Facharzt Klaus Pfaffenberger versteht die Welt nicht mehr. Er könnte Patienten untersuchen, die wegen einer Krebserkrankung beispielsweise eine onkologische Nachuntersuchung benötigen, er darf das derzeit aber nicht: "Seine" Radiologie-Praxis ist nämlich nach wie vor geschlossen. Und das schon seit Anfang Mai. Die Termine von Hunderten Patienten habe er absagen müssen, neue Termine bis dato nicht vergeben können, weil er nicht wisse, wann er wieder öffnen darf, sagt der Facharzt. Er spricht von einem kommunalpolitischen Streit, der zu Lasten der Patienten gehe, die in der Luft hingen, zumal sie in anderen Praxen oft keinen zeitnahen Termin bekämen, den sie aber bräuchten.

Die rechtliche Prüfung

Um was es bei dem Streit geht? Pfaffenberger wollte seine Praxis verkaufen, die als Teil eines Medizinischen Versorgungszentrums weiterbetrieben werden soll. Nach Verhandlungen mit dem Kulmbacher Klinikum ("Ich habe auf den Anstellungsvertrag gewartet, ihn aber nicht bekommen und das als Absage gewertet") hat das MedZentrum Klinikum Bayreuth, ein Tochterunternehmen es dortigen Klinikums, den Zuschlag erhalten. "Für mich stand von Anfang an fest, dass die Praxis in der Fischergasse bleibt", sagt Pfaffenberger. Er, so betont er, sei verwundert gewesen, als dann der Zweckverband Klinikum Kulmbach den Kauf des Arztsitzes rechtlich prüfen lassen hat. Es wurde dabei auf die Gemeinde-Ordnung verwiesen, in der es heißt, dass bei einem Kauf zumindest ein "Benehmen hergestellt" werden müsse. Das habe es nicht gegeben, sagte Landrat Klaus Peter Söllner, der Vorsitzender des Zweckverbands ist.

"Noch kein neuer Sachstand"

Ob die Prüfung inzwischen abgeschlossen, es zu einer Einigung zwischen Bayreuth und Kulmbach gekommen ist? "Es gibt noch keinen neuen Sachstand", sagt dazu Pressesprecherin Sabine Kerner von der Regierung von Oberfranken, die mitteilt, dass die beteiligten Gebietskörperschaften noch miteinander verhandeln. Von Gesprächen zwischen den Vertretern der beiden Kliniken spricht auch Regierungsdirektor Oliver Hempfling vom Landratsamt. "Diese sind auf einem gut Weg, alle sind gewillt, eine gute Lösung für Kulmbach zu finden."

"Eine Zumutung"

Es läuft, wie zu hören ist, darauf hinaus, dass die MedZ Klinikum Bayreuth GmbH eine Filialpraxis in der Fischergasse als Teil des Medizinischen Versorgungszentrums weiterbetreiben wird. Doch ab wann das sein wird? Nicht nur Klaus Pfaffenberger, auch viele Kulmbacher Fach- und Hausärzte warten darauf, dass in der Fischergasse zeitnah wieder Untersuchungen durchgeführt werden können. "Die momentane Situation ist ein Zumutung", sagt etwa Frauenärztin Maxi Roßberg, die mitteilt, dass viele Patientinnen es schwer hätten, in Praxen außerhalb des Landkreises zeitnah einen Termin zu bekommen. "Mit der Radiologiepraxis Pfaffenberger war vieles auf kurzem Dienstweg möglich. Gab es den Verdacht auf Brustkrebs, haben wir dort einen Termin zur Bildgebung und parallel einen zur Brustsprechstunde am Klinikum ausgemacht. Wir hoffen, dass das bald wieder möglich ist", sagt Maxi Roßberg. Auch bei wichtigen onkologischen Nachsorgeuntersuchungen hätten Patienten große Probleme, einen Termin bei einem Radiologen zu bekommen. "Viele Ältere verzichten deshalb sogar darauf, was eigentlich nicht sein dürfte."

"Absolut unbefriedigend"

Es sei eine "absolut unbefriedigende Situation", betont auch Anja Tischer, die Sprecherin der Hausärzte im Landkreis Kulmbach ist. "Wir brauchen möglichst schnell wieder eine Radiologie in Kulmbach", so Tischer. Diese müsse fester Bestandteil einer wohnortnahen medizinischen Versorgung sein. "Es darf nicht sein, dass man 40 Kilometer fahren muss, um etwa durch ein Röntgenbild eine Lungenentzündung ausschließen zu können." Dass dies zeitnah wieder in der Praxis Pfaffenberger möglich ist, das wünscht sich Anja Tischer für die Patienten, aber auch für die vielen Ärzte aus dem Landkreis, die bis dato von der guten Zusammenarbeit mit der Praxis Pfaffenberger profitiert hätten.

 

Viele Termine wurden abgesagt

"Anfangs habe ich gedacht, dass die Praxis zwei oder drei Tage geschlossen wird, jetzt sind Monate daraus geworden", sagt der Radiologie, der es bedauert, dass er viele Patiententermine absagen musste. "Es kommt bei Tumor-Nachsorgen vielleicht nicht auf eine Woche an, aber über Monate dürfen diese nicht verschoben werden", betont der Facharzt. Wer dieser Tage in der Praxis in der Fischergasse anruft, der bekommt zwar einen Gesprächspartner ans Ohr. Termine werden vergeben - allerdings nur für Kernspint-Untersuchungen, die Klaus Pfaffenberger schon seit dem Jahr 1999 in Bayreuth durchführt. Wann wieder Termine für die Computertomographie und die konventionelle Röntgendiagnostik/Mammographie in Kulmbach ausgemacht werden können? Lieber heute als morgen, wünscht sich nicht nur der Radiologe.