Der Bierfestauftakt war für Birvaa Mandakhbileg ein ganz besonderes Ereignis. Staunend schaute er dem Einzug des Bierwagens an, lauschte der Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Und als absoluten Höhepunkt empfand er den Büttnertanz. "Das ist ein sehr symmetrischer Tanz. Der klappt nicht mehr nach einigen Bieren", sagte Birvaa Mandakhbileg schmunzelnd und applaudierte begeistert. Birvaa Mandakhbileg ist der Botschafter der Mongolei. Dass er in Kulmbach weilte, ist einem riesengroßen Zufall zu verdanken und geht auf das Konto von Alfons L. Schunk. Schunk ist mit einer Frau aus den Philippinen verheiratet - und er ist fußballbegeistert.

"Ich berate Trainer und Mannschaften. Und ich kenne viele Trainer", berichtet Schunk. Eines Tages begegnete er bei einem Event des Auswärtigen Amtes dem mongolischen Botschafter. "Man kam ins Gespräch. Und mir ist gleich aufgefallen, dass er so gut Deutsch spricht", erinnert sich Schunk. Kurzerhand tauschte man sich aus, der Botschafter wusste nur eins von Kulmbach: dass Kulmbach die Stadt des Bieres ist.

Bier in der Mongolei ist anders

"Ich war vorher noch nie in Kulmbach und ich habe auch noch nie Kulmbacher Bier getrunken", lacht der Botschafter heute darüber. Denn das änderte sich beim Bierfestauftakt. "Wir haben in der Mongolei weißes Bier und gelbes Bier. Das weiße Bier ist Airag, vergorene Stutenmilch - das gelbe Bier ist echtes Bier", erzählt er. Alfons L. Schunk lud den Botschafter nach Kulmbach ein. Und Birvaa Mandakhbileg ließ sich nicht lange bitten. Zwei Tage lang weilte er in der Bierstadt. Nicht nur, um die Bierwoche live zu erleben, sondern eigentlich ging es dem Botschafter darum, die Verbindungen zwischen der Mongolei und Deutschland zu stärken. Neben dem Bierfest besuchte der Botschafter der Mongolei die Universität Bayreuth, die Stadt Kulmbach sowie den Markt Thurnau, um sich über die universitären Einrichtungen zu informieren."Meine Intention ist es, Kontakte in Kulmbach zu knüpfen", sagte Birvaa Mandakhbileg und hatte vor allem die siebte Fakultät der Universität im Auge.

Landwirtschaft in der Mongolei

Aus diesem Grund führte ihn auch der erste Weg an den Campus. Dort trug er sich ins goldene Gästebuch ein. "Die Mongolei ist ein Land der Landwirtschaft", erklärte der Botschafter und betonte, dass vor allem Schafe und Ziegen, aber auch Rinder gehalten werden und Getreide angebaut werde. Die Mongolei ist 4,5 Mal so groß wie Deutschland, gehört mit nur drei Millionen Einwohnern aber zu den am dünnsten besiedelten Staaten der Welt. Allerdings werden die Bedingungen für die Landwirtschaft immer schwieriger.

Sehr großes Interesse hätte der Botschafter an Kontakten aller Art, machte er bei seinem Besuch deutlich. Sowohl auf kommunaler als auch auf Bildungs- und Forschungsebene könnte sich Birvaa Mandakhbileg den Ausbau der Beziehungen vorstellen. Aus diesem Grund hat der mongolische Botschafter auch mit Oberbürgermeister Ingo Lehmann und Landrat Klaus Peter Söllner Kontakte geknüpft. Er traf Bürgermeister Martin Bernreuther aus Thurnau und war im Schloss zu Gast. Derzeit studieren rund 30 Studentinnen und Studenten aus der Mongolei an der Universität Bayreuth. Bei seinem Besuch im Landkreis Kulmbach interessierte sich Mandakhbileg Birvaa vor allem für die neu gegründete Fakultät VII für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit der Universität Bayreuth am Standort Kulmbach. In der hiesigen Ausbildung junger Akademiker aus der Mongolei sieht Birvaa auch gute Perspektiven für die Zukunft des Lebensmittelsektors in seinem Land.

Birvaa Mandakhbileg ist erst seit Oktober 2021 in Führungsverantwortung, allerdings ist er seit mehr als 20 Jahren in der Botschaft tätig. Birvaa Mandakhbileg hat in Leipzig und in Heidelberg Jura studiert. Aus diesem Grund spricht er perfekt Deutsch. In der Mongolei verfügen 30.000 Menshcen über Deutschkenntnisse, das entspricht einem Prozent der Bevölkerung. "Ich könnte mir eine kommunale Partnerschaft vorstellen", sagt der Botschafter, möchte aber nichts überstürzen. Denn er weiß, solche Beziehungen brauchen Zeit - vor allem, wenn 7000 Kilometer Entfernung zwischen den Ländern liegen. Als Jurist hat sich Birvaa Mandakhbileg bestens mit Landrat Klaus Peter Söllner verstanden. Nur fußballtechnisch liegen die beiden nicht auf einer Wellenlänge: Der mongolische Botschafter ist Borussia-Fan, während der Landrat "seinen Bayern" die Treue hält.