Ein Spitzentreffen aller Beteiligter in München zum Thema Uni-Campus Kulmbach hat das Projekt nach Einschätzung aus Teilnehmerkreisen deutlich vorangebracht. Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) hat gemeinsam mit seiner Kabinettskollegin Kerstin Schreyer (Wohnen, Bau und Verkehr) unterstrichen, dass die Staatsregierung alles für das Vorhaben tun werde: "Wir wollen und wir werden liefern!"

Ziel des sogenannten "Uni-Gipfels" war es, eine klare Strategie, einen strukturierten Fahrplan und eine konkrete Langfristperspektive für den Campus Kulmbach zu fixieren. Nach Einschätzung von Landtagsabgeordnetem Martin Schöffel (CSU) ist auch gelungen. "Alle arbeiten mit Hochdruck daran".

Ministerin Schreyer hat nach übereinstimmenden Angaben aus Teilnehmerkreisen deutlich gemacht, dass das zunächst notwendige Verkehrswertgutachten für das Güterbahnhofsgelände noch in diesem Jahr vorliegen werde. Das eng gesteckte Ziel sei es nun, den Verkauf von der Kulmbacher Brauerei an den Freistaat bis zur Sommerpause verwirkliche zu können.

Zeit aufgeholt

Ja, diese Abläufe bräuchten viel Zeit und dauerten vielleicht länger und seien komplizierter als ein privater Verkauf, räumte Schöffel im Gespräch mit unserer Zeitung ein. Allerdings müssten dabei auch Fragen zum Beispiel hinsichtlich möglicher Altlasten geklärt werden. Durch den Termin am Dienstag habe man auf jeden Fall wieder Zeit aufgeholt - und vielleicht hätten zum Teil auch Informationen vor Ort gefehlt. "Jetzt jedenfalls haben alle Sicherheit, dass mit Hochdruck an dem Projekt gearbeitet wird", unterstrich Schöffel.

Nun müssten parallel zum Prozess des Grundstückserwerbs Bauabschnitte gebildet werden, es müsse konkret geplant und finanziert werden. Der Landtag hat bereits einen Finanzrahmen vorgegeben, die einzelnen Kosten müssten nun in den jeweiligen Haushalten abgebildet werden.

"Es tut sich was, das haben gestern alle gespürt", so Martin Schöffel abschließend. "Es hat auch keinen einzigen Misston gegeben."

"Kümmerer" im Ministerium

Als "äußerst fruchtbares Gespräch" und "großen Durchbruch" bezeichnete auch Landtagsabgeordneter Rainer Ludwig (Freie Wähler) die Zusammenkunft. Wichtig für ihn war auch die Ankündigung von Bauministerin Schreyer, dass es ab sofort einen festen Ansprechpartner auf Arbeitsebene im Ministerium geben werde, der auch koordinierend eingreifen soll.

Von der Unterredung geht nach Einschätzung Ludwigs ein "sehr sehr starkes Signal für den Uni-Standort Kulmbach aus". Es solle auch die dringend notwendige Infrastruktur für den vorübergehenden Studien- und Forschungsbetrieb im "Fritz" gewährleistet werden, sei ein weiteres Ergebnis, so Ludwig. Auch hier werd es weiterführende Gespräche zwischen dem Eigentümer und der Immobilien Bayern geben.

Uni-Präsident Stefan Leible hatte nach Angaben Ludwigs das Güterbahnhofsgelände als "alternativlosen Standort" bezeichnet. Weiter habe er gesagt: "Wir sind mit dem Ergebnis des Treffens sehr zufrieden. Es wurden klare Zielvorgaben gemacht. Das ist ein wichtiger Schritt für den Campus Kulmbach."

Landrat Klaus Peter Söllner freute sich über die Dynamik, die allein schon durch die Ankündigung des Gesprächs zu spüren war. "Wenn zwei Minister sich so viel Zeit nehmen, dann wird daran schon klar, welche hohe Priorität das Projektes hat."

Bezirkstagspräsident Henry Schramm (CSU) zeigte sich sehr erfreut darüber, dass die Staatsregierung mit so viel Klarheit hinter dem Projekt steht. "Es war ein wunderbarer Termin, der auch notwendig war, und ich bin sehr zuversichtlich, dass es mit der Fakultät in Kulmbach gut weitergeht."

Es gebe neben einer klaren Strategie und einem strukturiertem Fahrplan nun auch künftig eine konsequente Steuerung und eine zuverlässige Koordination. Ein kontinuierlicher Dialog runde dies ab. All dies gebe Planungssicherheit und konkrete Langfristperspektiven für Kulmbach, unterstrich Rainer Ludwig.

Besonders gefreut habe ihn das klare Bekenntnis von allen Seiten. Daraus ergebe sich ein nachhaltiger Impuls für die Region. Auch für ihn habe der Prozess bisher gefühlt manchmal zu lange gedauert, räumte der Abgeordnete ein. Jetzt, wo man diese Prozesse gemeinsam näher betrachtet habe, sei durchaus zu erkennen, dass alles positiv im Fluss sei.

Auch wenn er sich diese Zusammenkunft früher gewünscht habe, könne man angesichts des Ergebnisses den zeitlichen Verzug hinnehmen.

Weitere Teilnehmer am Dienstag in München waren u.a. Uni-Kanzler Markus Zanner, der Kulmbacher Gründungsdekan Stephan Clemens, Geschäftsführer Dieter Knauer (Immobilien Freistaat Bayern, IMBY), Vertreter der Regierung von Oberfranken, Oberbürgermeister Ingo Lehmann(SPD) sowie die Fraktionsvorsitzenden im Kulmbacher Stadtrat, Ralf Hartnack (WGK) und Michael Pfitzner (CSU).

KOMMENTAR von Alexander Müller

Auch wenn Prozesse, die vom Staat gesteuert werden, einfach ein wenig länger dauern, ist es jetzt durchaus an der Zeit, dass München aufs Tempo drückt. Der Erfolg des Uni-Campus in Kulmbach hängt nämlich nicht nur davon ab, dass alle Beteiligten an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen, sondern auch davon, welchen Ruf sich die Fakultät bei Personal und Studierenden erwirbt. Ein über Jahre hinweg notwendiges Provisorium gehört in aller Regel nicht wirklich zu Punkten, die als positiv wahrgenommen werden.

Insofern war der Termin gestern zweifellos wichtig und hilfreich, denn einerseits hat die Staatsregierung eindeutig Flagge gezeigt - und andererseits auch die Bereitschaft signalisiert, jetzt endlich erkennbar voranzukommen.

Die Universität Bayreuth ist mit ihrem umtriebigen Gründungsteam und einigen international renommierten Wissenschaftlern jedenfalls schon klar in Vorleistung gegangen.

Spätestens jetzt ist es zudem an der Zeit, dass den Kulmbachern verdeutlicht wird, welche große Chance in dem Projekt steckt. Hier hat auch und vor allem die Stadt eine nicht zu unterschätzende Aufgabe zu erfüllen.