Erstmals um das Jahr 1300 wurde das Wort Kirchenmusik erwähnt - zunächst für den Gregorianischen Gesang. Im 14. Jahrhundert kam es zur Verwendung einer Orgel im Gottes-dienst, wobei die Gregorianischen Gesänge nicht verdrängt wurden, sondern die liturgische Musik oft von der Abwechslung zwischen Orgel und Gesängen geprägt war. Vom Orgelspiel in der Buchauer St.-Michaels-Kirche war Eugen Zanggl bereits als zehnjähriger Schüler fasziniert: Während des Gottesdienstes wich er dem Organisten nicht von der Seite. Seine Begeisterung für die Königin der Instrumente führte dazu, dass er seit seinem 20. Lebensjahr fast kein Orgelkonzert in der näheren und weiteren Umgebung versäumte.


Als 1966 die Fränkischen Orgeltage ins Leben gerufen wurden, lernte Zanggl deren Initiator Professor Wilhelm Krumbach († 2005) kennen.

Professor machte Eindruck

Der bedeutende Kirchenmusiker und Musikwissenschaftler erlangte internationale Berühmtheit vor allem durch seine Gesamteinspielung des Bachschen Orgelwerkes an der historischen Orgel in Lahm im Itzgrund. "Tief beeindruckt von der Persönlichkeit und dem außerordentlichen musikalischen Können dieses Mannes fasste ich den Entschluss, ebenfalls Organist und Kirchenmusiker zu werden", erinnerte sich Zanggl noch lebhaft an diese Zeit. "Ich hatte das Glück, den Musiklehrer und damaligen Organisten an der Schwarzacher Johanniskirche, Kurt Nagel, zu kennen. Er war bereit, mich auszubilden."

In dieser Zeit - die Ausbildung dauert etwa sechs bis sieben Jahre - war dieser für Eugen Zanggl ein guter Freund und Mentor. Einen seiner Ratschläge wird er nie vergessen: "Ich kann dir zeigen wie es geht, aber üben musst du selber. Und ich hätte nie gedacht, wie schwer es ist, die Kirchenorgel mit ihren zahlreichen Manualen, Registern, Pedalen und Pfeifen zum Leben zu erwecken. Es gehört schon viel Übung dazu sich auf mehreren Tastenreihen zurecht zu finden und dem Instrument Töne vom sanften Pianissimo bis zum donnernden Fortissimo zu entlocken."

Jedenfalls bestimmt von da an neben der Familie und dem Beruf das Orgelspiel Eugen Zanggls Leben - 38 Jahre lang bis zum heutigen Tag. In den Kirchen in Mainleus, Lehenthal und Gärtenroth trug er aushilfsweise zur feierlichen Gestaltung des Gottesdienstes bei, in Schwarzach und Willmersreuth begleitet er bis heute zu den verschiedensten Anlässen die Kirchenbesucher musikalisch. Seit nunmehr über 50 Jahren besucht er regelmäßig Konzerte in ganz Bayern, in ob Nürnberg, in München oder in der Ottobeurer Basilika, einer der schönsten Barockkirchen Bayerns.

Höhepunkte im Organisten-Leben

"Besonders imponiert mir die größte Orgel der Welt, die Eisenbart-Orgel im Stephansdom Passau, mit ihrer gewaltigen Klangfülle. Ein Konzertbesuch dort ist jedesmal für mich einer der Höhepunkte meines Organisten Lebens", sagt Zanggl, der im vergangenen halben Jahrhundert zahlreiche berühmte Organisten und Kirchenmusiker kennen lernen durfte, mit denen er bis heute Kontakte oder Freundschaften pflegt. Beispielsweise mit Professor Rudolph Zartner aus Nürnberg, einem weithin bekannten Kirchenmusiker und Konzertorganisten, der Lehrmeister von Kurt Nagel war.

Ein Ansprechpartner vor allem in Bezug auf Orgelliteratur ist Professor Viktor Lukas aus Donndorf bei Bayreuth. Als Lehrstuhlinhaber an der Musikhochschule Köln und exzellenter Kirchenmusiker, unter anderem als Gründer der Musica Bayreuth bekannt, genießt Lukas hohes Ansehen. "Ein väterlicher Freund, der stets ein offenes Ohr für mich hat."

Stolz präsentiert Eugen Zanggl seine private Chronik. In einem riesigen Album hat er seinen musikalischen Werdegang und seine Liebe zur Orgelmusik dokumentiert, angefangen vom jungen Instrumentalisten bis zum anerkannten Kirchenmusiker heute. Das Album berichtet von vielen Begegnungen mit namhaften Kirchenmusikern, enthält Fotos von und mit diesen, persönliche Widmungen, Presseberichte und Konzertkritiken mit herrlichen Fotos berühmter Orgeln. Fast alle von ihm besuchten Konzerte oder Ereignisse sind akribisch handschriftlich festgehalten und geben Zeugnis von seiner Leidenschaft und seiner Liebe zu diesem Instrument.

Enormes Wissen

Zanggl kennt alle großen und berühmten Orgeln in Bayern sowie deren Organisten und verfügt über ein ungemein großes Allgemeinwissen über diese Instrumente. "Musik ist etwas Wunderbares. Musik ist eine Gabe Gottes, und Musik auf Kirchenorgeln erklingt ausschließlich zu dessen Ruhm und Ehre", lautet sein Wahlspruch.
Vital wie er ist, denkt der 75-Jährige natürlich noch lange nicht ans Aufhören. "So lange ich gebraucht werde, spiele ich weiterhin zur Ehre und zum Ruhme Gottes", versichert er.

Für seine Nachfolge hat er dennoch schon gesorgt. Sohn Markus ist bereits auf dem bestem Weg, denn er vertritt seinen Vater bereits, wenn dieser einmal verhindert ist. Und manchmal musizieren beide auch gemeinsam an der Orgel. "Wenn es dann so weit ist, kann ich mich wieder mehr der Gartenarbeit und meiner Liebe zu den Blumen und den Oldtimern widmen. Und dann habe ich auch für meine Familie und die Enkel Pascal und Nicolas wieder mehr Zeit", sagt Eugen Zanggl mit einem Lächeln.