Es war einmal in einem Wald... Wer schleicht denn da bei Vogelgezwitscher und Kuckucksrufen auf sanften Pfoten umher? Es ist ein Kater, der seine vier Katzenkinder die Mäusejagd lehren will. Lektion eins: Leise sein, ganz leise..."

Die Szene führt in ein Theaterstück, das man derzeit leider nicht sehen, dafür aber hören kann. Rüdiger Baumann hat es für die Theatergruppe der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Melkendorf geschrieben. Das Stück hatte kurz vor der Corona-Pandemie Premiere, seither ist es vorbei mit der Schauspielerei. Sehr zum Bedauern der Gruppe.

Geht nicht, gibt's nicht

Doch Rüdiger Baumann, durchaus bekannt für pfiffige Ideen aus der Kategorie "Geht nicht, gibt's nicht", hat sich einen Plan B einfallen lassen, der die Bühne zwar nicht ersetzt, aber trotzdem eine Möglichkeiten eröffnet. Er schrieb das Stück zum Hörspiel um und ließ alle Darsteller ihre Rolle per Telefon noch einmal einsprechen. Zu den Texten kamen noch die Geräusche des Waldes.

Die Hauptgeschichte spricht er als Erzähler selbst, baut die Stimmen der WfB-Darsteller Stück für Stück ein. Viel Arbeit, aber Arbeit, die sich lohnt, findet der Theaterprofi. Eine Woche Zeit hat er investiert, um aus all dem Material ein harmonisches Hörspiel zu produzieren, das es ab heute auf CD zu kaufen gibt. Der Gewinn kommt dem WfbM-Freundeskreis und damit den Schauspielern und ihren Arbeitskollegen zugute.

"Eine super Idee", findet Martina Renner. Sie ist mit großer Begeisterung dabei, seit Baumann vor etwas mehr als fünf Jahren das Theaterprojekt in Melkendorf gestartet hat. "Wir proben normalerweise fast jeden Dienstag. Aber seit Corona geht das nicht mehr." Die 61-Jährige bedauert das sehr. Die gemeinsamen Proben sind ein Höhepunkt in ihrem Alltag. "Ich vermisse das sehr. Es gibt immer was zu lachen, und Rüdiger erklärt uns immer ganz genau, was wir machen müssen. Dann wird es auch gut."

Das Hörspiel per Telefon neu zu produzieren, sei zwar kein Ersatz für die gemeinsamen Treffen, aber Spaß hat es trotzdem gemacht."Hoffentlich dürfen wir uns bald wieder treffen. Und auch wieder in die Werkstatt zum Arbeiten."

"Corona geht an die Substanz"

Darauf hofft auch ihr Vater Horst Renner. Der 87-Jährige leitet seit vier Jahrzehnten den "Club mit Herz" für Menschen mit und ohne Behinderung, organisierte viele Treffen und Ausflüge. Auf Dauer gehen viele Kontakte und gute Beziehungen verloren, sorgt er sich. "Corona geht an die Substanz, im sozialen Miteinander und im Vereinsleben."

Martina Renner gefällt, dass bei den Theaterstücken eine nette Geschichte im Mittelpunkt steht, bei der man etwas zu lachen hat, die aber auch eine aktuelle Botschaft hat. "Der gewiefte Kater" ist bereits das dritte Märchenstück, das die Truppe auf die Bühne gebracht hat. So stand bei "Schneewittchen" am Ende die Frage im Raum, warum die böse Königin einem Spiegel glaubt. "Der Fischer und seine Frau" beschäftigte sich mit der Gier des Menschen. Im "gewieften Kater" geht es um den Wert des Handwerks. Das täglich Brot im Internet bestellen - das kann nicht gut gehen. Warum das so ist, das lehrt dieses Stück.

"Da wir jetzt auf Distanz bleiben müssen, war das Telefon unser Hilfsmittel", sagt Rüdiger Baumann. So konnten wir die Bausteine für das Hörspiel aufnehmen." bei der Klangqualität habe man gegenüber einem guten Mikrofon Abstriche machen müssen, aber dennoch ist der Regisseur mit dem Ergebnis zufrieden. "Wichtig ist doch, dass man sich in dieser Situation nicht unterkriegen lässt." Zuerst habe er einen Film machen wollen, aber das sei unter den gegebenen Bedingungen nicht möglich gewesen.

Rüdiger Baumann arbeitet sehr gerne mit Menschen mit Behinderung. "Das ist total klasse. Sie sind sehr aufmerksam und diszipliniert, denken mit, sind kreativ und spielen überraschend gut." Darüber hinaus seien seine WfB-Schaupieler herzliche Menschen. "Das ist sehr wohltuend."

Ideen kann man auch im Lockdown denken

Baumann weiß, wie sehr die Gruppenmitglieder die Proben vermissen. Der Erfolg, den sie dabei haben, macht sie stolz. Es ist eine schöne Bestätigung, vor Publikum zu stehen und Applaus zu bekommen. Sie sind stolz darauf und freuen sich, und ich habe an dieser Freude teil", sagt Rüdiger Baumann. "Geteilte Freude ist doppelte Freude, da ist was dran."

Wie groß ist der Corona-Frust beim Theatermacher, der seine Bühne schon so lange nicht bespielen darf? Die Antwort mag manchen überraschen. "Mein Frust-Level ist null. Es würde mir ja nichts nützen, Frust zu schieben. Zur Zeit schreibe ich Stücke, denke über neue Projekte nach. Ideen kann man auch im Lockdown denken, der Freiraum füllt sich mit anderen Dingen."

Hier gibt's das Hörspiel

"Der gewiefte Kater" ist ein Hörstück des Ensembles der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Melkendorf unter der Regie von Rüdiger Baumann.

CD-Verkauf CDs gibt es zum Preis von 7,50 Euro in der Buchhandlung Friedrich, Telefon 09221/ 4763, im Theater "Das Baumann, Telefon 09221/93393 und in der WfbM Lebenswerk Melkendorf. Auf Youtube gibt es einen

zum Stück.