Den Auswirkungen des Brexit auf die Betriebe in der Region sieht der Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer, Wolfram Brehm, relativ entspannt entgegen: "In Oberfranken gibt es rund 200 Unternehmen, die intensiven Kontakt mit Großbritannien haben. Daran wird sich wenig ändern. Die Wechselkursschwankungen sind beherrschbar", sagte er am Dienstag bei einem Pressegespräch. Der Wert des britischen Pfunds sei aber nach unten gerauscht, was für Unsicherheit sorge. "Und Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft."


Nicht unter Druck setzen lassen

Doch unter Druck setzen lassen sollte sich Europa deswegen von den Briten aber auf keinen Fall, ist für den Vorsitzenden des Industrie- und Handelsgremiums (IHG), Michael Möschel, klar: "Sie haben keine große Pfunde, mit denen sie wuchern können.
England ist ähnlich wie Frankreich und Italien auf Importe angewiesen."

Für Möschel ist wichtig, dass die EU nun ein klares Signal in Richtung Vereinigtes Königreich sendet: "Wir müssen deutlich machen, dass man mit so etwas nicht spielen kann. Das wäre ein Kardinalfehler."

Mit Blick auf die Betriebe in Stadt und Landkreis Kulmbach stellte Möschel fest, dass es in den vergangenen Jahren relativ ruhig geblieben sei - es habe nur wenige Insolvenzen und keinen größeren Stellenabbau gegeben. "Im Grunde hat sich die Kulmbacher Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren positiv entwickelt." Seit 2006 seien ein kontinuierlicher Anstieg der Beschäftigten und ein Rückgang der Arbeitslosenquote zu verzeichnen (von 9,9 Prozent in 2006 auf 3,9 Prozent in 2016). "Die Kulmbacher Unternehmer haben also viel richtig gemacht."

Nach wie vor eine große Herausforderung stelle der Fachkräftemangel dar. "Zum Glück haben wir es bei den Schulabgängern geschafft, viele in die Berufsausbildung zu bringen." Mit Blick auf die demografische Entwicklung konnte er aber noch keine Entwarnung geben: "In Kulmbach gehen mehr Arbeitskräfte in den Ruhestand, als aus Schule und Uni nachkommen." Deshalb müsse man versuchen, junge Leute aus den Metropolen in die Region zu locken.

Ein entscheidender Baustein ist nach den Worten von Wolfram Brehm dafür ein schnelles Internet. Aber nicht nur für Privatpersonen sei das ein wichtiges Kriterium ("Das hat auch etwas mit Lebensqualität zu tun"), sondern ebenso für Betriebe.

Natürlich wissen Brehm und Möschel, dass das Internet dem Einzelhandel Probleme bereitet - auch in Kulmbach. Deshalb sei die IHK dabei, mit der Uni Bayreuth Modelle zu entwickeln, wie der Handel im ländlich geprägten Oberfranken die Chancen des Internets nutzen könne.


Kritik an der Bahn

In ihrem Überblick über die wirtschaftliche Situation bemängelten die beiden auch die Anbindung von Kulmbach an die Bahnknotenpunkte, beispielsweise an den ICE. "Wir brauchen eine optimale Vertaktung", forderte Brehm.

Mit Blick auf den Zustand des Kulmbacher Bahnhofs ergänzte Möschel, dass dieser einer Stadt von der Größe Kulmbachs nicht würdig sei. "Daran sieht man, was die Verantwortlichen bei der Bahn tatsächlich denken. Das ist ein Trauerspiel." Für Möschel ist klar, dass die Sanierung und Umgestaltung des Kulmbacher Bahnhofs eine zentrale Aufgabe der Bahn ist und nicht des Oberbürgermeisters.