Die Aussage der 28-Jährigen war im Prozess gegen den Kaufmann, der vor allem mit Leasingverträgen über Kopiersysteme über 500 000 Euro ergaunert haben soll, mit Spannung erwartet worden. Die Frau, die am gestrigen vierten Verhandlungstag im Zeugenstand saß, war über Jahre die einzige Büroangestellte des Mannes. Sie verschaffte der Großen Strafkammer am Landgericht einen Eindruck davon, wie der Geschäftsbetrieb abgelaufen ist, ehe die Firma des 51-Jährigen in Insolvenz gegangen ist.

Verärgerte Kunden

Es habe zuletzt unaufhörlich Telefonanrufe von Kunden gegeben, die nur einen Leasingvertrag gewollt, aber Gebühren für zwei bezahlt hätten, sagte die einstige Sekretärin. Sie sei der "Prellbock" gewesen, habe am Schluss den Hörer gar nicht mehr abgenommen, weil sie geahnt habe, dass es nur verärgerte Kunden sein können. Was diese mit ihrem Chef vertraglich vereinbart hatten, habe sie im Detail nicht gewusst. Sie habe Verträge, die die Kunden blanko unterschrieben hätten, nachträglich ausgefüllt. "Ich sollte das machen, weil meine Schrift schöner sei, hat mein Chef gesagt", stellte die 28-Jährige fest. Anfangs habe sie den Kunden einen Rückruf des Angeklagten versprochen. "Irgendwann konnte ich die Leute nicht mehr anlügen. Ich wusste ja, dass er sie nicht zurückruft, dass er sich einen Scheiß drum kümmert."

Konto "am Anschlag"

Die Lage habe sich im Frühjahr 2011 zugespitzt, als das Firmenkonto "am Anschlag" war. Auf Nachfrage der Kammer erklärte sie, dass ihr Chef Kunden oft ein zweites Kopiersystem vermittelt und versprochen habe, den ersten Leasingvertrag abzulösen. Als Letzteres nicht gelungen sei, habe er den Kunden die ihnen weiterhin in Rechnung gestellten Gebühren für den ersten Leasingvertrag mit Scheckzahlungen erstattet. "Dann konnte er die Schecks aber nicht mehr bedienen."

"In Autos investiert"

Die Angestellte bezeichnete den 51-Jährigen als einen Mann, der über seinen Verhältnisse gelebt habe. Er habe sein Geld in Autos investiert oder in Baumärkte getragen. "Die Außendarstellung war ihm wichtig", erklärte die 28-Jährige, die auch deutlich machte, wie groß die Gewinnspanne war. Habe ihr Chef etwa ein Gerät für den Einkaufspreis von 5000 Euro vermittelt, so habe er der Leasinggesellschaft 10 000 bis 15 000 Euro in Rechnung gestellt. Die neuen Geräte seien in manchen Fällen gar nicht ausgeliefert worden. Oft hätten die Kunden auch nur gebrauchte Kopierer bekommen.

Kauf fingiert?

Auch die Aussage der Frau, dass die vom Chef als Leasingnehmer bestellten Büromöbel im Wert von über 23 000 Euro nie geliefert worden seien, dementierte der Angeklagte. Die Möbel habe es gegeben, sagte er. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe den Kauf der wertvollen Einrichtung nur fingiert und damit mit einer Schreinerei ein so genanntes Gegengeschäft gemacht. Beide Firmenchefs sollen sich so eine lukrative Einnahmequelle verschafft haben.
Der 51-Jährige konnte sich zu keinem Geständnis durchringen, obwohl ihn bereits zuvor zwei weitere Zeugen belastet hatten. Nach dem Architekten-Ehepaar, dem Hotelier und der Leiterin einer Seniorenanlage, die an den ersten Prozesstagen erklärt hatten, Opfer eines dreisten Geschäftsmanns geworden zu sein, sagten nun der Geschäftsführer eines Möbelhauses und eine Geschäftsfrau aus. Die 52-Jährige, die einen Laden in Kulmbach betrieben hat, war eine langjährige Kundin des Angeklagten und hat ihm nach eigener Aussage blind vertraut.

9000 Euro mehr bezahlt

Der 51-Jährige habe ihr einen neuen, günstigeren Vertrag angeboten und erklärt, dass er den alten ablösen werde. Weil der erste Vertrag nicht abgelöst werden konnte, habe auch sie anfangs Ausgleichszahlungen erhalten, die dann ausgeblieben seien. "Er hat mir einen neuen Vertrag mit einer Laufzeit von 72 Monaten für ein Gerät aufgeschwatzt, das ich schon vier Jahre hatte", sagte die Zeugin, die nach eigenen Angaben so 9000 Euro mehr bezahlt hat.

Der nächste Prozesstag

Als Richter Alois Meixner und vorsitzender Richter Michael Eckstein den 51-Jährigen aufforderten, mit der Wahrheit herauszurücken, reagierte dieser nicht. Meixner und Eckstein erklärten, dass sie so etwas am Landgericht noch nicht erlebt hätten. Die Verhandlung wird am 27. Februar fortgesetzt.