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Kulmbach
Gericht

Ein Drogenhändler packt aus

So laufen Rauschgiftgeschäfte in Kulmbach. Für den Angeklagten zahlte sich die Zusammenarbeit mit der Polizei aus.
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Der Angeklagte schilderte dem Gericht detailliert, wie in Kulmbach ein Drogengeschäft abläuft.  Symbolfoto: Frank Leonhardt/dpa
Der Angeklagte schilderte dem Gericht detailliert, wie in Kulmbach ein Drogengeschäft abläuft. Symbolfoto: Frank Leonhardt/dpa

Vor ein, zwei Jahren war der Mann als Drogendealer gut im Geschäft. Er versorgte die Szene in Kulmbach mit Haschisch. Bis ihm die Kripo durch Telefonüberwachung und Testkäufe auf die Schliche kam. Dass er sich damals zur Zusammenarbeit mit der Polizei entschloss, machte sich jetzt in seinem Prozess für ihn bezahlt.

Der 25-Jährige legte ein Geständnis ab, benannte 15 seiner Kunden und auch seinen Hintermann, einen Ex-Kulmbacher, der jetzt in Herne im Ruhrgebiet lebt.

Lebensbeichte abgelegt

"Der Angeklagte hat eine Lebensbeichte abgelegt", sagte gestern ein Kripobeamter vor dem Schöffengericht Kulmbach. Seine Aussage sei viel wert gewesen. Er habe viel mehr eingeräumt, als die Polizei schon wusste. Auch Preise, Mengen und Übergabeorte. Dadurch sei eine Reihe weiterer Straftäter inzwischen verurteilt worden.

Nach Angaben des Zeugen wird dem Lieferanten aus Herne im August ebenfalls der Prozess gemacht. Auch hier komme es wieder entscheidend auf die Aussage des Kronzeugen an.

In der Verhandlung wurde deutlich, wie in der Kulmbacher Szene Rauschgiftgeschäfte ablaufen: Anfragen per Handy oder WhatsApp, Treffpunkt an der Bank in der Oberen Stadt oder anderswo - die Übergabe dauerte dann nur wenige Augenblicke. In anderen Fällen brachte der Händler die Ware auch in die Wohnung der Kunden.

Mit der guten alten Post

Nach Kulmbach kam das Haschisch nicht mal auf dunklen Kanälen. Für den Transport benutzten der Großhändler aus Herne und der Kulmbacher Dealer ein bewährtes Transportmittel: die gute alte Post. Nach Angaben des Angeklagten habe der Lieferant zu ihm gesagt: "Du musst mir nur Geld schicken, die Ware kommt dann per Post zu Dir. Und so wurde es auch gemacht."

Das letzte Geschäft, bevor der 25-Jährige aufflog, war ein Scheingeschäft. Die Polizei hatte ihn bereits im Visier und einen Kontaktmann auf ihn angesetzt. Die Frage war, ob er ein Kilo von dem Stoff besorgen könne. Nichts ahnend, ging der Dealer darauf ein. Es kam auch eine Probe von zehn Gramm in Kulmbach an. Beste Qualität, wie sich herausstellte. Offenbar hatte der Händler in Herne das Kilo schon besorgt. Aber die Lieferung scheiterte daran, dass der Angeklagte die notwendigen 5000 Euro für den Kauf nicht auftreiben konnte.

Seit einem Jahr habe er sein Leben geändert, versicherte der 25-Jährige, der einer regelmäßigen Arbeit nachgeht. Er sagte: "Das alte Leben habe ich hinter mir gelassen. So etwas wird nicht mehr vorkommen, aus Fehlern lernt man." Er habe früher selbst Haschisch geraucht, aber jetzt nicht mehr.

An Minderjährige verkauft?

Günstig wirkte sich für ihn aus, dass ihm zwei schwerwiegende Tatvorwürfe nicht nachzuweisen waren. Beim Verkauf von Drogen an Minderjährige konnte es nicht widerlegt werden, dass er das Alter der Kunden nicht kannte.

Sein Glück war es auch, dass das Scheingeschäft mit einer nicht geringen Menge beim Urteil nicht herangezogen werden konnte. "Damit tut man sich schwer. Weder der Preis noch die konkrete Übergabe waren ausgemacht", stellte Richterin Nicole Allstadt fest.

Verurteilt wurden der Mann wegen folgender Delikte: Handel mit Betäubungsmitteln in vier Fällen, einmal 50 Gramm und dreimal 100 Gramm; einmal wegen Handels mit 60 Gramm Haschisch in einer nicht geringen Menge sowie siebenmal unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln. Das Schöffengericht verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Fast die Bewährung gekostet

Als Bewährungsauflage muss der 25-Jährige 200 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten. Außerdem wurde die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 3200 Euro angeordnet - das Geld, das er mit seinen Drogengeschäften eingenommen hatte.

Die Vorsitzende machte dem Mann deutlich, dass durch die Drogenabgabe an Minderjährige und das geplante große Geschäft "mehr im Raum stand". Allstadt: "Das hätte Sie um ein Haar die Bewährung gekostet." Das Gericht honorierte - wie auch Staatsanwalt Christopher Feulner - das Geständnis und die Zusammenarbeit mit der Polizei.

Mit Vorleben abgeschlossen

Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger Johannes Driendl gingen übereinstimmend davon aus, dass der Angeklagte mit seinem Vorleben abgeschlossen hat. Nach Ansicht von Rechtsanwalt Driendl hätte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten ausgereicht, "weil sich der Sachverhalt anders dargestellt hat als ursprünglich angenommen. Es war kein Handeltreiben in großem Stil".

Das Urteil ist rechtskräftig. Angeklagter, Verteidiger und Staatsanwalt erklärten, dass sie auf Rechtsmittel verzichten.