Die Sportschau im Fernsehen kann man sich neuerdings sparen. Wer gerne bei einem Autorennen dabei sein möchte, sollte sonntags in die Innenstadt laufen.
Ich hatte am Wochenende Lust auf ein Eis und habe bei schönem Wetter einen Ausflug in die Stadt gemacht. Es waren kaum Autos unterwegs, ich hörte die Vögelchen zwitschern und lief gut gelaunt durch die Unterführung kurz vorm "Fritz".
Plötzlich ertönte hinter mir ein lautes "Bruuumm" und ich zuckte erschrocken zusammen. Ein Auto fegte wie ein Blitz an mir vorbei und verschwand mit quietschenden Reifen aus meinem Blickfeld. Gleich danach kam ein Motorradfahrer, der sich wohl dachte "Das muss ich toppen" und im Affenzahn an mir vorbeirauschte.
Ab da war ich mir sicher: An mir ist einfach völlig vorbeigegangen, dass der Sonntag zu einem offiziellen Renntag in Kulmbach geworden ist. Klar, warum auch nicht? Es gibt kein nerviges Abbremsen mehr, denn die Ampeln sind ja aus. Zu langsame Autofahrer, die ernsthaft mit 50 Stundenkilometern durch die Stadt fahren, kann man einfach überholen. Und die paar Fußgänger, die über die Straße gehen? Die werden schon aus dem Weg hüpfen - ein kleiner Adrenalin-Kick schadet schließlich nicht.
Das alles war wohl auch dem Fahrradfahrer bewusst, der am gleichen Tag millimeterscharf ohne abzubremsen an mir vorbeiflitzte. Er war wohl der Meinung "Lieber nehme ich jemanden auf dem Gehsteig mit, als selber auf der Straße überfahren zu werden" - eine durchaus interessante Denkweise.
Sarina Rosenbusch