Deutsche Co-Produktion gewinnt Oscar - die Verleihung im Überblick

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Sechs Oscars gehen an den Politthriller von Paul Thomas Anderson, der von militanten Aktivisten in den USA erzählt. In einer Kategorie gewinnt ein "ZDF"/"Arte"-Dokumentarfilm. Andere Deutsche verpassen ihre Oscar-Chance.

And the Oscar goes to: "Ein Nobody gegen Putin". In der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" hat bei den Oscars eine deutsche Gemeinschaftsproduktion gewonnen. Der Streifen des amerikanischen, in Kopenhagen ansässigen Regisseurs David Borenstein und des russischen Videofilmers Pawel Talankin ist eine Zusammenarbeit von Dänemarks öffentlich-rechtlichem Rundfunk DR, der BBC aus Großbritannien sowie ZDF und Arte. Der Film kann in der Arte-Mediathek angeschaut werden, aber auch auf YouTube.

Laut ZDF und Arte zeigt der Film "gleichermaßen humorvoll und niederschmetternd, wie das Leben im heutigen Russland aussieht, wie eine ganze Generation indoktriniert wird". Die Dokumentation bietet "einen spektakulären Einblick ins Herz der russischen Propaganda".

"Ein Nobody gegen Putin" gewinnt Oscar - "One Battle After Another" mit meisten Auszeichnungen

Der Film beleuchtet das Leben von Talankin, der als Lehrer an einer Schule in seiner Heimatstadt Karabasch tätig ist. Als er mit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine den Auftrag erhält, patriotische Veranstaltungen zu organisieren und zu dokumentieren, wachsen in ihm die Zweifel am politischen System Russlands.

Der Politthriller "One Battle After Another" hat mit sechs Auszeichnungen die meisten Oscars erhalten, darunter die Auszeichnung für den besten Film. Damit übertrumpfte er auch den rekordnominierten Favoriten "Blood & Sinners", der vier Oscars gewann.

"One Battle After Another" von Paul Thomas Anderson mit Leonardo DiCaprio erzählt von militanten Aktivisten in den USA, die sich für Migranten engagieren und vor allem von selbstbewussten schwarzen Frauen angeführt werden.

"Blood & Sinners" mit meisten Nominierungen in der Geschichte

Regisseur P. T. Anderson ("Boogie Nights", "Magnolia", "There Will Be Blood") wurde damit nach zahlreichen Nominierungen erstmals selbst geehrt - sowohl als bester Regisseur als auch für das beste adaptierte Drehbuch sowie als Mitproduzent. Mit 13 Nominierungen war der Film als einer der Favoriten ins Rennen gestartet.

Noch mehr Nominierungen hatte nur das Vampirdrama "Blood & Sinners" von Regisseur Ryan Coogler. Das Südstaatendrama hatte 16 Nominierungen, so viele wie kein anderer Film in der Geschichte.

Der Film erhielt bei der 98. Oscarverleihung den Preis für das beste Originaldrehbuch, die beste Kamera, die beste Filmmusik und den besten Hauptdarsteller Michael B. Jordan.

Wer die Schauspielpreise gewonnen hat

Jordan spielt in "Blood & Sinners" eine Doppelrolle. Er setzte sich unter anderem gegen Leonardo DiCaprio durch (der mit Schnurrbart zur Gala erschienen war) sowie Timothée Chalamet, der für seine Rolle als Tischtennisspieler in "Marty Supreme" nominiert war.

Die Auszeichnung für die beste Hauptdarstellerin ging an die irische Schauspielerin Jessie Buckley. Sie verkörpert im Drama "Hamnet" die Frau des Dichters William Shakespeare, die um ihren Sohn trauert. Buckley setzte sich unter anderem gegen Emma Stone und Kate Hudson durch.

Hollywoodstar Sean Penn gewann den Oscar als bester Nebendarsteller für seine Rolle als korrupter Militär-Offizier in "One Battle After Another", war selbst jedoch nicht im Saal in Hollywood. Der 65-Jährige gewann damit nach "Mystic River" und "Milk" seinen dritten Oscar.

Deutsche verpassen den Oscar

Als beste Nebendarstellerin wurde Amy Madigan (75) für den Horrorfilm "Weapons – Die Stunde des Verschwindens" ausgezeichnet.

