Das hätte durchaus noch schief gehen können: Den Kaminbrand im Ort hatte die Rugendorfer Feuerwehr schnell unter Kontrolle. Doch die Entdeckung von Hitzestellen an brennbaren Gebäudeteilen war mehr einem Zufall geschuldet.

Allein dem Umstand, dass die mitalarmierten Feuerwehren aus Kulmbach und Stadtsteinach Wärmebildkameras zur Hand hatten, war es zu verdanken, dass die Gefahrenstellen schnell erkannt wurden. "Die Bereiche waren in sechs, sieben Metern Höhe an der Giebelseite des Hauses und nicht zugänglich", erklärt stellvertretender Kommandant Franz Schnaubelt. Und ist dankbar dafür, dass modernste Technik ein böses Erwachen für Bewohner und Feuerwehr in dieser Nacht verhindert hat. "Wir konnten dann ganz gezielt vorgehen."


Spendable Unternehmer

Das kann die Rugendorfer Feuerwehr auch künftig - und zwar ohne Kollege Zufall und ohne fremde Unterstützung.
Die Mannschaft verfügt ab sofort selbst über eine Wärmebildkamera. Zu verdanken ist das der Familie Kotte. Die Firma Kotte & Zeller, die europaweit Ausrüstung für Abenteurer vertreibt und erst unlängst in Rugendorf ein komplett neues Firmengebäude errichtet hat, hat das Gerät im Wert von fast 8000 Euro finanziert.
Dieser Tage waren sie von der Feuerwehr eingeladen, um die Funktionsweise der Kamera am konkreten Beispiel kennenzulernen. Helmut Wunder hatte dazu eigens ein Feuer angezündet, das das Gerät kontrastreich darstellte und das binnen weniger Minuten laut Kamera-Display eine Temperatur von über 800 Grad erreichte - gemessen aus einer Entfernung von über zehn Metern.

Doch das Gerät der Marke Dräger kann noch mehr. Es zeigt in völlig verqualmten Räumen und trotz offenen Feuers Personen deutlich an und ermöglicht den Einsatzkräften die Orientierung. Oder es erkennt unter Spannung stehende Stromleitungen, die den Feuerwehrleuten selbst zum Verhängnis werden könnten.
Oder es lässt über den Wärmeabdruck auf Sitzen Rückschlüsse zu, wie viele Personen tatsächlich in einem Unfallwagen gesessen haben. Denn immer wieder kommt es vor, dass Personen bei einem Unfall aus dem Fahrzeug geschleudert werden oder sich verletzt vom Unglücksort entfernen...

Auch der Funktionszustand von elektrischen Geräten lässt sich prüfen. Oder die Temperatur in einem landwirtschaftlichen Silo, die durchaus zu einem Problem werden kann.
Dass eine Wärmebildkamera oft entscheidende Einsatzzeit spart, machte Schnaubelt an statistischen Zahlen fest. Die Zeit für die Suche nach einem Brandherd halbiert sich und die für eine Personensuche reduziert sich auf ein Drittel.

"Wie Weihnachten und Ostern an einem Tag" sei es gewesen, so der stellvertretende Kommandant, als die Familie Kotte den Kauf der Kamera zugesagt hätte. Die Sponsoren indes geben sich bescheiden. "Wir wollten die Feuerwehr unterstützen und etwas beisteuern, was auch dringend gebraucht wird", sagt Rainer Kotte. "Da kam die Anfrage der Feuerwehr gerade recht."


"Eine Riesenentlastung"

Bürgermeister Ralf Holzmann (parteilos) ist begeistert. "Das ist eine Riesenentlastung für die Gemeindekasse. Eine Ausrüstung in dieser Qualität hätten wir uns nicht leisten können", sagt er, macht wie Feuerwehr-Vorsitzender Roland Schnaubelt allerdings deutlich, dass die Mannschaft im Zusammenhang mit der Anschaffung des neuen Einsatzfahrzeugs weiter auf Spenden angewiesen ist. "Das Spendenkonto bei der Kulmbacher Bank gibt es nach wie vor", betont Schnaubelt. Und freut sich wie alle Rugendorfer Feuerwehrleute auf den 10. Oktober.

Dann wird der neue Dienstwagen um 14 Uhr am Haus der Jugend offiziell an die Mannschaft übergeben und kann samt Ausrüstung auch von der Bevölkerung begutachtet werden. Ein Blick durch die Wärmebildkamera darf da sicher nicht fehlen....