Sie schleppen sich den Harsdorfer Berg hoch: Schwere Laster, die sich bei acht Prozent Steigung so richtig quälen müssen - und die ein gewaltiges Autocorso im Schlepptau haben. Im Baustellenbereich zwischen der Autobahn-Anschlussstelle Kulmbach-Neudrossenfeld und dem Dreieck Bayreuth/Kulmbach ist die A 70 auf 7,6 Kilometern Länge in beide Fahrtrichtungen nämlich nur einspurig befahrbar. Überholen ist nicht drin. Viele ortskundige Autofahrer meiden den Streckenabschnitt, der bei einer Spurenbreite von 3,50 Metern zwischen Fahrbahnrand und Betonwand auch größte Aufmerksamkeit einfordert. Vier Mal hat es seit Baustellen-Einrichtung schon gekracht. Nicht nur die schmale Fahrspur, auch die verzwickte Auffahrt von der A 9 auf die A 70 macht vielen zu schaffen.



"Normal fährt fast kein Auto"
Wer Ausweichstrecken über die Dörfer nimmt, tun dies aber zu Lasten der dortigen
Bewohner, die unter der Baustelle leiden. Die Harsdorfer trifft es ebenso wie die Waldauer. "Normalerweise fährt bei uns kaum ein Auto", sagt Alfred Kauper (75), der mit Ehefrau Emmi (74) in der Schwingener Straße wohnt. Normalerweise ist in Waldau nicht mehr. Die Normalität sieht anders aus - seit Mitte März der 50 Millionen Euro teure Ausbau begonnen hat, der erst Ende 2014 abgeschlossen wird. Zwar bekommen die Kaupers, die inmitten der Ortschaft wohnen, vom Baustellenlärm nicht viel mit ("Das trifft die, deren Häuser direkt an der Autobahn liegen, viel härter"), der Baustellenverkehr läuft aber auch an ihrem Anwesen vorbei.

Kein Weiterkommen
Leidtragende sind in Waldau auch alle die, die in Richtung Trebgast fahren müssen. Denn die KU 11 ist wegen des Mammutprojekts gesperrt. Wo bis dato der Verkehr durch eine Unterführung der A 70 gelaufen ist, sind Abbrucharbeiten im Gang. Die alte Brücke wird abgerissen. "Wer wie unsere Tochter täglich Richtung Trebgast fahren muss, muss Ausweichstrecken nehmen", sagt Emmi Kauper. Für viele sei das ein Ärgernis, seien Umwege doch mit höheren Benzinkosten verbunden. Umwege, die auch Landwirte im Kauf nehmen müssen, die jenseits der Autobahn Felder bewirtschaften. Klagen wollen die Kaupers über die Großbaustelle aber nicht. "Das ist halt jetzt so", sagt Alfred Kauper, der weiß, dass durch die Erneuerung ja auch der Lärmschutz verbessert wird.

Keine Nachtschicht
Froh ist er, dass die Arbeiten vor Einbruch der Dunkelheit enden. Das wird auch so bleiben, wie Günther Metzger von der Firma Rädlinger erklärt, die die Erdarbeiten durchführt und für den Fahrbahnoberbau sorgt. "Wir arbeiten wochentags von 7 bis 18 Uhr, am Samstag von 7 bis 17 Uhr", sagt Metzger. Nachtschichten der 70 Mitarbeiter, die in einem Container- und Wohnwagendorf bei Unterbrücklein übernachten, seien bis dato nicht vorgesehen. Derzeit ist der Bautrupp damit beschäftigt, die alte Fahrbahnoberbau aus den fünfziger Jahren auf der Spur Richtung Bamberg herauszureißen. Metzger: "Wir bauen auch die Regenrückhaltebecken und die Abflusskanäle."

Mit Baufortschritt zufrieden
Die Autobahndirektion ist mit dem Baufortschritt zufrieden. Nur am ersten Tag habe es ein Problem gegeben. "Ein Wassereinlauf-Rost ist gebrochen. Wir mussten die A 70 für zwei Stunden in einer Richtung sperren", sagt Sachgebietsleiter Michael Probst. Seitdem laufe der Verkehr. "Und wir haben dazu parallel auf acht Kilometern Länge Baustellen-Hochbetrieb."