Mächtig stolz sind die Schüler des Ethikkurses am Casper-Vischer Gymnasiums in Kulmbach. Sie haben die bedrohte Wildkatze in den Wäldern des Landkreises nachgewiesen. "Wir sind erstaunt darüber, dass so eine seltene Tierart, die sonst nur in Naturschutzgebieten vorkommt, in unseren heimischen Wäldern entdeckt wurde", sagt der begeisterte Naturbursche Christoph Kubin. "Wir freuen uns riesig, dass wir das beweisen konnten."
Das Tier gilt in Bayern nämlich seit mehr als 80 Jahren als ausgerottet. Naturschützer haben sich deshalb knapp 80 Jahre später zur Aufgabe gemacht, die Wildkatze wieder in die heimischen Wälder zurückzuholen.
Im Zuge dessen waren unter anderem die Schüler des CVG im vergangenem Jahr jede Woche in den Wäldern unterwegs, um an sogenannten Lockstäben nach Wildkatzenhaaren zu suchen.
Diese mit Baldrian besprühten Pflöcke wurden an Orten aufgestellt, die Wildkatzen während ihres Paarungszuges gerne durchqueren. Vom Baldriangeruch angelockt sollten sich die Tiere an den Stöcken reiben und so Haare hinterlassen.
Und tatsächlich: An mehreren Stöcken im Kulmbacher Landkreis konnten Wildkatzenhaare gefunden werden - unter anderem auch an denen, die von den 14 Schülern des CVGs betreut wurden. Wo genau die Haare gefunden wurden, soll zum Schutz des Tieres ein Geheimnis bleiben.

An der Donau geht es jetzt weiter

In Oberfranken ist das Projekt nun abgeschlossen. Jetzt soll es im Donau-Raum weiter gehen.
Das Ziel der gesamten Erfassung ist es, deutschlandweit die Durchzugskorridore der Wildkatze nachzuweisen. Diese sollen dann geschützt oder noch mehr an ihre Bedürfnisse angepasst werden.
"Durch Autobahnen und Ackerfelder sind in Deutschland viele Wälder voneinander abgegrenzt. Eine genetische Verarmung vieler Arten ist davon die Folge", erklärt Wolfgang Schenker, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz.
Das Wildkatzen-Projekt sieht vor, diese einzelnen Lebensräume wieder zu verbinden und die Wildkatzen auf ihrem Paarungsweg quer durch Deutschland zu unterstützen.
Das kann beispielsweise durch das Pflanzen größerer Heckenlandschaften oder den Bau von so genannten Wildwechselbrücken oder - unterführungen geschehen. Diese bepflanzten Wege sollen den Tieren helfen, Straßen zu überqueren, ohne sich in Gefahr zu begeben. Auf diese Art und Weise können Waldstücke miteinander verbunden und der genetische Austausch innerhalb gefördert werden.
Insgesamt soll das Projekt, das schon seit zwei Jahren läuft, fünf Jahre dauern und sich über ganz Deutschland erstrecken.

Es geht nicht nur um die Wildkatze

Von dem Projekt soll nicht nur die Wildkatze profitieren. "Sie steht stellvertretend für alle Tiere, die sich in dem gleichen Lebensraum wohl fühlen", erklärt Schenker. "Die Leute schützen nur lieber ein süßes Kätzchen als einen Frosch oder ein Insekt."
Dass nun in der Region um Kulmbach Haare der Wildkatze gefunden wurden, spreche sehr für die Qualität der Wälder, sagt auch Sabine Mücke vom Bund Naturschutz: "Wo eine Wildkatze nachgewiesen werden kann, da ist der Wald in Ordnung."

Zwischenstopp oder Lebensraum

Gerne hätten die Schüler des CVG gewusst, ob die Wildkatze die Region auf ihrem Paarungsweg nur durchquert hat, oder ob sie wirklich in den Wäldern Kulmbachs lebt. Leider fehle für diese Untersuchung derzeit das Geld, so Mücke.
An einigen Plätzen hier könnte sich die Wildkatze aber durchaus wohlfühlen. Sie bevorzugt Mischwälder mit sowohl jungen als auch maroden Bäumen und Lichtungen in der Nähe, auf denen sie Mäuse fangen kann. Diese Voraussetzungen sind genau dort gegeben, wo auch Haare der seltenen Tierart gefunden wurden.
Es bleibt abzuwarten, ob sich die Wildkatze bald wieder in den oberfränkischen Wäldern zuhause fühlt.