Das norwegische Drama "Sentimental Value" von Regisseur Joachim Trier wurde als bester internationaler Film prämiert. Der Film, der auch aus Deutschland mitproduziert wurde, erzählt vom komplizierten Verhältnis eines Vaters zu seinen Töchtern. Der deutsche Beitrag "In die Sonne schauen" hatte es in diesem Jahr nicht in die Endrunde geschafft.

Auch die Deutschen Michael Ralla und Guido Wolter gingen leer aus. Sie waren mit einem Team für die visuellen Effekte von "Blood & Sinners" nominiert. In dieser Kategorie gewann allerdings der Fantasyfilm "Avatar: Fire and Ash".

O’Brien macht Peniswitz als Seitenhieb gegen Trump

Moderator Conan O’Brien führte durch die mehr als dreieinhalbstündige Show. Zum Auftakt scherzte er über Künstliche Intelligenz - er werde der letzte menschliche Gastgeber der Academy Awards sein - und spielte ironisch auf die politische Lage und mit einem Seitenhieb auch auf US-Präsident Donald Trump an. Auch den Skandal um Sexualstraftäter Jeffrey Epstein thematisierte er.

O'Brien sagte im Laufe der Veranstaltung: "Wir melden uns live aus dem Hat-einen-kleinen-Penis-Theater. Mal sehen, ob er da seinen Namen davor setzt." O'Brien spielte damit offenbar auf die umstrittene Umbenennung des "Kennedy Center", eines der wichtigsten Kulturzentren der USA, in "Trump Kennedy Center" in Washington an. Die Verleihung fand im Dolby Theatre in Hollywood statt.

Lustig machte er sich über Schauspieler Chalamet. Die Sicherheitsmaßnahmen seien äußerst streng, sagte O’Brien. "Mir wurde gesagt, dass es Bedenken hinsichtlich Angriffen sowohl aus der Opern- als auch aus der Ballettwelt gibt." Chalamet hatte kürzlich gesagt, niemand interessiere sich mehr für Oper und Ballett.

Bewegender Auftritt von Barbra Streisand

Chalamets Film "Marty Supreme" ging überraschend völlig leer aus, ebenso wie die mehrfach nominierten Filme "Bugonia", "The Secret Agent", "Train Dreams", "Blue Moon", "Sirāt" und "Ein einfacher Unfall".

Zur Verleihung im Dolby Theatre kamen unter anderem der Regisseur Steven Spielberg, die Schauspielerinnen Sigourney Weaver und Demi Moore und die ehemalige Vogue-Chefin Anna Wintour, die mit Anne Hathaway ("Der Teufel trägt Prada") die Kategorie fürs beste Kostümdesign präsentierte.

Barbra Streisand erinnerte mit einem ergreifenden Auftritt an ihren früheren Filmpartner Robert Redford. Sie lobte ihn als hervorragenden Schauspieler und Mann mit Rückgrat. Sie vermisse ihn sehr, sagte die 83-Jährige, die einen Ausschnitt des Titelsongs aus ihrem gemeinsamen Film "So wie wir waren" sang.

Erstmals geht Oscar an Kamerafrau

Während der Verleihung wurde auch an andere gestorbene Filmschaffende erinnert, darunter Schauspielerin Diane Keaton und Regisseur Rob Reiner ("Harry und Sally"), der gemeinsam mit seiner Frau getötet worden war - unter Mordverdacht steht der Sohn des Paares.

Erstmals ging der Oscar für die beste Kameraführung an eine Frau: Die US-Amerikanerin Autumn Durald Arkapaw wurde für "Blood & Sinners" ausgezeichnet. Zum ersten Mal wurde auch ein Oscar für das beste Casting vergeben, der an Cassandra Kulukundis für "One Battle After Another" ging.

Die Oscars für den besten Animationsfilm und den besten Filmsong gingen an den Netflix-Hit "KPop Demon Hunters" über eine Girlgroup. Das Drama "Frankenstein" von Regisseur Guillermo del Toro gewann drei Oscars für Kostümdesign, Maske und Szenenbild.

Gleichstand in einer Kategorie

Ungewöhnlich war, dass es in einer Kategorie einen Gleichstand gab, was nach Angaben der Akademie erst siebenmal vorkam: Der Oscar für den besten Kurzfilm ging daher an "The Singers" und "Two People Exchanging Saliva".

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Vorschaubild: © Jordan Strauss/Invision/AP/dpa