Die Idee ist einfach und im Grunde naheliegend, das noch ferne Ziel zu erreichen, wird sehr schwer. Das weiß auch Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU), wenn er darauf verweist, dass jährlich 11 000 junge Menschen Deutschland verlassen, um im Ausland zu studieren. Warum also nicht eine europäische Universität sozusagen nach Kulmbach holen - und mit ihr Studenten?

Im vergangenen Jahr war man schon so weit: Nur noch die Unterschrift fehlte, dann hätte der Medizin-Campus bereits Wirklichkeit werden können. An unannehmbaren Bedingungen des damaligen Partners ist das Vorhaben gescheitert, nun will man einen Neuanfang machen. "Aber", so Schramm, "wir fangen dafür jetzt nicht bei Null an."


Einstimmiger Beschluss

Mit einstimmigen Beschlüssen von Stadtrat und Klinikums-Zweckverband sowie der Oberfranken-Stiftung, die die Anlauf-Untersuchung finanziert, im Rücken, will der OB nun zum Erfolg kommen: Mehrere Hundert junge Studenten in Kulmbach - welchen Impuls würde das für die Stadt auslösen?

Die Oberfranken-Stiftung finanziert die Untersuchung, die nun Klaus Nagels, Professor an der Universität Bayreuth und Leiter des dortigen Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, anstellt: Er geht in der Europäischen Union auf die Suche nach einer Universität, die Interesse am Standort Kulmbach hat und hierher passt - vor dem Hintergrund der schwieriger werdenden ärztlichen Versorgung in ländlichen Regionen.


Ein Jahr Zeit

Henry Schramm hat den Zeitrahmen auf ein Jahr festgelegt, in dem der Partner gefunden werden soll - das Projekt wird dann zwei weitere Jahre finanziert und soll die Grundlage für den "Medizin-Campus Oberfranken Kulmbach" schaffen. Wichtig dabei: Die Studenten sollen dort einen vollwertigen europäischen Abschluss im Bereich der Humanmedizin erwerben, der in Deutschland anerkannt ist.

Mit dem Klinikum Kulmbach steht ein leistungsfähiger Partner zur Verfügung, unterstreichen Schramm und auch der Vorsitzende des gemeinsamen Zweckverbands, Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler). Die praktische Ausbildung könnte dort stattfinden. "Wenn wir es probieren - und alle haben uns zugeraten - haben wir eine Chance, dass das was wird", betonte der Oberbürgermeister.


Internationaler Blickwinkel


Den internationalen Blickwinkel, der jetzt nötig ist, und die wichtigen Kontakte, die können Klaus Nagels und die Uni Bayreuth beisteuern, die "ein starker Motor für ganz Oberfranken ist", wie Henry Schramm festhält. Immerhin hätten andere Länder - USA, Australien, Kanada - ähnliche Probleme mit der ärztlichen Versorgung auf dem flachen Land, unterstreicht Nagels.

Insofern muss der mögliche Partner genau in diesen Bereich passen, die Ausbildung zum Facharzt ist hier weniger gefragt. Und: Gemeinsames Ziel soll es sein, die Studenten nach ihrem Abschluss möglichst in der Region zu halten.



Kommentar
Schon ein erster Erfolg


Wenn Kulmbacher Kommunalpolitiker träumen, dann sehen sie eine Stadt voller junger Menschen, die hier ein Studium und anschließend Karriere bei einer Firma machen, die gegebenenfalls eine Hochschule angelockt hat.

Realität ist zunächst, dass man dazu einen ersten Schritt gemacht hat - was aber schon ein Erfolg ist: Dass die Universität Bayreuth dabei an der Seite Kulmbachs steht, ist sicher der Nachdrücklichkeit Henry Schramms zu verdanken. Immer wieder hatte er gefordert, dass eine universitäre Einrichtung die Stadt stärken soll.

Uni-Präsident Stefan Leible, mit dem Schramm offenbar gut kann, hat jetzt zumindest Fachwissen vermittelt, das wirklich helfen kann. Und dass die Oberfranken-Stiftung das Vorhaben finanziert, ist auch keineswegs
selbstverständlich. Offenbar sieht aber nicht nur deren Stiftungsratsvorsitzender Wilhelm Wenning gute Chancen für das Kulmbacher Vorhaben. Schließlich ist Oberfranken bisher der einzige Regierungsbezirk, in dem es keinen Medizin-Campus gibt.

Dass sich viele Synergien ergeben können, liegt auf der Hand: für das Klinikum, die Wirtschaft, den Einzelhandel. Schramm hat recht: Wenn man's nicht probiert, wird man nicht wissen, ob es klappt.

"Wir wollen keine Konkurrenz, zu niemandem" - diesen Satz hat Landrat Klaus Peter Söllner sicher nicht zufällig gesagt. Denn klar ist, dass die Kulmbacher Bestrebungen nicht allen (Nachbarn) gefallen. Um so wichtiger ist, dass die Region Kulmbach für das Vorhaben gemeinsam einsteht.