Noch schwärzer sah der Kreisobmann der Bauern - Winfried Löwinger - die Sachlage. "Die, die das Volksbegehren unterschrieben haben, sind zu zehn Prozent Spinner und Ideologen, weitere zehn Prozent wussten nicht, was sie unterschreiben." Löwinger betrieb offene Schelte für CSU und Freie Wähler, machte klar, dass er enttäuscht sei vom bayerischen Ministerpräsidenten, dass dieser das Volksbegehren angenommen habe.
Flächenfraß begrenzen
Er vermisse in dem Gesetz, ein Verbot für Privatleute, Pflanzenschutzmittel einsetzen zu dürfen. Er vermisse die Forderung, dass in den Gärten Blühflächen verwirklicht werden sollen und die Forderung, den Flächenfraß, beispielsweise durch Straßenbau, zu begrenzen. "Ich mache mir Sorgen, wie mit den Landwirten umgegangen wird. Den Menschen ging es noch nie so gut wie heute. Wir haben blühende Landschaften, genug zu essen. Trotzdem ist keiner zufrieden. Und wenn es den Menschen zu gut geht, dann gehen sie aufs Glatteis", machte Löwinger klar.
CSU-Landtagsabgeordneter Martin Schöffel, der sich klar gegen das Volksbegehren gewandt hat, aber Mitglied im Agrarausschuss ist, indes bat um Verständnis.
"Es geht jetzt um Aufklärung. Wir müssen miteinander reden und die Situation als Chance sehen. Natürlich ist die Landwirtschaft nicht allein verantwortlich für Arten- und Insektenschutz", betonte Schöffel. Er sei der festen Überzeugung, dass die oberfränkischen Bauern von den Neureglungen nicht betroffen sind.
Auch Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) wandte sich gegen die alleinige Verurteilung der Bauern. Allerdings sei der Klimawandel nicht mehr von der Hand zu weisen. "Aber ich bin der Überzeugung, dass die Ernährung noch ein Problem wird. Wir müssen die Äcker erhalten", so Schramm.
Der stellvertretende Landrat Jörg Kunstmann (CSU) betonte, dass die Polarisierung zwischen konventioneller Landwirtschaft und Bio das Problem sei. "Die Differenzierung hat sich verfestigt und ist zu einer moralischen Instanz geworden. Das führt zu einer Spaltung der Gesellschaft. Man darf nicht schwarz-weiß denken", warnte Kunstmann und brach eine Lanze für Arten- und Klimaschutzmaßnahmen. Doch nicht nur Bauern dürften in die Pflicht genommen werden, sondern jedermann.