Bohne freut sich. Besuch kommt. Der muss beschnuppert werden. Dann ist es auch schon wieder gut. Die Deutsch-Kurzhaar-Hündin legt sich auf ihren Lieblingsplatz in der Küche der Familie Eber. Bohne interessiert sich nicht mehr (das muss jetzt sein) die Bohne für das Palaver der Menschen - obwohl es um sie geht.

"Nachwuchs tut ihr gut"

Denn Bohne ist ein erstklassiger Jagdhund. Deshalb wollen Tino und Michaela Eber aus Motschenbach Deutsch-Kurzhaar-Jagdhunde züchten. Als Erste im Kreis Kulmbach. Im Mai soll's losgehen. Dann soll die Hündin gedeckt werden. Der erste Wurf ist für Juli geplant.

Bohne, inzwischen fünf Jahre, ist im besten Alter und hat Papiere. "Wir haben sie als Welpen bekommen. Nachwuchs tut ihr gut", sagt Tino Eber. Ihr vollständiger Name: Bohne vom Gehlsbach. Sie stammt aus dem gleichnamigen Zwinger in Lübz, Mecklenburg.

Zwinger statt Gastwirtschaft

Der neue Zwinger wurde beim Deutsch-Kurzhaar-Verband angemeldet und heißt: vom Seeliggrund. Das ist ein Flurname bei Motschenbach, gleich hinterm Haus der Ebers. Ein Anwesen, das viele kennen dürften: Denn bis vor drei Jahren betrieben dort Tinos Eltern Ursula und Robert eine beliebte Gastwirtschaft.

Als Jäger weiß Tino Eber (44), worauf es bei einem Jagdhund ankommt. Vor allem: sofort auf optische und akustische Signale reagieren. "Handzeichen, Pfiff - das macht sie hundertprozentig zuverlässig", so der 44-Jährige. "Als Vorstehhund bleibt sie stehen, wenn sie Wild wittert, und hebt die Pfote." Und Bohne hat die Schussruhe weg: "Wenn der Jäger schießt, muss der Hund wie versteinert stehen bleiben und darf sich erst bewegen, wenn er das Kommando bekommt, das Wild zu holen."

Weltspitze in Passau

Bohnes Ausbildung - Beginn mit zehn Monaten - übernahm Tino Eber selbst. Es zeigte sich, dass sich Bohne sehr geschickt anstellt und Spaß an den Prüfungen hat. Ein Wertungsrichter habe ihr Talent erkannt und geraten, "unbedingt weiterzumachen". In der Folgezeit räumte Bohne Preise noch und nöcher ab. Zuletzt ein erster Platz bei der Internationalen Kurzhaarprüfung in Osterhofen bei Passau. "Dort waren weltweit die besten Hunde vertreten, 225 aus 16 Nationen. Bohne hat mit Bravour bestanden und war einer der besten Hunde."

Bohne muckst sich immer noch nicht. Sie liegt eingerollt auf ihrer Decke und hört ungerührt zu, als ihr Herrchen sagt: "Bei der Jagd kann man sich keinen besseren Hund vorstellen." Und daheim? "Da ist sie ein perfekter Familienhund", betont Michaela Eber.

Bevor vom Deutsch-Kurzhaar-Verband aber ein Zwinger genehmigt wird, läuft ein aufwendiges Verfahren ab. Es muss tiergerecht zugehen. "Es steckt ein großer Aufwand dahinter. Der Hund muss alle Prüfungen haben. Körperlich muss alles in Ordnung sein, Wesen und Gesundheit sind das A und O bei einem Jagdhund.

Zwinger wird abgenommen

Der Schwerpunkt liegt auf Leistung, auf der Arbeit im Revier. Und die Hunde müssen verträglich und ruhig sein", sagt Oliver Schwarm, selbst Züchter und seit 20 Jahren Zuchtwart für Franken. Der Coburger Zahnarzt stellt den künftigen Züchtern - davon gibt es in ganz Franken nur zehn bis 15, wie er sagt - ein sehr gutes Zeugnis aus: "Ich war in Motschenbach und habe die Abnahme durchgeführt. Alles picobello - die machen das mit Leib und Seele."

Schwarm kontrollierte bei der Zwingerabnahme auch die Wurfkiste im Keller: geschützter Raum, Fenster, Tageslicht - das strenge Reglement des Verbands für das deutsche Hundewesen ist eingehalten. Michaela Eber: "Auslauf haben die Welpen im Garten, und nach vier Wochen werden sie schon ins Revier mitgenommen."

Acht Wochen Kinderstube

Acht Wochen bleiben die Welpen in der Motschenbacher Kinderstube, dann werden sie von ihren neuen Eigentümern abgeholt. Alle? "Nein, einen wollen wir vom ersten Wurf behalten", so Tino Eber. "Wir wollen gute Jagdhunde züchten: edel, leistungsstark und zuverlässig."

Einen Rüden gibt es auch schon, der Bohne decken soll: Er wurde vom Verband vermittelt und kommt aus Mecklenburg. "Wir fahren hin. Bohne wird im Mai läufig", sagt der Motschenbacher Jäger." 500 Kilometer in Zeiten von Corona? "Ja, das ist möglich. Die Zucht gilt als triftiger Grund zum Verlassen der Wohnung", so der Zuchtwart.

Chemie muss stimmen

Aber andere Schwierigkeiten könnte es geben? "Ja, es kann sein, dass die Chemie zwischen den Hunden nicht stimmt oder dass die Fruchtbarkeit nicht passt. Dann braucht man einen Plan B", so Oliver Schwarm. Wenn nach 60 Tagen Tragzeit die Welpen - zwischen zwei und zwölf - geboren wurden, wird er wiederkommen nach Motschenbach.

Verkauft werden die Jungen nur an Jäger. "Das sind keine Hunde, mit dem man entspannt spazieren gehen kann. Die wollen arbeiten und ausgelastet sein", erklärt der Zuchtwart. Das große Geld könne man man auch nicht verdienen.

"Die Welpenpreise sind mit 800 bis 1000 Euro relativ moderat. Die Zucht ist nicht kommerzialisiert - nur vom Jäger für Jäger." Der finanzielle Aufwand mit Deckgeld und Tierarztkosten sei hoch. Also ein reines Hobby? "Genau, weil's einfach Spaß macht", meint Michaela Eber und verspricht, dass wir in die Wurfkiste schauen dürfen, wenn's soweit ist.