In einem Interview nimmt Markus Stodden Stellung zur aktuellen wirtschaftlichen Lage seines Unternehmens. Wie hat sich die Corona-Krise auf die Kulmbacher Brauerei und ihre Umsätze bisher ausgewirkt, nachdem ja im Grunde alle Veranstaltungen heuer ausgefallen sind?

Markus Stodden: Die Kulmbacher Brauerei spürt die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich: Seit Februar ist das Exportgeschäft weitgehend zum Erliegen gekommen, die Gastronomie war von März bis Ende Mai geschlossen und hat immer noch mit massiven Umsatzeinbrüchen zu kämpfen - und Großveranstaltungen wird es in diesem Jahr auch keine geben.

Für das Geschäftsjahr 2020 rechnet die Kulmbacher Brauerei Aktien-Gesellschaft durch Kostendisziplin und Engagement der Mitarbeiter trotz eines deutlichen Umsatzrückgangs mit einem positiven Ergebnis. Ausschlaggebend dafür war strikte Kostendisziplin und Engagement der Mitarbeiter.

Die gesteckten Ziele sind jedoch stark von externen Faktoren, wie der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie oder den sich veränderten Marktgegebenheiten, abhängig.

(Wie) konnte der Getränkeverkauf im Handel zur Stabilisierung beitragen?

Vor dem Hintergrund der Einbußen, die die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat, haben wir uns sofort auf unsere Vertriebsschiene Handel, das beinhaltet Lebensmittelmärkte und Getränkeabholmärkte, fokussiert. Auch wenn wir mit dem gut laufenden Handelsgeschäft die Verluste der anderen Bereiche nicht komplett kompensieren können, so konnten wir zumindest sicherstellen, dass die Kulmbacher Brauerei AG sicher durch die Krise kommt.

Wie haben sich die Exportzahlen angesichts der Corona-Pandemie entwickelt?

Seit Februar ist das Exportgeschäft weitgehend zum Erliegen gekommen. Seit August gibt es erste Signale aus der Branche, die zeigen, dass sich der Export langsam erholt. Erneute Corona-Hotspots im Ausland bringen Unsicherheit für das Restliche Jahr. Nichtsdestotrotz rechnen wir für das Geschäftsjahr 2020 für unsere Hauptexportländer Italien und China mit Umsatzeinbußen.

Haben Sie staatliche Hilfen (in welchem Umfang) angenommen und empfinden Sie diese Unterstützung als ausreichend? Ist die Kulmbacher Brauerei von Kurzarbeit betroffen (gewesen)?

Im Sinne einer soliden Unternehmenspolitik habe wir frühzeitig umfangreiche interne Sparmaßnahmen eingeleitet. Darüber hinaus haben wir in einem gewissen Umfang Kurzarbeit eingeführt. Insbesondere im Bereich Vertrieb und Innendienst, da die Gastronomie über Wochen hinweg geschlossen war und im Lebensmittelhandel zeitweise Besuchsverbote galten.

Bei welchen Ausgaben konnten Sie sparen?

Als Reaktion auf die rückläufigen Absätze haben wir sofort ab März strikte Kostendisziplin eingeführt und im Zuge dessen in vielen Bereichen die Ausgaben in allen Bereichen gesenkt. Ebenso bewerteten wir geplante Investitionen neu. Diese Vorgehensweise hat sich in den letzten Monaten sehr gut bewährt und uns ermöglicht - den Umständen entsprechend - eine solide finanzielle Basis zu erhalten.

Was müsste (zusätzlich) passieren, um Brauereien und heimische Gastronomie (stärker) zu unterstützen?

Die meisten Gastronomie-Betriebe leiden auch nach dem Lockdown unter massiven Umsatzausfällen. Obwohl Restaurants, Gaststätten und Biergärten wieder unter Auflagen öffnen dürfen und an vielen Orten die Außenbereiche vergrößert wurden, hat sich die Branche bedingt erholt, denn oftmals bleiben die Gäste und damit der überlebensnotwendige Umsatz aus.

Die beste Unterstützung für die Gastronomen besteht also darin, Gastronomie öfters zu besuchen und dort auch zu konsumieren. Beim Besuch der heimischen Gastronomie vor Ort kann jeder den oft beschworenen Zusammenhalt ganz praktisch leben. Gastronomie lebt von seinen Gästen.

Eine weitere Hilfe könnten eine dauerhafte Reduzierung der Mehrwertsteuer sowie Hilfspakete in Form von staatlichen Darlehen und Zuschüssen in der Gastronomie als auch im Fest- und Eventbereich darstellen.

Wie schätzen Sie die Lage der Gastronomie in der Region ein?

Sobald im Spätsommer und Herbst für Gastronomen und Gäste die Möglichkeit entfällt, Außenbereiche zu nutzen, drohen die Gastronomieumsätze erneut einzubrechen. Zudem muss sich die Branche auf einen erneuten, stärkeren Anstieg der Infektionszahlen vorbereiten, worauf die Behörden lokal, regional oder bundesweit mit entsprechenden Maßnahmen reagieren würden.

Brauereien klagen immer wieder über eine problematische Leergutsituation. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Die sich stetig verschlechternde Sortier-Qualität des zurückgebrachten Leergutes stellt uns vor allem in der Hochsaison vor große Herausforderungen. Mit unserem ausgeklügelten Leergutmanagement, einer automatischen Leergutsortierung und vorausschauenden Investitionen in neues Leergut konnten wir auch bei Absatzspitzen im Sommer nur mit Mühe ausreichendes Leergut für unsere Abfülllinien bereitstellen.

Dessen ungeachtet bitten wir alle Verbraucher, das vorhandene Leergut nicht daheim zu sammeln, sondern zügig zurückzugeben, damit wir stets eine möglichst uneingeschränkte Lieferfähigkeit sicherstellen können.

Die Kulmbacher Brauerei AG

(Kennzahlen der Kulmbacher Gruppe für das erste Halbjahr 2020)

Gesamtabsatz (ohne Lohnproduktion und -abfüllung): 1,66 Millionen Hektoliter (Vorjahr: 1,63)

Konzernumsatz: 110,4 Millionen Euro (112,8)

Mitarbeiter (Beschäftigte im Jahresdurchschnitt inklusive Teilzeitkräfte): 927 (944)

Investitionen: 7,4 Millionen Euro (6,5 Millionen Euro)

Ergebnis der Periode: 3,1 Millionen Euro (3,3 Millionen Euro)

(Quelle: Homepage des Unternehmens)