Eigentlich ist es schon fünf nach zwölf. Was die Alten- und Krankenpflege betrifft, wird in der Politik zu viel geredet und zu wenig gehandelt. Schon seit Jahrzehnten zeichnet sich die Krise ab, die uns gerade über den Kopf wächst. Und noch immer passiert nichts Wirkungsvolles, um die strukturellen Probleme zu lösen.

Pflege wird als Beruf nicht allein dadurch attraktiver, dass man Ausbildungen zusammenschmeißt und beim Entgelttarif ein paar Euro drauf legt. Es sind die Arbeitsbedingungen, die sich verbessern müssen. Sonst fehlt es nicht nur am Nachwuchs, sondern auch die vorhandenen Fachkräfte werden immer häufiger das Handtuch werfen.

Ständiger Zeitdruck, geteilte Dienste, Überstunden - wer ständig am Limit arbeitet, überlegt sich früher oder später, wie lange er sich das noch antun will.

Die Debatte um die Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen und Ängste vor dadurch bedingtem Personalverlust zeigen, wie dünn das Eis ist, auf dem die Pflege balanciert. Im Ernstfall fehlen vermutlich nur vergleichsweise wenige Köpfe. Aber schon geringe Ausfälle können dazu führen, dass Plätze in Heimen nicht belegt werden können. Das ist kein hypothetisches Szenario, sondern bereits Realität.

Die Wohlfahrtsverbände haben in den vergangenen Jahren kräftig in den Um- und Neubau von Seniorenpflegeheimen investiert. Dabei haben sie sich an den Bedarfsprognosen für den Landkreis orientiert und zusätzliche Pflegeplätze geschaffen. Sie könnten noch mehr Häuser bauen und mit Bewohnern füllen - wenn sie genug Fachpersonal fänden.

Doch da sieht es auf absehbare Zeit eher düster aus. Eine der Folgen sieht man im Seniorenheim im Mainpark, das die Diakonie künftig nicht weiterbetreiben kann - aus baulichen, aber vor allem aus personellen Gründen.