Bier- und Altstadtfest, Motorrad-Sternfahrt oder auch die Plassenburg-Open-Air-Reihe und die "Italienische Nacht" - werden wir Kulmbacher die Feste, die uns das Virus 2020 genommen hat, in diesem Jahr feiern können? Der Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen verheißt nichts Gutes. Die Vorfreude schwindet. Doch abgesagt wurde bis dato keine Veranstaltung.

Ein Blick nach München

Was ist heuer möglich? Eine Frage, die viele bewegt. Und dabei ist schon jetzt klar. Sollten größere Veranstaltungen überhaupt möglich sein, dann nur mit einem ausgeklügelten Hygienekonzept und mit verminderten Besucherzahlen. In München wurde bereits über eine "Wies'n light" diskutiert. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat dem Schmalspur-Oktoberfest aber bereits eine Absage erteilt. Die Wies'n in abgespeckter Form mit Einlassbeschränkungen oder halb so vielen Tischen wie sonst sei undenkbar. Er könne sich kein Oktoberfest vorstellen, bei dem man Abstände einhalten soll, hat der Kommunalpolitiker dem "Münchner Merkur" vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie erklärt.

Die Bierwoche "light"?

Kaum vorstellbar ist es auch, dass im Kulmbacher Bierstadel nur die Hälfte der Biertische und -bänke steht. Die Bierwoche ohne Schunkeln und Gesang? Gedankenspiele, mit der sich der Stadelfan sicher nicht anfreunden könnte.

Das sagt die Brauerei

Die Aussichten auf eine urige "Festspülwoche" sind gering, doch die Kulmbacher Brauerei hat die 71. Ausgabe vom 31. Juli bis 8. August noch nicht abgeschrieben. "Wir als Kulmbacher Brauerei würden uns sehr freuen, wenn die Bierwoche im Jahr 2021 wie gewohnt im Herzen unserer Stadt stattfinden könnte. Nach aktuellem Stand ist es jedoch zu früh, eine verbindliche Aussage zu treffen", heißt es auf Anfrage und weiter: "Diese Entscheidung ist abhängig von der weiteren Entwicklung der Pandemie in unserem Land. Wie alle Veranstalter halten wir uns an die Bestimmungen und die Gesetzgebung der Bundesregierung. Aktuell gibt es keine langfristigen, verbindlichen Bestimmungen, so dass wir die dynamische Entwicklung im Blick behalten müssen."

Kommen die Hotelgäste?

Freuen würden sich auch die Kulmbacher Hoteliers und Gastronomen, die von der Bierwoche profitieren. So sind in den Hotels schon Zimmer reserviert. Auch im "Hotel Ertl" am Stadtpark, wo sich Gäste aus England und den USA angemeldet haben. "Wenn die Bierwoche stattfinden würde und wir unsere Gäste begrüßen könnten, wäre das eine super Sache. Mit Blick auf die aktuelle Lage habe ich da aber meine Zweifel", sagt Besitzer Stephan Ertl.

Auch Bürgermeister hat Zweifel

Zweifel, die Bürgermeister Franz Wilzok (CSU) teilt, der zur Zeit den sich im Krankenstand befindlichen OB Ingo Lehmann (SPD) im Rathaus vertritt. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Wilzok, nach dessen Worten die Stadt wie in den Vorjahren Geld für alle Kulmbacher Großveranstaltungen eingeplant hat. Um die 250 000 Euro für große Events wie das Bierfest, das Altstadtfest, die Open-Air-Veranstaltungen auf der Plassenburg, aber auch für das Street-Food-Festival und den Innenstadt-Flohmarkt. Ob die Stadt das Geld ausgeben "darf"? "Wir würden uns natürlich freuen, wenn wir das könnten, denn das wäre auch ein Zeichen dafür, dass wir das Corona-Virus in den Griff bekommen haben", sagt Frank Wilzok, der persönlich glaubt, dass zumindest im ersten Halbjahr kaum größere Veranstaltungen über die Bühne gehen werden.

Konzerte ab zwei Abenden?

Im Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb habe man sich schon überlegt, wie man im Juli ein Open-Air auf der Burg gestalten könnte, so Wilzok. Ein Burghof, in dem sich nur die Hälfte der sonst üblichen Sitzplätze befinden, ein Konzert, das dafür nicht nur an einem, sondern an zwei Abenden gegeben wird? Alles Gedankenspiele, die man da mache.

Die Sternfahrt naht?

Bis zur Open-Air-Reihe, bei der unter anderem Angelo Kelly & Family sowie "LaBrassBanda" auftreten sollten, ist es noch ein knappes halbes Jahr. Die erste Großveranstaltung, die Jahr für Jahr Zehntausende nach Kulmbach, lockt, stünde schon am 25./26.April an. Die Motorrad-Sternfahrt, die 2020 auch schon abgesagt werden musste.

Keine Antwort aus München

Kaum vorstellbar, dass 2021 Zehntausende Biker aus ganz Europa nach Kulmbach kommen. Abgesagt wurde das Event, dessen Mitveranstalter das Bayerische Innenministerium ist, aber noch nicht. "Die Kulmbacher Brauerei und das Polizeipräsidium Oberfranken befinden sich in ständiger, enger Abstimmung mit den Verantwortlichen des Ministeriums und rechnen mit einer Entscheidung bis Ende Januar 2021" , heißt die schriftliche Stellungnahme der Kulmbacher Brauerei. Eine Anfrage an das Innenministerium selbst blieb unbeantwortet.