Hört man von Dubai, denken die meisten an die Hochglanzseiten einer atemberaubenden Stadt. Abu Dhabi, die Hauptstadt des gleichnamigen Emirats und der Vereinigten Arabischen Emirate, kennen außer Formel-1-Fans wohl nur Insider. Für den Kasendorfer Hans-Jürgen Lauer (49) ist Abu Dhabi für drei Jahre zur vorläufigen Heimat geworden. Vor gut einem halben Jahr ist er mit seiner Familie in das Emirat gezogen.

Hans-Jürgen Lauer ist Verteidigungsattaché der Bundesrepublik an der Botschaft Abu Dhabi mit Nebenakkreditierung für Qatar und Kuwait. Sein Dienstsitz befindet sich im 14. Stock der Abu Dhabi Mall. "Ich habe von hier aus einen herrlichen Blick auf das Meer und auf ehrgeizige Baustellen, auf denen einzigartige Museen, Golfplätze und Luxuswohnviertel entstehen", sagt Lauer, der als Verteidigungsattaché die Militär- und Sicherheitspolitik der Golfstaaten im Blick hat und die Bundeswehr repräsentiert.

Aufgaben eines Generalsekretärs

"Ich nehme quasi die Aufgabe eines Generalsekretärs wahr, stelle die Interessen des Verteidigungsministeriums gegenüber hiesigen Streitkräften und Ministerien sicher." Einen Großteil seiner Arbeit macht die Vorbereitung und Begleitung von Bundeswehr-Besuchen in den Golfstaaten aus. Ein Höhepunkt werde 2013 die "Heißklimazonen-Erprobung" des neuen Schützenpanzers Puma sein. In der Liwa-Wüste soll, so Lauer, bei über 50 Grad Celsius der Nachweis erbracht werden, dass der Puma auch unter extremsten Bedingungen einsetzbar ist.

Städte mit Kameras überwacht

Die Sicherheitslage in den Emiraten bezeichnet der 49-Jährige als ruhig und stabil, "wenngleich die Furcht vor Terror oder negativer politischer Einflussnahme sichtbar ist". Die Städte Abu Dhabi und Dubai seien weitgehend mit Kameras überwacht, sagt Lauer, der seit 1992 Berufssoldat ist, 2003 als Generalstabsoffizier auch schon in Kabul in Afghanistan eingesetzt war. "Die Kontrollen führen dazu, dass man sich in den Golfstaaten sehr sicher fühlen kann und etwa ein gestohlenes Fahrrad mittels Videoaufzeichnungen innerhalb weniger Stunden von der Polizei aufgefunden wird."

Harte Sanktionen

Touristen rät Lauer, sich von scheinbar westlichen Konsumstandards nicht blenden zu lassen, sondern Gesetze genau einzuhalten. Wer etwa mit Alkohol am Steuer erwischt werde, müsse tief in die Tasche greifen. In den Emiraten gebe es harte Sanktionen. Auch die Todesstrafe werde auf Grundlage der Scharia noch verhängt und durch Erschießen vollstreckt. "Zuletzt im Dezember 2012."

Knapp 90 Prozent der 8,2 Millionen Einwohner seien Ausländer. "Eine Integration schließt sich daher aus." Dementsprechend sehe der Alltag der Emiratis aus. "Sie ziehen sich in ihre Paläste und Häuser zurück. Eine Einladung zu ihnen ist ein seltenes Privileg."

Der heiße Sommer

Lauer selbst lebt mit seiner Frau Jutta (48) und den Söhnen Felix (19) und Jan (14) in einer ruhigen Wohnanlage, die über eigene Sporteinrichtungen verfügt. "Der Garten unseres Hauses ist grün eingewachsen und hat einen schönen Pool, der im Moment auf angenehme Temperaturen geheizt und im Sommer auf erfrischende Temperaturen gekühlt wird." Ob es ein Luxusleben ist? Es sei die Frage, wie man "Luxusleben" definiert, so Lauer, nach dessen Worten die Lebensbedingungen im Sommer aufgrund von Temperaturen von bis zu 50 Grad bei gleichzeitig sehr hoher Luftfeuchtigkeit ein "normales" Leben im Freien nicht zulassen.

Ein Blick hinter die Fassaden

Der Kasendorfer, der von 2009 bis 2011 im Bundessprachenamt Arabisch gelernt und an einer einjährigen Stabsausbildung der emiratischen Streitkräfte teilgenommen hat, konnte schon viele Einblicke in das tägliche Leben der Multi-Kulti-Gesellschaft gewinnen und dabei auch hinter die Fassaden schauen. Und er hat Schattenseiten ausgemacht: "Hier ist bei Weitem nicht alles Gold, was glänzt. Die Gebäude und Traumwelt aus 1001 Nacht spiegeln das alte orientalische Märchen postmodern nur scheinbar wider. Die Realität sieht anders aus." Dubai sei, seit die Immobilienblase 2009 weltweit geplatzt ist, hoch verschuldet und hänge am Tropf von Investoren und des reichen Bruder-Emirats Abu Dhabi. "In Abu Dhabi sitzen die wirklich reichen Scheichs auf den Öl-Milliarden. An die Gasreserven geht man noch gar nicht ran. 200 bis 300 Jahre Leben in Überfluss scheinen bei gleich bleibendem Export von Öl/Gas garantiert", erklärt Lauer, der die dortige Geschäftsmentalität beklagt: Knallharte Leute hätten das Sagen. "Viele, vor allem mittelständische Unternehmen, haben sich mangels hinreichender Rechtssicherheit und Zahlungsmoral die Finger in der Hoffnung auf hohe Gewinne verbrannt und statt Gewinne den Ruin gefunden."

Dabei stehe Deutschland hoch im Kurs. " Autos und Maschinen made in Germany sind gefragt, medizinische Hilfe sucht man in Deutschland." Man beneide Deutschland um Wälder und grünen Wiesen. Nur Österreich genieße ein ähnlich hohes Ansehen. "Emiratis, die Schnee sehen wollen, reisen nach sellamse (Zell am See)."
Hat Hans-Jürgen Lauer in Abu Dhabi Freizeit, fährt er mit seinem Motorrad gelegentlich in die Wüste oder auch in die Berge der Emirate. "Es lohnt sich auch als Urlauber, sich aus dem pauschalen Städtetourismus auszuklinken und den Kontakt mit der Landbevölkerung zu suchen", sagt er. Bei seinen Touren kann er die traumhafte Landschaft und arabische Gastfreundschaft genießen. Lauer taucht dann in eine Traumwelt ein, die mit dem normalen Leben in den Emiraten wenig zu tun hat.