Wo ist denn der Uli? Uli wer? Grötsch heißt er, Bundestagsabgeordneter aus Weiden ist er - und seit vier Jahren Generalsekretär der Bayern-SPD. Er soll reden beim ersten digitalen Aschermittwoch der Kulmbacher SPD. Klar, dass die Uli-Frage fast 50 Genossen bewegt, die sich am Mittwochabend vor den heimischen Computer gesetzt haben.

"Wir erwarten jeden Moment, dass sich der Generalsekretär einloggt", sagt Simon Moritz und beruhigt die Zuseher. Der Kulmbacher Stadt- und Kreisrat, der am Samstag als SPD-Bundestagskandidat auf den Schild gehoben wird, hat die Parteifreunde mittels Konferenztool Big-Blue-Button zusammengeholt und stellt hinterher hochzufrieden fest: "Es hat sehr gut geklappt. Ein paar Ruckler gibt es immer, aber nicht jeder hat halt eine optimale Internetverbindung."

Coronaversammlungen sind kontaktlos, aber auch schön. "Schön, euch alle mal wieder zu sehen", meint Moritz. Und: "Schön, dass ihr euch von der Technik nicht abschrecken lasst."

"Prost, Elke" - "Prost, Inge"

Nein, lassen sie sich nicht - und wissen auch, sich die Wartezeit zu vertreiben. Inge Aures schenkt sich ein Seidla ein und entdeckt Elke Werner auf dem Bildschirm. "Prost, Elke!" - "Prost, Inge", kommt es aus Schney zurück. Und die Kulmbacher Landtagsabgeordnete hat noch eine Idee, wie "der Uli" hervorgezaubert werden könnte: "Ihr müsst den Einzugsmarsch spielen."

Den Bayerische Defiliermarsch hat Moritz zufällig gerade nicht auf dem Handy gespeichert, um ihn per Bluetooth einzuspielen. Also beschließt man, die Rede des designierten Bundestagskandidaten vorzuziehen.

Politik der Gerechtigkeit

Moritz weist darauf hin, dass in Deutschland "ein Schub für die Digitalisierung" notwendig sei. Vor allem die Schulen bräuchten eine funktionierende digitale Infrastruktur. "Aber der Bundeswirtschaftsminister und der Wirtschaftsminister in Bayern kriegen es nicht hin", sagt er und widmet sich noch einem "klassischen SPD-Thema".

Während der Pandemie hätten private Vermögen einen absoluten Höchststand erreicht. "Aber leider auch ein Höchstmaß an Ungerechtigkeit bei der Verteilung des Vermögens." Viele Menschen in Kurzarbeit oder Soloselbstständige und kleine Unternehmer seien in wirtschaftliche Schieflage geraten und wüssten, wovon er redet, so Moritz. Es gehe hier nicht um eine Neiddebatte, aber um eine starke SPD, die eine Politik der Gerechtigkeit macht.

"Vielleicht ein CSU-Mikrofon"

Inzwischen ist auch der Generalsekretär eingetroffen. Man sieht ihn, aber man versteht nichts. "Vielleicht ein CSU-Mikrofon", mutmaßt der Lichtenfelser SPD-Kreisvorsitzende Sebastian Müller. Doch dann funktioniert's. Moritz meldet: "Uli, wir hören Dich." Und der SPD-General hält eine flammende Rede.

Er sei froh, so Grötsch, dass viele sozialdemokratische Bürgermeister und die SPD-Minister in der Bundesregierung das Land gut durch die Krise führen. Familienministerin Franziska Giffey mache "echte sozialdemokratische Politik" mit dem Kinderbonus, der für Familien in schwierigen Verhältnissen besonders wichtig ist.

Die Schutzmacht der Arbeitnehmer

Arbeitsminister Hubertus Heil habe mit dem Kurzarbeitergeld gezeigt, "dass die Sozialdemokraten die Schutzmacht der Arbeitnehmer sind". Und allen voran erweise sich Finanzminister Olaf Scholz als Steuermann in der Krise: "Unser Kanzlerkandidat mit ruhiger und entschlossener Hand, ohne Polemik und Populismus." Grötsch: "Ich möchte mir nicht vorstellen, wenn Christian Lindner und die FDP damals nicht die Jamaika-Verhandlungen hätten platzen lassen".

Dann kündigt er noch an, dass sich der Finanzminister auch um die kleinen Brauereigasthöfe, von denen es nirgends so viele wie in Oberfranken gibt und die als Mischgewerbe bisher unter keinen Rettungsschirm passen, kümmern wird. O-Ton Scholz: "Für die machen wir auch noch was, das können wir uns leisten", sagt der Uli und verabschiedet sich.

Problem E-Autos

Zeit für die Genossen, noch ein bisschen Kommunalpolitik zu machen. Weil sie das sehr gut können, wie der Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich meint: "Die SPD hatte wieder große Erfolge bei den Kommunalwahlen. Das zeigt, dass die Menschen uns vertrauen."

Sein Kulmbacher Kollege Ingo Lehmann spricht ein brandheißes Thema an: das Parkverbot für Elektro-Autos in der Tiefgarage unter dem Eku-Platz. Das Medieninteresse sei enorm. Aber hier, so der OB, gehe es um Verantwortung, die er nicht übernehmen könne, wenn die Feuerwehr auf die Gefahren und Probleme beim Brand von Elektrofahrzeugen hinweist. Aktuell führe die Stadt Gespräche mit dem Architekten der Tiefgarage und der Feuerwehr. "Wir versuchen eine Lösung zu finden", so Lehmann.