Lore Kühne ist leidgeprüft, was Hochwasser in der Blaich angeht. "Wir bekommen ja schon keine Elementarversicherung mehr, wenn wir sagen, wo wir wohnen." Lore Kühne wohnt am Ängerlein - und weiß, was es heißt, die Pumpe anwerfen zu müssen, um das Wasser im Haus und auf dem Grundstück loszuwerden. "Vier, fünf Wochen im Jahr geht das so. Wir haben ständig Angst."

Der Frau soll geholfen werden - und mit ihr manch anderem Blaicher Anwohner: Die Hochwasserfreilegung entlang der Flutmulde ist für die Stadt Kulmbach ein Großprojekt. Zwölf Millionen wird die Umgestaltung kosten, sagte Zweiter Bürgermeister Stefan Schaffranek (WGK). Nur: Wann startet das zuständige Wasserwirtschaftsamt in Hof die Bauarbeiten? Eigentlich hatte es im Herbst losgehen sollen. "Momentan läuft die Ausschreibung für den ersten Bauabschnitt", erläuterte Schaffranek.
Für Anfang November rechne er mit der Submission. "Womöglich schaffen wir den ersten Spatenstich noch vor Jahresende, aber wahrscheinlicher dürfte der Start im Frühjahr sein."
Bei den Bauarbeiten, die wohl bis 2016 andauern, werden eine massive Bohrpfahlwand eingezogen sowie das Flussbett freigelegt. "Die Maßnahme soll gegen ein 100-jähriges Hochwasser plus eingerechnetem Aufschlag für die Folgen des Klimawandels wappnen", sagte Schaffranek. Auch der Verlauf des Mainarms wird im Laufe des Projekts verändert: Der Fluss soll aus seinem starren Korsett befreit werden und wieder mäandern, also in Schwüngen fließen dürfen. Dafür wird der Damm entlang der Bundesstraße 289 abgetragen; später soll oben auf der Dammkrone der Radweg verlaufen. Als Abschluss wird das gesamte Areal renaturiert. "Es soll nicht zuletzt attraktiv werden für Spaziergänger und natürlich die Anwohner, die das Bauwerk im Blick haben", sagte Schaffranek.

Städtischer Anteil erfreulich klein

Der Anteil der Stadt an der Hochwasserfreilegung liegt bei 360 000 Euro. In diesem Fall "nur". "Das wären ursprünglich mal 4,5 Millionen Euro gewesen", wandte CSU-Stadtrat Michael Pfitzner ein. Es sei der Stadtspitze gelungen, alle möglichen Fördertöpfe anzuzapfen.

Ein anderes Bauwerk soll seinen Beitrag leisten, überschüssiges Oberflächenwasser bei Starkregen einzufangen: ein Regenüberlaufbecken (RÜB) im Ängerlein nahe der Eigentumswohnanlage. Fünf Meter tief, mit einem Fassungsvermögen von rund 500 Kubikmetern. Dieses RÜB sei eine Forderung des Wasserwirtschaftsamts Hof, die die Stadt umzusetzen habe. Im vergangenen Winter war bereits ein solches Becken in der Hofer Straße an der Berliner Brücke installiert worden.

Stadtwerke-Leiter Stephan Pröschold erklärte die Funktionsweise dieser Wassersammler: "Der Zweck ist es, den ersten so genannten Spülstoß bei Regen abzufangen. Dabei helfen Überläufe, die verhindern, dass bei großen Wassermassen Kanaldeckel aufspringen und das Wasser auf die Straße tritt." Dieses Wasser würde dann ohne jegliche Zwischenstufe direkt ins Gewässer fließen, also die Flutmulde.

Kein Abwasser in den Fluss
Das aber heiße, so Prö schold, dass damit auch ungereinigtes Abwasser in den Fluss gelangt. "Das ist ökologisch nicht wünschenswert. Das Regenüberlaufbecken ist ein Pufferbehälter, der diesen ersten Spülstoß des Schmutzwassers auffängt. Was dann nachkommt, ist wenig verschmutztes Regenwasser. Das kann im Bedarfsfall ins Gewässer eingeleitet werden, ohne weitere Verschmutzungen zu verursachen.

In der Blaich wurden laut Pröschold in den vergangenen Jahren rund 3,5 Millionen Euro in die Abwasserentsorgung investiert. Für die Hochwasserfreilegung des Purbaches und die Flutmulden-Sanierung seien weitere eineinhalb Millionen Euro aufzuwenden. Die Stadtwerke wollen die Bürger Anfang Dezember zu einer Informationsveranstaltung einladen.

Pröschold dankte den Anwohnern für die Geduld bei den Bauarbeiten. Lore Kühne nickte. "Das ist für uns das kleinere Übel, wenn dafür das Wasser fern bleibt."