaster Bahnhofs.
Ein gediegener Saal mit 130 rot gepolsterten Stühlen, sieben Auktionatoren auf einem Podium, sechs Mitarbeiter an den Telefonen, drei Notare, die sich abwechseln - das ist am Samstag in Berlin der äußere Rahmen für die Versteigerung von 17 Bahnhofsgebäuden, unter diesen der 1902 erbaute Bahnhof Trebgast.

Mit einer Glocke wird die Veranstaltung eröffnet. Im Turnus von sieben bis zehn Minuten kommen an diesem Tag 68, an den beiden folgenden Tagen weitere 122 Immobilien-Objekte unter den Hammer. Filetstück am Samstag ist der spätklassizistische Bahnhof der Gemeinde Balduinstein im Rhein-Lahn-Kreis. Ausgehend von einem Mindestgebot von 25 000 Euro findet er für 120 000 Euro einen neuen Besitzer.

Es gibt einen Mitbieter

40 Personen sind um 15.33 Uhr noch im Saal, als mit der Nummer 39 der Trebgaster Bahnhof aufgerufen und ein Foto an die große Leinwand projiziert wird. Diersch hat bereits im Vorfeld schriftlich ein Gebot über die Mindestsumme von 12 000 Euro abgegeben. Als ein unbekannter Konkurrent auftritt, der in 500-Euro-Schritten bis 17 500 Euro mitbietet, bleibt Diersch gelassen. "Ich wusste, was ich mir vorgenommen hatte und habe mich ganz darauf konzentriert", sagt er nach der Versteigerung. Als er auf 18 000 Euro erhöht, fällt um 15.41 Uhr dreimal der Hammer. Damit ist aus rechtlicher Sicht der Zuschlag erteilt und der Kaufvertrag geschlossen. Das festgelegte Budget hat ausgereicht. Vermutlich war sogar noch Luft nach oben.

Das darf die Gemeinde nicht

Die spannende Frage ist: Was macht die Gemeinde mit ihrem Kauf? Ganz sicher ist, was sie nicht machen wird. Sie darf die Flächen oder Räume nicht zum Zwecke des Betriebes von Spielhallen, Sex- und Erotikshops, Peepshows, Bordellen, als Versammlungsstätten für radikale Gruppen, an Drogenberatungsstellen und für Waffengeschäfte vermieten. Diese Einschränkungen sind unter "Punkt 3 der Besonderen Verkaufsbedingungen" festgeschrieben.

Werner Diersch war mit Rückendeckung des Gemeinderates und der Erwartung nach Berlin gefahren, dass es mit dem Erwerb des Bahnhofes zu einem akzeptablen Preis klappen könnte. "Ich bin erst einmal froh, dass der Gemeinderat überhaupt dem Konzept zugestimmt hat, das Objekt in eigene Hände zu bekommen, um damit zu verhindern, dass hier irgendjemand unkontrolliert etwas auf die Beine stellt. Wir haben ja gesehen, dass auch von anderer Seite Interesse da war", lautet sein erstes Statement in Berlin.

"Für die künftige Gestaltung der Ortsmitte ist das ein wichtiger Meilenstein. Die Nutzungsmöglichkeiten, ob als Wohnung, als Senioren-Wohngruppe oder auch für Gewerberäume, sind vielfältig", wird er dann etwas konkreter. Man stehe erst am Beginn des Integrierten Stadt entwicklungs-Konzeptes (ISEK), für dessen Umsetzung ein Planungsbüro ausgewählt worden ist. Ein Verfahren, das etwa ein Jahr dauern wird. "Dabei werden wir mit Unterstützung der Bürger alle Chancen für unsere Gemeinde bündeln und festlegen, was in den nächsten 15 Jahren passieren soll. Wir können jetzt in Ruhe überlegen, wie wir das Objekt dort integrieren können."

Kommen weitere Flächen dazu?

Als erste Maßnahme sieht er die Notwendigkeit, das Gebäude dahingehend zu sichern, dass keine weiteren Schäden auftreten. Man stehe mit der Deutschen Bahn AG bezüglich des Erwerb weiterer Flächen in Verhandlung, die die Bahn links und rechts ihrer Bahnstrecke abgeben will. Die Kosten für den Erwerb des Bahnhofs sind nicht im Haushaltsplan 2015 vorgesehen. Sie werden komplett aus den Rücklagen finanziert.

Den Mietern fällt erst einmal ein Stein vom Herzen, als sie von der erfolgreichen Mission erfahren. Sie wissen, dass die Räume frei sein müssen, wenn die Revitalisierung des Objekts anstehen sollte. Sie müssen aber nicht Knall auf Fall ausziehen. Roland Johne verspricht: "Wir werden unser Domizil auch weiterhin sauber und in Ordnung halten."