Schon als Lehrling hat er davon geträumt, eine eigene Firma zu haben. Dieser Traum ist für Axel Pieper nun in Erfüllung gegangen: Der 34-Jährige hat das Mainleuser Bauunternehmen Helmut Herrmann übernommen - das Unternehmen, in dem er seine Ausbildung absolviert hat.

Von 1997 bis 2000 lernte Axel Pieper, der aus Gundersreuth stammt und inzwischen in Kulmbach wohnt, den Beruf des Maurers. "Einer unserer Besten", erinnert sich Helmut Herrmann. Das Lob kommt nicht von ungefähr: Pieper nahm an Leistungswettbewerben der Handwerksjugend teil, war Innungs- und Bezirkssieger und auf bayerischer Ebene zweiter Landessieger.


Mehrere Fortbildungen

Nach der Ausbildung und Erfahrungen auf der Baustelle folgten für Pieper der Besuch der staatlichen Fachschule für Bautechnik und der Meisterschule für Maurer und Betonbauer in Bayreuth. Ein Fortbildungslehrgang zum Technischen Fachwirt und der Ausbilder-Eignungsschein schlossen sich an. Die Basis für den weiteren beruflichen Werdegang war geschaffen.

Weitere Erfahrung sammelte Pieper bei einem Ausflug in eine berufsfremde Tätigkeit, bei der er sich Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit schweren Maschinen und Fahrzeugen aneignete. Das kommt ihm nun bei der Disposition und dem Abschätzen von Zufahrtsmöglichkeiten zugute, sagt er.

Von 2007 bis 2012 arbeitete er als Bauleiter in Bayreuth. Doch auch in dieser Zeit rissen die Kontakte zu seiner Ausbildungs-Firma nicht ab. 2012 fand dann ein Gespräch mit Helmut Herrmann statt, das die Weichen für die Betriebsübernahme stellen sollte.


Alles soll geregelt sein

"Ich habe zwei Töchter, die dafür nicht in Frage kommen", erklärt Helmut Hermann. Deshalb hat der heute 60-Jährige schon früh damit begonnen, sich Gedanken über die Fortführung der Firma zu machen. "Das sollte ja geregelt sein", sagt er ganz pragmatisch. Deshalb habe er sich an Axel Pieper gewandt und ihm angeboten, wieder bei ihm anzufangen mit der Option, die Firma weiterzuführen.

"Alles hat gepasst", erinnert sich Axel Pieper an die Unterhaltung - er kehrte gerne an seine alte Wirkungsstätte zurück. Anfängliche Bedenken, dass der ehemalige Lehrling von der Belegschaft nicht als Chef akzeptiert werden könnte, waren schnell verflogen. "Es gab keinerlei Probleme", sagt Pieper. Und Helmut Herrmann fügt hinzu: "Die knapp 30 Mitarbeiter haben verstanden, wie wichtig es ist, dass es weitergeht."

Und es soll bodenständig weitergehen: "Wir sind regional aufgestellt und werden es auch bleiben", verspricht der neue Chef. Damit meint er sowohl die Mitarbeiter, die zu 90 Prozent aus dem Landkreis Kulmbach stammen, ebenso wie die Aufträge, die die Firma in Angriff nimmt. Natürlich gebe es hin und wieder eine Ausnahme, aber "ich brauche keine Großstadt und Riesenprojekte", sagt der 34-Jährige.

Auch der Name des Geschäfts bleibt bis auf eine Kleinigkeit unverändert: "Helmut Herrmann Bauunternehmen GmbH" heißt die Firma, neu ist lediglich das GmbH. "Der Name ist etabliert und als Marke inzwischen 30 Jahre bekannt", erklärt Pieper den Hintergrund. Warum also daran was ändern?

Die Übergabe ist inzwischen offiziell vollzogen und wurde im kleinen Rahmen gefeiert. "Einer der schönsten Tage in meinem Leben", sagt Pieper.

Helmut Hermann bleibt seinem Nachfolger als Mitarbeiter weiterhin erhalten, ebenso dessen Frau, die im Büro tätig ist. "Ich bin jetzt 60. Wann ich endgültig in Ruhestand gehe, wird sich ergeben. Bis 70 will ich jedenfalls nicht machen", sagt Helmut Herrmann mit dem ihm ganz eigenen verschmitzten Lächeln.