Für die einen war er ein treuer Freund und Wegbegleiter, für die anderen ein toller Kollege und auch Vorgesetzter: Thomas Lange, der langjährige Redaktionsleiter der Bayerischen Rundschau, der am Samstag im Alter von 68 Jahren gestorben ist.

Erschüttert von Tom Langes Tod zeigte sich Ottmar Schmidt, langjähriger Redaktionsleiter der Bayerischen Rundschau und Vorgänger Langes: "Er war der Beste - als Kollege, als Freund und als Mensch." Intelligent und kompetent habe er Themen aufgearbeitet, sich in der Kommunalpolitik und speziell in kommunalem Haushaltsrecht ausgekannt wie nur wenige Journalisten. "Er hatte eine seltene Begabung für das Kommentieren, war sehr sprachgewandt und konnte Dinge präzise auf den Punkt bringen." Ottmar Schmidt kannte Lange von Jugend an, seit der Schüler Tom mit Schmidts Sohn Rainer das MGF-Gymnasium besucht hatte. "Er hat einmal zu mir gesagt, sein größtes Ziel sei es, mein Nachfolger als Redaktionsleiter der Bayerischen Rundschau zu werden. Das hat er erreicht."

Stellvertretender mgo-Chefredakteur Christian Holhut war unter Thomas Lange Volontär, ab 2008 dann ebenfalls fünf Jahre lang BR-Redaktionsleiter. "Der Lokaljournalismus verliert mit Lange einen meinungsstarken Blattmacher, und Kulmbach einen bekannten charismatischen Kopf", sagt Holhut. Es sei schon traurig, den langjährigen Kollegen plötzlich nicht mehr bei seinen morgendlichen Spaziergängen mit Hund zwischen Siedlung und Melkendorf anzutreffen.

Einen "sehr guten Freund" hat Hans-Jürgen Päsler verloren. Thomas Lange sei der "geborene Journalist" gewesen, über Jahrzehnte das prägende Gesicht der Bayerischen Rundschau. Er habe mit seinem Schreibstil brilliert, sei in seiner journalistschen Tätigkeit auch nie einem Konflikt aus dem Weg gegangen. "Auf seine Kommentare war ich immer gespannt." Was man bei allem nie vergessen dürfe: "Tom hat sich immer für Kulmbach eingesetzt und für die Stadt als Journalist auch viel bewirkt."

Lange ("Er hat gewusst, wie man das Leben genießt") sei auch einer der Männer gewesen, die mit ihm die Kommunbräu aus der Taufe gehoben haben. "Er war einer der Initiatoren, hat lange Zeit als Aufsichtsratsvorsitzender Verantwortung übernommen. In einer nicht immer einfachen Zeit, in der es auch juristische Auseinandersetzungen gab, war Tom ein Fels in der Brandung", sagt Päsler, der selbst das Amt des Vorstands innehatte. Er, so Päsler, habe auch Thomas Langes Lebenswillen bewundert. "Tom hat sich trotz seiner Erkrankung in den letzten Jahren nie unterkriegen lassen und seinen Stammtisch auch in einer schweren Zeit weiterhin besucht."

Der Tod von Thomas Lange reißt auch in die "Zunftstuben"-Familie eine Lücke, die nicht zu schließen ist. In dem Wirtshaus in der Oberen Stadt war er schon als Schüler regelmäßig Gast, um die eine oder andere Freistunde am benachbarten MGF mit einer Kart-Runde zu überbrücken. In all den Jahren wurde ihm die "Zunftstube" zum zweiten Wohnzimmer, in dem er regelmäßig zu Mittag oder Abend aß und sich jeden Freitag mit seinem Stammtisch zum Karten traf. "Tom war ein Freund der ersten Stunde", sagt Wirtin Rita Hofmann. Sie und ihr Mann hatten es nicht leicht, als sie vor 23 Jahren die Traditionswirtschaft übernommen haben. "Tom gab uns Zuversicht und viele Ratschläge, er hat uns immer unterstützt. Er war ein guter Mensch, der immer für alle da war." Ihr "Familienmitglied" hat die "Zunftstuben"-Familie am Freitag zum letzten Mal gesehen. Da saß Thomas Lange an seinem Platz am Stammtisch, genoss ein fränkisches Abendessen, spielte wie immer eine Runde Schafkopf und verabschiedete sich mit den Worten  "Wir sehen uns morgen." Sein Platz ist nun leer - er fehlt.

Kollege, Vorgesetzter, Freund

Die Bayerische Rundschau trauert um ihren früheren Redaktionsleiter Thomas Lange. Tom war für uns Redakteure ein Chef, der unsere Interessen innerhalb des Verlags und nach außen - wenn es sein musste mit Vehemenz - vertrat. Doch für viele war er weit mehr: ein echter Freund. Am Samstag hat er, gesundheitlich zwar angeschlagen, aber dennoch für viele überraschend, für immer die Augen geschlossen.

Thomas Lange war ein ganz außergewöhnlicher Journalist, ein genialer Schreiber, der selbst hoch komplizierte Zusammenhänge verständlich erklären konnte. Er hatte einen scharfen Blick für kommunalpolitische Zusammenhänge und verfügte über ein engmaschiges Netzwerk über alle Parteigrenzen hinweg. Seine geschliffenen Kommentare hatten Substanz.

Wenn er nach ausführlicher Recherche der Meinung war, etwas laufe schief im Landkreis, listete er dies sprachgewaltig auf und schonte dabei niemanden. Landrat Klaus Peter Söllner hatte absolut recht, als er Thomas Lange an dessen 50. Geburtstag am 24. Juli 2003 einen "Streiter für die Anliegen unseres Landkreises" nannte. Das war er in der Tat.

Man konnte mit Thomas Lange trefflich streiten, er versuchte dabei stets, mit schlagenden Argumenten zu überzeugen. Oft gelang dies, doch selbst wenn man eine unterschiedliche Auffassung vertrat, war er niemals nachtragend.

Überdies war Tom der Urtyp eines geselligen Menschen, ein leidenschaftlicher Verfechter der Kulmbacher Wirtshaus- und Bierkultur. Auch ehrenamtlich setzte er sich für seine Heimat ein, etwa als Mitbegründer der Kulmbacher Kommunbräu oder Mitglied des Lions-Clubs Kulmbach-Plassenburg.

Nach dem Schulbesuch unter anderem in Bolivien und Argentinien und dem Abitur am Kulmbacher MGF-Gymnasium startete Lange 1977 als Volontär seine beeindruckende Karriere in der BR-Redaktion. 1980 gewann er den Preis für jüngere Journalisten der Michael-Jürgen-Leisler-Kiep-Stiftung. Am 1. Januar 1994 übernahm er als Nachfolger von Ottmar Schmidt die Redaktionsleitung. Zwölf Jahre später folgte eine völlig neue Aufgabe, als Korrespondent der Mediengruppe Oberfranken (mgo), zu der die BR inzwischen gehörte, berichtete er fortan bis 2016 aus München über die Landespolitik. Auch als Ruheständler griff er weiter zur spitzen Feder und verfasste in der Rubrik "Langes Wochenende" köstliche Kolumnen für die mgo-Titel. Nach 197 Ausgaben war an Silvester 2020 endgültig Schluss. Seinen allerletzten Beitrag beendete unser Tom mit einem Satz, den auch wir ans Ende dieser Zeilen stellen möchten: "In diesem Sinn nur noch ein Wort: Servus!"