Stabwechsel im Kulmbacher Rathaus: Am heutigen 1. Mai beginnt die Amtszeit des neuen Oberbürgermeisters Ingo Lehmann (SPD). Der 48-Jährige ist der sechste Kulmbacher OB nach dem Krieg. Mit 50,82 Prozent hatte Lehmann die Stichwahl am 29. März gewonnen und sich überraschend gegen den Amtsinhaber Henry Schramm durchgesetzt.

Lehmann hat am 4. Mai seinen ersten Arbeitstag im Rathaus. Am 7. Mai wird er bei der konstituierenden Sitzung des Stadtrats vereidigt. Wie bereitet er sich auf die neue Aufgabe vor? Was bewegt ihn, was hat er vor? Wir sprachen mit dem neuen Oberbürgermeister.

Wenn Sie beim Rasieren in den Spiegel schauen, sehen Sie dann den neuen Kulmbacher OB?

Ingo Lehmann: Da sehe ich immer noch den Ingo Lehmann und hoffe, dass er die Erwartungen erfüllt, die die Menschen in ihn setzen. Wichtig ist, dass man die Person bleibt, die man war, und dass man sich nicht einzig und allein über ein Amt definiert.

Haben Sie Ihren Schreibtisch als Büroleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter von MdL Inge Aures (SPD) schon geräumt?

Der Schreibtisch war immer aufgeräumt (lacht). Ich hoffe, dass sich mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin dort schnell zurechtfindet.

Wenn Sie jetzt weggehen, dann mit einem weinenden und einem lachenden Auge?

Ja, genau. Es waren sechs schöne Jahre. Man hat viele gemeinsame Erfahrungen gemacht. Es war eine interessante und lehrreiche Zeit. Deswegen gehe ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge - denn ich freue mich jetzt auf die neue Herausforderung.

Wie lief die Amtsübergabe?

Mit dem bisherigen Amtsinhaber Henry Schramm hatte ich zwei Treffen, die aus meiner Sicht gut verlaufen sind. Ich habe auch schon sehr viele Gespräche geführt mit Referats- und Abteilungsleitern der Stadtverwaltung, mit verschiedenen Vereinen, Organisationen und Verbänden - da bekommt man auch einen Einblick in die Materie: Was bewegt die Leute, was ist wichtig? Allerdings wird aktuell vieles von der Coronakrise überlagert - dadurch ergeben sich besondere Herausforderungen. Den Problemen muss man sich als Stadtoberhaupt stellen. Es stellen sich Fragen: Funktioniert der Rettungsschirm beim Einzelhandel, bei der Gastronomie und bei den Unternehmen? Wie kann die Stadt helfen? Die Coronakrise wird uns noch lange beschäftigen.

Nervös vor dem ersten Arbeitstag im neuen Job?

Wenn man sagen würde, man ist nicht nervös, würde es bedeuten, dass es einem egal ist. Das ist bei mir nicht so. Ich bin neugierig auf die neue Aufgabe. Ich werde am Anfang alles beobachten, um Abläufe kennenzulernen. Die Menschen haben mir einen Auftrag erteilt, den muss ich wahrnehmen, da freue ich mich drauf.

Was werden Sie am Montag im Rathaus als erstes machen?

Da gibt es vieles: Ich werde das Büro in Augenschein nehmen und auf die Mitarbeiter zugehen, um sie kennenzulernen.

Wie werden Sie die neue Aufgabe angehen? Welchen Stil wollen Sie pflegen?

Mir ist es wichtig, dass man die Erfahrungen und vor allen Dingen die Kompetenzen der Mitarbeiter nutzt - für die Bürgerinnen und Bürger. Ich denke, dass wir eine gut funktionierende Stadtverwaltung haben. Als OB muss man den Überblick haben, aber die verschiedenen Verantwortlichen sollen selbstständig arbeiten. Ich begegne den Mitarbeitern auf Augenhöhe.

Was packen Sie als erstes an?

Es gibt viele Projekte, die wichtig sind und am besten gleichzeitig umgesetzt werden sollten. Priorität haben der bezahlbare Wohnraum für die Kulmbacher und die Universität. Denn beim Campus ist die Grundstücksfrage immer noch ungeklärt, obwohl in der Öffentlichkeit immer etwas anderes gesagt worden ist.

Wen wünschen Sie sich als Stellvertreter, als Zweiten und Dritten Bürgermeister?

Bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters wird es nach meiner Einschätzung eine deutliche Mehrheit über alle Fraktionen hinweg für Frank Wilzok (CSU) geben. Das freut mich, denn mit ihm verbindet mich ein freundschaftliches Verhältnis. Als Dritte Bürgermeisterin wird die SPD-Fraktion Dagmar Keis-Lechner (Die Grünen) vorschlagen. Es würde Kulmbach gut zu Gesicht stehen, wenn eine Frau in der Bürgermeisterriege mit dabei wäre.

Wie bewerten Sie die vor kurzem aufgetauchten Pläne, in Kulmbach ein Theater zu bauen?

Aufgrund der momentanen Situation mit der Corona-Krise und der vielen Äußerungen aus der Kulturszene steht bei mir ein Theaterneubau auf der Agenda nicht ganz oben.