Eine Kulmbacher Männerfreundschaft

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Manchmal braucht auch ein Beamter einen guten Freund: Kurt Fellner (Rüdiger Baumann/links) und Heinzi Bösel (Georg Mädl) bei der Premiere der Tragikomödie "Indien". Foto: Uschi Prawitz
Manchmal braucht auch ein Beamter einen guten Freund: Kurt Fellner (Rüdiger Baumann/links) und Heinzi Bösel (Georg Mädl) bei der Premiere der Tragikomödie "Indien".  Foto: Uschi Prawitz

Das Leben, die Frauen und die Liebe - die anrührende Tragikomödie "Indien" spielt im Kulmbacher Land.

Was ist eine echte Männerfreundschaft? Gewiss gibt es kein Patentrezept dafür, aber das Theater Baumann präsentieren derzeit eine mögliche Variante auf der Bühne. Gespickt mit eindeutigen Anspielungen, schonungslos anschaulichen Darstellungen und Klischees ist die Tragikomödie "Indien" des Autorenduos Josef Hader und Alfred Dorfer ein Leckerbissen für Freunde des derben, österreichischen Humors.

Aber wer nun meint, die Gefühlswelt käme zu kurz, der irrt. Denn wer hinter die Fassade der beiden Beamten Kurt Fellner (Rüdiger Baumann) und Heinzi Bösel (Georg Mädl) blickt, der stößt auf Unsicherheit, Unbeholfenheit, kindliche Sehnsüchte und dem Schrei nach Anerkennung.


Zwei Welten

Mit Fellner und Bösel prallen zwei Welten aufeinander: der überkorrekte und interessierte Beamte Fellner und sein Schnitzel vertilgender Kollege mit den Machoallüren. Beide müssen mehrere Wochen zusammen auskommen: Als Vertreter des Tourismusbüros eilen sie von Gaststätte zu Gaststätte im Kulmbacher Land und testen Essen und Übernachtungsmöglichkeiten für einen Tourismuskatalog.

Im Kulmbacher Land? Aber es ist doch ein österreichisches Stück! Gewiss, aber die Autoren regen an, "Indien" durchaus in die eigene Region und Mundart zu übertragen. "Ein Glossar für die Übersetzung wurde mitgeliefert", sagt Rüdiger Baumann, "auf diese Weise gibt es auch keine Ausdrücke, die man nur als Österreicher verstehen würde."


Derber Humor mit Tiefgang

Dabei erfreut sich das Publikum vor allem an den Dialogen, denn Fellner und Bösel sind echte "Kommunikationslegasteniker". "Ich fand es reizvoll, an so einen Stoff heranzugehen, ich würde es aber wohl nie selbst so schreiben", sagt Rüdiger Baumann. Georg Mädl, der "Indien" anfangs etwas sperrig empfand, wuchs im Verlauf der Proben immer mehr in seine Rolle hinein. "Es verbirgt sich viel hinter dem Text, der etwas derbe Humor verdeckt viele Empfindungen, die es zu erforschen gilt", so Mädl.


Wechselbad der Gefühle

Eine anrührende Tragikomödie, die alles mitbringt, was dazugehört - inklusive Überraschungsmomente, so dass man als Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle eintaucht. Auf beinahe schon putzige Art philosophieren der bodenständige Beamte und der etwas verklemmte Neurotiker über das Leben, die Frauen und die Liebe, nähern sich immer mehr an, bis eine Art Freundschaft daraus entsteht, die am Ende auf eine harte Probe gestellt wird.

Zwischen Baumann und Mädl passiert so einiges auf der Bühne. Sie harmonieren prächtig, sind ein perfekt eingespieltes Duo. Beim Zwei-Mann-Stück haben die Schauspieler auch Bühnenbild, Regie und Technik übernommen.


Publikum war gerührt

Am vergangenen Freitag feierte "Indien" Premiere im Theater Baumann. Das Stück brachte die Zuschauer von der ersten Minute an zum Lachen, verschleierte ihre Augen mit einer guten Portion Sentimentalität und ließ sie kräftig applaudierend und gerührt zurück.

Karten gibt es noch für alle Vorstellungen der Spielzeit im Theater Baumann unter www.das-baumann.de im Internet oder unter der Telefonnummer 09221/93393.