Manche Schüler lernen am besten, wenn sie einfach nur zuhören. Andere dagegen tun sich schwer, ruhig zu sitzen. Sie können nur richtig gut und schnell lernen, wenn sie aktiv sind, etwas ausprobieren und sich bewegen können. Fachleute nennen solche Kinder motorische Lerntypen.

Dann gibt es noch die kommunikativen Lerntypen - sie merken sich alles, wenn sie darüber reden können. Und die visuellen Lerntypen tun sich besonders leicht, wenn sie Mindmaps, Bilder, Skizzen zu dem Lernstoff anfertigen oder nutzen können. Nur Worte sagen ihnen meistens nichts.

Extra aus Nürnberg angereist

Beim Lerntag an der Oberen Schule konnten Schüler aller Altersklassen herausfinden, welcher Lerntyp sie sind - und sich praktische Typs holen. Nina Schorr besucht normalerweise die dritte Klasse in Schwaig bei Nürnberg.
Ihre Oma hat die Achtjährige auf den Lerntag an der Oberen Schule aufmerksam gemacht. "Ich mag eigentlich lernen, mir macht das Spaß. Aber ich will mal ausprobieren, welcher Lerntyp ich bin und habe mich auch für Brain Gymn angemeldet", ist Nina Schorr gespannt.

Der Andrang war riesig. Mehr als zwanzig Anmeldungen hatte die Gummi-Stiftung bereits im Vorfeld, verriet Elsbeth Oberhammer. Doch einige Eltern und Kinder kamen noch spontan hinzu.

Nicht nur die Grundschüler sprach der Lerntag an, auch Oliver Strobel war dabei. Oliver ist 19 Jahre alt, hat sein Abitur in der Tasche und lernt derzeit Verfahrensmechaniker. Er möchte ein duales Studium absolvieren. "Mich interessiert, welcher Lerntyp ich bin", sagte er. Sein Bruder Heiner, zwölf Jahre alt und in der siebten Klasse der Hans-Edelmann-Schule, machte natürlich auch mit.

Die Beweggründe für die Eltern und Schüler waren unterschiedlich. Manche wollten sich einfach Lerntipps holen, andere waren neugierig auf das Angebot. Marie Tröglen (11) besucht die sechste Klasse des Christian-Ernestinum-Gymnasiums in Bayreuth. Sie liebt Latein, ihre erste Fremdsprache. Zu einem anderen Fach fällt ihr nur ein Satz ein: "Mathe ist blöd."

Falsch machen kann man nichts

Nils Stocker (7) geht in die zweite Klasse in der Ludwigschorgaster Schule. "Nein, ich will keinen Test", sagt er klipp und klar. Doch weil die Mama mit dabei ist, findet er die Übungen gar nicht so schlimm. Denn falsch machen können die Schüler nichts.

"Ich lese euch jetzt lauter Begriffe vor - immer wieder und ihr versucht sie euch zu merken", erklärt Sabine Schreiber das Prozedere für den auditiven Test. In der nächsten Station sollten die Kinder sich selbst die Begriffe merken. In einer andere Station sollten sie über den Lernstoff reden und kleine Bilder dazu malen.

"Beim Vorlesen habe ich mir nur einen Begriff gemerkt", verrät der siebenjährige Nils. Viel besser klappt bei ihm das Lernen, wenn er selbst etwas tun kann. Er ist eindeutig der motorisch-bildliche Lerntyp - so das Ergebnis.

"Eigentlich geht es uns darum, dass wir den Kinder und Eltern vermitteln, dass Lernen Spaß machen soll. Wir wollen Tipps geben, wie Kinder leichter und mit mehr Spaß lernen. Denn es gibt nichts Schlimmeres, als wenn der Spaß fehlt", sagt Detlef Seidemann. "Wichtig ist auch, dass die Eltern beim Lernen entspannt sind. Dass sie ihren Kindern mehr Zeit lassen", sagt der Lerntherapeut. "Und man muss sich auch immer die Wichtigkeit von Schulnoten vor Augen führen. Was hat eine Mathenote in der dritten Klasse für eine Bedeutung in Relation zum ganzen Leben?", relativiert er. Es sei wichtig, die Lernleistung anzuerkennen - egal, welche Note herauskommt.
Bei den Schülern, die mit von der Partie waren, gab es so manche Überraschung.
Eine absolute Bereicherung waren die Workshops: Christine Tiroch zeigte Brain Gymn, Barbara Schirmer führte Eltern und Kids in die Grundzüge des Yoga ein, und Silvia Schnabel hatte das wohl geheimnisvollste Angebot: sensorische Integration. "Hier geht es um das Zusammenwirken der Sinne", brachte Schnabel ihr Spezialgebiet auf einen Nenner. Sie zeigte Tricks, wie man durch körperliche Aktivitäten das Lernen verbessern kann. Sie ließ die Kinder auf Bällen sitzen oder zeigte, dass man Matheaufgaben auch auf Rollbrettern lösen kann - mit erstaunlichen Ergebnissen.