Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen im Landkreis Kulmbach ist in den vergangenen Tagen sprunghaft gestiegen. Bereits am Montag waren zehn neue positiv auf das Coronavirus Getestete gemeldet worden, der Sieben-Tage-Inzidenzwert hatte sich von entspannten 26,6 auf 39,2 erhöht. Am Dienstag kamen 24 weitere Fälle dazu, was den Inzidenzwert auf 64,40 katapultierte, und am Mittwoch noch einmal 23. Damit hat sich die Inzidenz mit aktuell 89,6 seit Sonntag mehr als verdreifacht. Zeit, einmal einen Blick auf die aktuelle Corona-Lage im Landkreis Kulmbach zu werfen.

Welche Ursache haben die gehäuften Corona-Neuinfektionen der vergangenen Tage?

Zehn der am Dienstag neu gemeldeten Infektionsfälle sind laut Landratsamt einem Ausbruchsgeschehen in einem Kindergarten im Landkreis zuzurechnen. Und auch am Mittwoch geht etwa die Hälfte der 23 Neuinfektionen auf das Konto des Corona-Ausbruchs in der Kita. In der Einrichtung - es handelt sich um den Kindergarten "Abenteuerland" in Neuenmarkt - waren bereits am Wochenende positive Testergebnisse bei mehreren Mitarbeitenden bekannt geworden. Das Gesundheitsamt hat daraufhin am Montag und Dienstag eine Reihentestung mit rund 100 PCR-Tests bei Personal und Kindern durchgeführt. Die zehn am Dienstag bekannt gewordenen Corona-Infektionen betreffen ausschließlich Kinder. Sie haben größtenteils keine Symptome, höchstens eine "Triefnase", wie sie für Kindergartenkinder oft so typisch ist. Mittlerweile ist die Infektionswelle laut Landratsamt in der zweiten Linie, also in den Familien, angekommen. Der Leiter des Corona-Krisenstabs, Oliver Hempfling, schließt nicht aus, dass weitere Fälle aus dem Umfeld der Einrichtung dazukommen.

Das "Abenteuerland" in Neuenmarkt ist wegen des Corona-Ausbruchs derzeit geschlossen, Kinder und Personal wurden in Quarantäne geschickt. Die Kita wollte keine Stellungnahme abgeben.

Bei den weiteren über 20 neuen Corona-Fällen vom Dienstag und Mittwoch handelt es sich laut Oliver Hempfling um ein diffuses Ausbruchsgeschehen, das den gesamten Landkreis und alle Altersgruppen betrifft. Die Infizierten sind von 30 bis Mitte 80 Jahre alt.

Sind auch Geimpfte unter den Corona-Fällen, und wie viele Impfdurchbrüche gibt es im Landkreis?

Klar ist, dass immer wieder auch doppelt geimpfte Personen unter den positiv Getesteten sind - bei den aktuellen Fällen ebenfalls. Von einem Impfdurchbruch spricht man laut Definition des Robert-Koch-Institutes aber erst, wenn zu einem positiven Testergebnis (Infektion) auch Symptome, also eine Erkrankung, kommen. Eine Analyse der Corona-Statistik durch das Landratsamt hat ergeben, dass seit Beginn der Impfkampagne zum Jahresanfang unter allen Corona-Fällen 71 vollständig immunisierte Personen waren; 55 davon hatten in der Regel leichte Verläufe, der Rest gar keine Symptome. Der erste Fall eines Impfdurchbruchs wurde im März bekannt. Setzt man diese Zahlen ins Verhältnis zur Impfquote, liegt die Quote der Impfdurchbrüche im Landkreis bei 0,12 Prozent und damit deutlich unter dem bundesweiten RKI-Durchschnitt von einem Prozent. "Das ist extrem erfreulich, auch wenn es natürlich blöd ist, sich trotz Immunisierung zu infizieren", sagt Hempfling. Er betont aber auch: "Diese Zahlen zeigen, dass eine Impfung schützt."

Das Impfzentrum zieht innerhalb des "Fritz" um und wird kleiner. Ändert sich dadurch etwas am Betrieb oder für die impfwillige Bevölkerung?

Der Freistaat ändert ab Oktober die Strategie. Das Impfen soll mehr und mehr auf die Schultern der Ärzte verlagert werden. Da auch im Landkreis Kulmbach die Nachfrage nicht mehr so groß ist wie am Beginn der Impfkampagne und die große Fläche im vierten Stock des "Fritz" nicht mehr benötigt wird, zieht das Impfzentrum um ins Erdgeschoss des Einkaufszentrums. Dort hat der Landkreis Räume gegenüber des Edeka-Marktes angemietet und setzt den Betrieb auf kleinerer Fläche und mit weniger Personal fort. "Für die Bevölkerung bleibt alles beim Alten. Nach wie vor kann jeder zu den üblichen Öffnungszeiten ohne Termin zum Impfen kommen", erklärt Krisenstabschef Hempfling.

Lediglich am 1. und 2.Oktober ist wegen des Umzugs geschlossen, ab Montag, 4. Oktober, hat das Impfzentrum dann in den neuen Räumlichkeiten wieder geöffnet. Die Finanzierungsgarantie des Freistaats für die angemietete Fläche gilt bis 30. April 2022, solange wird es das Impfzentrum im "Fritz" also auf jeden Fall geben. Der Bedarf ist nach wie vor da, allein am Dienstag kamen 52 Personen ohne Termin zum Impfen.

Daneben setzt der Landkreis weiterhin auf regelmäßige Sonderimpfaktionen, die in der Vergangenheit mal mehr und mal weniger Zuspruch fanden. Aber jeder einzelne Geimpfte zählt, so Hempfling. "Deshalb werden wir das Angebot ,Impfen im Vorbeigehen' auf jeden Fall beibehalten."