Umsatz generieren Gastwirte seit über zwei Monaten allenfalls mit dem Außer-Haus-Verkauf. Doch die Einnahmen aus dem To-go-Geschäft sind überschaubar. Die Gastronomie leidet in der Corona-Krise wie viele andere Branchen, ist dringend auf staatliche Hilfe angewiesen. Die wurde versprochen, das Geld kommt vielfach aber nicht an. "Es gibt etliche Kollegen, die haben von der angekündigten Novemberhilfe noch nicht einmal eine Abschlagszahlung erhalten", sagt Stephan Ertl, der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes ist, im Interview.

Herr Ertl, die Gutschein-Aktion des Kulmbacher Gaststättenverbandes war ein großer Erfolg. Hat Sie das selbst überrascht?

Stephan Ertl: Dass die Aktion, die wir gemeinsam mit dem Landkreis und Radio Plassenburg gestartet haben, so gut angenommen wird, war für uns schon überraschend. Es waren nicht nur Firmen, die ihre Mitarbeiter mit Gutscheinen bedacht haben, sondern auch viele Privatleute, die auf das besondere Geschenk gesetzt haben. Es wurden ja Gutscheine erworben, die - je nach dem Geschmack des Beschenkten - in allen unseren Mitgliedsbetrieben eingelöst werden können.

Wie viele Gutscheine wurden verkauft? Wie viele Geld wurde eingenommen?

Wir haben die Aktion mit 1500 Gutscheinen gestartet. Weil die Nachfrage groß war, haben wir 2000 nachdrucken lassen. Auch die waren schnell vergriffen. Das Klinikum hat selbst weitere 1700 Gutscheine für seine Mitarbeiter drucken lassen. Insgesamt wurden somit 5200 Gutscheine im Wert von 130 000 Euro verkauft.

Wie viele Gutscheine wurden in den Gaststätten inzwischen eingelöst?

Eine genaue Zahl kann ich da nicht nennen. Es waren aber etliche Gutscheine, die über den Jahreswechsel über den To-go-Verkauf eingelöst wurden. Profitiert hat davon beispielsweise das Posthotel in Wirsberg ebenso wie die Gaststätte "Zum Paul" in Buchau.

Wird der Gutschein-Verkauf fortgeführt?

Er wird fortgesetzt, weil die Nachfrage nach wie vor groß ist. Fast täglich kommen Leute in unser Hotel und fragen nach Gutscheinen. Wir lassen jetzt 1000 Stück drucken, die ab der dritten Kalenderwoche erhältlich sind. Verschickt werden diese auf dem Postweg. Bestellen kann man sie unter der Adresse info@hotel-ertl.de.

130 000 Euro ist eine stolze Summe. Geld, das bei den 70 Mitgliedsbetrieben im Kreisverband die Umsatzverluste aber bei weitem nicht auffangen kann. Wie ist die Lage in der Gastronomie?

Natürlich sehr angespannt, weil ja auch keiner weiß, wie es in den kommenden Monaten weitergehen wird. Der Außer-Haus-Verkauf ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Er läuft bei denen gut, die auf Stammkundschaft zählen können, weniger gut bei den Gaststätten, die normalerweise von den Touristen leben.

Der Freistaat hat für November und Dezember finanzielle Hilfe zugesagt. Den Wirten wurden Ausgleichszahlungen über 75 Prozent des Umsatzes aus dem jeweiligen Vorjahresmonat versprochen. Fließt das Geld?

Nicht in allen Fällen. Es gibt etliche Kollegen, die haben von der Novemberhilfe noch nicht einmal eine Abschlagszahlung erhalten. Und die Dezember-Anträge konnten ja erst am 25. Dezember gestellt werden. Da waren viele Steuerberater, über die die Antragsstellung läuft, schon im Urlaub. Bei Betrieben, die über zwei Monate kein Geld erhalten, schaut es mitunter schon düster aus, wenn beispielsweise die Hausbank nicht besonders kooperativ ist. Noch habe ich aber von keinem gehört, der vor der Schließung steht. Wie das im Frühjahr sein wird, muss man abwarten.

Ab 2021 bekommen auch die Gastronomie und Hotellerie nur noch einen Zuschuss zu den Fixkosten. Es wird also für viele noch enger werden.

Der finanzielle Spielraum wird noch geringer, zumal man sich im vergangenen Sommer ja auch kein dickes Polster aufbauen konnte, mit dem man die schwere Zeit überbrücken könnte.

Zu den Fixkosten zählen Pacht, Energiekosten oder die Versicherungen. Der Unternehmerlohn nicht. Das wird für viele eng werden, denn von irgendwas müssen ja auch wir leben.

Wann rechnen Sie damit, dass die Gastronomie überhaupt wieder öffnen darf?

Ich glaube, dass das nicht vor Ostern der Fall sein wird. Bis dahin, so befürchte ich, könnte es den einen oder anderen unserer Mitgliedsbetriebe nicht mehr geben. Erfreulich war übrigens, dass wir durch die Gutscheinaktion zu Weihnachten ein Neumitglied gewonnen haben, das von unserer Idee begeistert war.

Auch die Hotels und Gastronomiebetriebe leben von Großveranstaltungen. Sternfahrt, Altstadtfest, Bierwoche - glauben Sie, dass davon 2021 was stattfindet?

Ich kann es mir nur schwer vorstellen, auch wenn ich es mir natürlich wünschen würde. Gäste aus England und den USA haben bei uns Zimmer für die Bierwoche gebucht. Ob wir sie auch empfangen dürfen, ist aber zurzeit natürlich schon mehr als fraglich.

Die Fragen stellte Alexander Hartmann