Seit Jahresanfang gibt es die Grundrente. Deren Einführung sieht der Sozialverband VdK als wichtigen Schritt im Kampf gegen die Altersarmut. "Wir haben die Grundrente seit Jahren gefordert", sagt die Kulmbacher Kreisgeschäftsführerin Yvonne Nowak, die in den vergangenen Wochen allerdings eines festgestellt hat: Der Teufel steckt im Detail. "Bis man den Zuschlag zur Rente bekommt, muss man sich mitunter bis Ende 2022 gedulden."

Frau Nowak, es heißt, rund 1,3 Millionen Neu- und Bestandsrentner werden vom Grundrentenzuschlag profitieren. Was schätzen Sie, wie viele Rentner aus dem Landkreis Anspruch darauf haben?

Yvonne Nowak: Die Anzahl der tatsächlichen Anspruchsberechtigten im Landkreis Kulmbach ist leider genauso schwierig abzuschätzen wie die Höhe des persönlichen Zuschlags. Durchschnittlich liegt der Zuschlag bei 75 Euro, höchstens bei 420 Euro.

Die Grundrente gibt es seit Anfang des Jahres. Wann erfolgen die ersten Zahlungen?

Anspruchsberechtigte müssen sich gedulden. Die Berechnung, die von der Rentenversicherung (DRV) vorgenommen wird, ist kompliziert. Deshalb wird der Zuschlag wohl frühestens Mitte 2021 ausgezahlt. Es kann bis Ende 2022 dauern, bis alle betroffenen Rentner die Zahlungen erhalten.

Muss der Grundrentenzuschlag beantragt werden?

Nein, er wird von der Rentenversicherung ermittelt und rückwirkend ausgezahlt.

Warum fällt die Zuschlagshöhe so unterschiedlich aus?

Dies liegt vor allem an der Höhe der persönlichen Grundrentenzeiten. Es sind 33 Jahre Pflichtbeiträge nötig. Zeiten der Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder des Bezugs bestimmter Sozialleistungen zählen dazu. Außerdem ist wichtig, wie viele Entgeltpunkte man in jedem Kalendermonat des Erwerbslebens erwirtschaftet hat. Ob der Grundrentenzuschlag ausbezahlt wird, hängt auch vom Haushaltseinkommen ab, nicht nur von der individuellen Rente.

Kann ich mich schon jetzt über meine genaue Zuschlagshöhe informieren?

Der exakte Betrag ist nicht einfach auszurechnen, da die Rentenauskunft hierfür noch nicht genügend Informationen liefert. Wir als VdK haben vorgeschlagen, dass die Rentenversicherung die Rentenauskünfte an ihre Versicherten um diese wichtige Information erweitern soll.

Was ist, wenn man aufgrund eines geringen Einkommens Anspruch auf Grundsicherung im Alter hat?

Für den Grundrentenzuschlag ist wie gesagt kein eigener Antrag notwendig. Da muss sich jeder gedulden, bis die Post von der Rentenversicherung kommt. Anders sieht es aber aus, wenn aufgrund des geringen Einkommens ein Anspruch auf Grundsicherung im Alter besteht. Hier muss jeder selbst aktiv werden und einen Grundsicherungsantrag beim Landratsamt stellen. Bei der Grundsicherung stehen einem Alleinstehenden im Wesentlichen ein monatlicher Regelbedarf von 446 Euro und die Kosten der Unterkunft für eine Wohnung in angemessener Größe zu.

Welche Neuerungen gibt es noch?

Mit dem Start der Grundrente ist eine neue Freibetragsregelung für die Grundsicherung im Alter in Kraft getreten. Damit können für einige erheblich höhere Auszahlbeträge herauskommen. Werden voraussichtlich 33 Jahre Grundrentenzeiten erreicht, hat man als Grundsicherungsberechtigter einen zusätzlichen Freibetrag, der je nach Rentenhöhe im Jahr 2021 zwischen 100 und 223 Euro beträgt. Gut möglich, dass die Grundsicherung damit dann höher ausfällt als in den Vorjahren oder erstmalig ein Anspruch entsteht. Um hier Ansprüche zu sichern, die rückwirkend ausgezahlt werden, gilt das Datum des Antrags. Deshalb sollte man möglichst schnell einen Antrag stellen.

Können sich Rentner, die die neue Regelungen nicht verstanden haben, beim VdK Hilfe holen?

Selbstverständlich. Wer Fragen zur Grundrente oder Grundsicherung hat, kann sich an die Geschäftsstelle unter kv-kulmbach@vdk.de oder unter Telefon 09221/6903730 wenden.