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Kulmbach
Gericht

Das war wohl der teuerste Rausch der Kulmbacher Bierwoche

Weil er zu tief ins Glas geschaut hatte, fiel ein Mann erneut mit Naziparolen und ausländerfeindlichen Sprüchen auf.
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Weil er zu tief ins Glas geschaut hatte, fiel ein Mann zum wiederholten Mal mit Naziparolen und ausländerfeindlichen Sprüchen auf. Dafür wurde er jetzt vom Amtsgericht Kulmbach zu einer Geldstrafe von 6500 Euro verurteilt. Das dürfte der teuerste Rausch bei der Kulmbacher Bierwoche gewesen sein.  Symbolbild: Archiv/Tobias Schöffel
Weil er zu tief ins Glas geschaut hatte, fiel ein Mann zum wiederholten Mal mit Naziparolen und ausländerfeindlichen Sprüchen auf. Dafür wurde er jetzt vom Amtsgericht Kulmbach zu einer Geldstrafe von 6500 Euro verurteilt. Das dürfte der teuerste Rausch bei der Kulmbacher Bierwoche gewesen sein. Symbolbild: Archiv/Tobias Schöffel

Fünf Maß will der Mann getrunken haben, so genau weiß er es nicht mehr. Für einen Frühschoppen beim Kulmbacher Bierfest jedenfalls eine ganze Menge. Laufen konnte er noch und erreichte den Kulmbacher Bahnhof aus eigener Kraft. Aber der Zug nach Lichtenfels fuhr dann ohne ihn ab: Denn die Polizei hatte Redebedarf, weil der 50-Jährige - nicht zum ersten Mal - durch Naziparolen und ausländerfeindliche Sprüche aufgefallen war.

Der Vorfall vom zweiten Bierfestsamstag brachte ihm knapp ein Jahr später einen Termin in Kulmbach ein - beim hiesigen Amtsgericht. Er war der Angeklagte und der Vorwurf lautete: Volksverhetzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Er soll auf dem stark frequentierten Bahnsteig den Hitlergruß gegrölt und eine Gruppe von Reisenden mit Migrationshintergrund als Kanaken beschimpft haben, die Deutschland kaputtmachen.

Unschuldslamm?

Der Mann machte auf Unschuldslamm und gab an, mit dem Stammtisch zur Bierwoche gefahren zu sein. Man sei um zehn Uhr angekommen, alles sei ganz normal gewesen. Er habe die erwähnten fünf Maß getrunken, "und dann war ich leider stark betrunken". Er könne sich an nichts mehr erinnern, so der Angeklagte, erst auf dem Bahnsteig setze das Erinnerungsvermögen wieder ein.

Die Anwesenheit der Ordnungshüter habe ihm signalisiert, dass etwas vorgefallen sei. Aber auch seine Kollegen hätten ihm keine klare Auskunft geben können. Erst dem Brief zur Beschuldigtenvernehmung habe er entnommen, um was es gehe. "Das tut mir wahnsinnig leid, das war völlig unbewusst", sagte er.

Nicht rechtsradikal

Staatsanwalt Eik Launert mochte dem Angeklagten nicht so recht glauben. Er verwies auf zwei Vorstrafen des Mannes: 2008 musste er 2750 Euro Geldstrafe nach einem Vorfall in einer Gastwirtschaft bezahlen, 2011 gar 6000 Euro nach einem Auftritt im Kulmbacher Bierzelt. In beiden Fällen ging es um den Hitlergruß und Ausdrücke wie "Judensau" oder "Ihr seid alle Juden und gehört vergast". Auch damals sei viel Alkohol im Spiel gewesen, verteidigte sich der Angeklagte. "Dann hätten Sie wissen können, dass wieder so etwas passiert", meinte der Staatsanwalt. "Es wird langsam mal Zeit, dass Sie schlauer werden." Auf die Frage von Amtsrichterin Sieglinde Tettmann stritt der Mann ab, rechtsradikal oder rassistisch zu sein.

An dem Vorfall auf dem Kulmbacher Bahnhof gab es nach zwei Zeugenaussagen keine Zweifel: Eine Zeugin und ein Stammtischkumpel bestätigten den Anklagevorwurf. Eine Polizeibeamtin beschrieb den Mann damals als "aggressiv und ziemlich aufgebracht". Er sei betrunken, aber nicht orientierungslos gewesen. "Er wusste, was er tat." Rechtsanwalt Bernd Legal aus Lichtenfels meinte, dass von verminderter Schuldfähigkeit auszugehen sei. "Bei fünf Maß Bier kommt man ungefähr auf vier Promille."

Promille-Irrtum?

Der Verteidiger, der sich hier wohl geirrt haben dürfte, weil sein Mandant sonst nicht zum Bahnhof marschiert, sondern ins Koma gefallen oder tot gewesen wäre, hielt eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen mal 50 Euro für angemessen. Schließlich liege die letzte Vorstrafe zehn Jahre zurück. Auch der Staatsanwalt ging von eingeschränkter Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit aus. Er plädierte für eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen mal 50 Euro. Das Gericht sprach den Angeklagten schuldig und präsentierte ihm eine saftige Rechnung: 130 mal 50 Euro, also 6500 Euro Geldstrafe. Tettmann glaubte dem Mann, "dass er kein Rechter ist".

Saftige Rechnung

Trotzdem bleibt ihm die zweifelhafte Ehre, dass er den wohl teuersten Rausch bei der Kulmbacher Bierwoche hatte. Alle drei gerichtsbekannten Alkoholvorfälle zusammengenommen, liegt der Mann bei über 15  000 Euro Geldstrafe. Anwalts- und Gerichtskosten nicht mitgerechnet.