Beim Franken-Fasching sorgt die Altneihauser Feierwehrkappell'n regelmäßig mit mundartlichem Franken-Bashing für scherzhafte Buh-Rufe und Tumult. Allerdings dauern die oberpfälzischen Gastspiele im Fernsehen immer nur wenige Minuten, doch auch ein abendfüllendes Programm kann unterhaltsam und ur-komisch sein. Dies stellten die Oberpfälzer in den abgeranzten Feuerwehruniformen mit schwarz gemalten Zähnen bei den Plassenburg Open-Airs unter Beweis. Natürlich brachten sie die Kulmbacher - so wie es bei jedem Auftritt der Oberpfälzer Usus ist - erst einmal gehörig gegen sich auf.

Norbert Neugirg präsentierte den ersten Faux-Pas: Er hatte in seinem zusammengeknüllten Zettel-Verhau "aus Versehen" die Lobeshymne auf Kronach verlesen. Dann bekamen die Kulmbacher aber doch vom "schlampigsten Export des Oberpfälzer Waldes", wie sich die Feierwehrkappell'n selbst bezeichnet, ihr Fett weg. "Es riecht nach Gülle, Schnaps und Wein - das müssen die Mainleuser sein", begrüßte Neugirg das Publikum.

Stadt der Kreisel

Kulmbach wurde als Stadt des Bieres, der kleinen und großen Kreisel, als Hochschulstandort und als Stadt der höchsten Inzidenzen gefeiert. Das Einfahrverbot für Elektroautos in der Tiefgarage, das längst wieder zurückgenommen ist, wurde genauso derbleckt wie die Wahl des neuen Kulmbacher Oberbürgermeisters Ingo Lehmann. Lehmann allerdings konnte herzlich darüber lachen. Und natürlich kam Norbert Neugirg nach der Aufführung persönlich zum OB und ließ sich zu seinem gelungenen Auftritt beglückwünschen.

"In Richtung Presseck gibt es Brachen, da ist der erste erst am zweiten", unkte Neugirg. Und in Tannenwirtshaus sei das Internet so langsam, dass die Menschen die Nachrichten abschreiben und verschicken würden. "Die Aures Inge kam heut nicht, das erspart und das Gesicht... Gedicht. Inge hat heut keine Zeit, weil sie in Fölschnitz eine Tür einweiht, in Trebgast einen Fahrradständer und einen Hundsdreckbeutelspender, ein Impfzentrum in Hintertann und einen Friedhof nebenan. In Ködnitz einen Straßenpfahl, ein Sitzklo und ein Urinal." Und nach einem kurzen musikalischen Lacher folgte schon der nächste Gag: "In Kulmbach gab es eine Metzgerei. Leider ist die Zeit vorbei. Metzger Lauterbach hat aufgegeben, der Laden konnte nicht weiterleben, denn beim Namen Lauterbach werden bloß mehr Ängste wach", sagte Neugirg.

Besonders witzig am Programm waren die Seitenhiebe gegen die kleine und die große Politik. Sie waren "schärfer, frecher, geiler", wussten die Künstler selbst. Aber auch die gekonnten musikalischen Einlagen sorgten für Lacher. Nicht nur, dass die Altneihauser Feierwehrkappell'n die Plassenburg-Besucher mit "Auf Wiedersehn" begrüßte, da mischte sich in das "Trost-Lied für alle Verheirateten", den Gefangenen-Chor, der Schneewalzer, der Evergreen "Rosen aus Amsterdam" oder das Kufstein-Lied, weil sich der Ludwig Schieder mit seiner Steirischen Knopfharmonika immer wieder in den Vordergrund spielte. Michael Holms "Tränen lügen nicht" wurde zur Nationalhymne aller Oberpfälzer - die Altneihauser sangen sie mit "Ho-ho-ho".

Die Formation schaffte es, mit unzähligen Gags, die Schlag auf Schlag folgten, den ganzen Abend zu einer Lach-Nacht zu machen. Es war wie beim großen Derbleck'n auf dem Nockherberg: Die Höchststrafe war es, nicht erwähnt zu werden. Nur, dass der Auftritt im Schönen Hof der Burg vor herrlicher Kulisse und bei angenehmen Temperaturen stattfand. Das Warten nach Corona hat sich gelohnt.