Wegen einer umfangreichen Straftatenserie muss ein 29-jähriger Arbeiter aus Kulmbach für ein Jahr ins Gefängnis: Das Amtsgericht verurteilte den Mann wegen Hausfriedensbruchs, Drogenbesitzes, Diebstahls in mehreren Fällen und wegen des Führens einer unerlaubten Waffe. Insgesamt lagen acht Anklagepunkte vor.

Kleinkriminalität

Alles in allem war es eher Kleinkriminalität, wegen der sich der Mann schuldig gemacht hatte. Eine Handyhülle, eine Speicherkarte und eine Unterhose bei Rewe, ein Paar Winterschuhe für seine Freundin bei Deichmann, zwei Laugenstangen bei Real oder ein Eis bei Edeka: Es waren in den einzelnen Fällen keine großen Beträge, trotzdem kam unterm Strich eine umfangreiche Diebstahlserie zusammen. Außerdem hatte der 29-Jährige den Edeka-Verbrauchermarkt am Goldenen Fed trotz Hausverbots betreten und bei einer Kontrolle in einer Spielothek am Holzmarkt ein Tütchen Crystal und einen Teleskopschlagstock mit sich geführt, genauso wie ein verbotenes Einhandmesser bei einem der Ladendiebstähle.

Angeklagter ist geständig

Während der Hauptverhandlung räumte der damals von Hartz IV lebende Angeklagte die Taten ein. Er habe Hunger gehabt, aber keine Möglichkeit mehr an Geld zu kommen, deshalb habe er die Laugenstangen geklaut. Eine davon sei für seine Freundin gewesen, die vor dem Markt gewartet habe. Auch die Schuhe von Deichmann im Wert von 49,99 Euro seien für seine Freundin gewesen. Allerdings hat er auf der Flucht einen Schuh verloren.

Mit Einhandmesser

Besonders schwer sollte ein Diebstahl wiegen, bei dem der Angeklagte ein verbotenes Einhandmesser einstecken hatte. Damit machte er sich des Diebstahls mit Waffen schuldig. Es sei ein handelsübliches Mehrzweckmesser gewesen, argumentierte der junge Mann. Er habe nicht gewusst, dass dies verboten ist, schließlich sei das Messer doch frei verkäuflich. Er musste sich belehren lassen, dass nicht alles, was man kaufen kann, auch erlaubt ist. Nach dem Waffengesetz ist das Mitführen eines solchen Messers verboten.

Da staunte die Polizei

Ein kurioses Detail erwähnte der als Zeuge geladene Polizist, der den Angeklagten in der Spielothek am Holzmarkt kontrolliert hatte. Das Päckchen Crystal hatte der 29-Jährige doch tatsächlich in seinen Pobacken versteckt. Außerdem führte er einen Teleskopschlagstock mit sich. Als die Beamten den Angeklagten zur weiteren Überprüfung auf die Dienststelle mitnehmen wollten, gelang ihm die Flucht. Doch schon am nächsten Tag konnte der Mann im Umfeld der Dr.-Stammberger-Halle geschnappt werden. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung stellten die Beamten ein weiteres Klappmesser, ein Tierabwehrspray und mehrere Injektionsspritzen sicher.

Größtes Problem für den Angeklagten waren seine zahlreichen, meist einschlägigen Vorstrafen wegen Diebstahls oder Drogendelikten. Mehrfach musste er schon kurze Haftstrafen verbüßen. Der erste Ladendiebstahl der aktuellen Serie ereignete sich, kurz nachdem er wieder einmal aus der Haft entlassen worden war.

Die Plädoyers

Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten beantragte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, während Verteidiger Ralph Pittroff aus Kulmbach auf acht Monate plädierte. Richterin Sieglinde Tettmann verhängte genau ein Jahr. Obwohl der Angeklagte mittlerweile wieder eine Arbeit hat und so gesehen auf einem guten Weg sei, könne bei der Vielzahl von Taten, bei der hohen Rückfallgeschwindigkeit und den vielen Vorstrafen keine Bewährungsstrafe mehr ausgesprochen werden, so Tettmann. Wegen des Schlagstockes, im Fachjargon als Hiebwaffe bezeichnet, brummte die Richterin dem Angeklagten eine Geldbuße von 500 Euro auf.

Während der Verhandlung wurde bekannt, dass gegen den Mann bereits eine weitere Anklage vorliegt. Diesmal hatte er demnach mehrere Aschenbecher geklaut.