Die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner startete beim Neujahrsempfang des CSU-Stadt- und Kreisverbandes eine Charmeoffensive. Die Landtagsabgeordneten Martin Schöffel und Ludwig Freiherr von Lerchenfeld fanden deutliche Worte und Hauptredner Max Straubinger, der stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales im Deutschen Bundestag sowie parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe hielt das Parteiprogramm hoch.

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen, heißt es immer wieder. Doch das hat die Kulmbacher offensichtlich nicht zum Neujahrsempfang gelockt. Der große Ansturm jedenfalls blieb beim traditionellen Neujahrsempfang der CSU in der Alten Feuerwache aus - obwohl die CSU doch Bratwürste für alle kredenzte und den Neujahrsempfang kurz und knackig gehalten hatte.
Kurzum: Die politischen Mandatsträger blieben mit wenigen Zaungästen unter sich.

Kulmbachs Oberbürgermeister musste sich wegen eines geplanten Krankenhausaufenthaltes entschuldigen und schickte als Vertretung Gerhard Schneider. Landrat Klaus Peter Söllner war auch nicht vertreten, schickte seinen Stellvertreter Jörg Kunstmann, der den Termin natürlich gerne wahrnahm, zumal er der CSU angehört.

Deutliche Worte hatte Martin Schöffel, der gemeinsam mit seinem Landtagskollegen direkt von der CSU-Arbeitstagung in Wildbad Kreuth kam. "Wir kommen aus Kreuth und haben die Staatsregierung eingenordet", zeigte sich Schöffel selbstbewusst und entschlossen, mit Vehemenz für Oberfranken einzutreten.

Sicherheit und Asylpolitik

Beherrschende Themen seien die Sicherheitslage in Bayern, die Zuwanderungs-und Asylpolitik gewesen. "Wir müssen auch dafür sorgen, dass das Asylrecht nicht ausgenutzt wird und müssen solche Menschen, die kein Recht auf ein Aufenthaltsrechts haben schneller abschieben, damit die Menschen, die wirklich Zuflucht brauchen nicht blockiert werden", so Schöffel.

Doch den Ausspruch der Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass der Islam zu Deutschland gehöre, wollte der CSU-Landtagsabgordnete nicht unterschreiben. "Ich denke, das kann man so nicht sagen", sagte Schöffel - und erntete dafür spontanen Applaus. "Wir sind ein christliches Land und wollen das auch bleiben. Denn unser Christentum ist die Basis dafür, dass wir die Menschen aufnehmen. Aber natürlich gehören die Muslime, die hier leben, zu Deutschland dazu, wenn sie akzeptieren, dass Deutschland ein christliches Land ist", stellte Schöffel klar.

Und Ludwig Freiherr von Lerchenfeld schlug in dieselbe Kerbe. "Es wird hier keinen Muezzin geben, wir wollen, dass Bayern christlich-abendländisch bleibt", konstatierte Lerchenfeld. "Wir wollen uns von den Schmarotzern, die nur den Wohlstand suchen, nicht ausnutzen lasen"; zeigte sich auch Lerchenfeld traditionalistisch im Denken und betonte, dass immer wieder die Intoleranz der Religionen zu Spannungen geführt habe und führen wird. Allerdings ist Lerchenfeld auch überzeugt, dass siebzig Prozent der Menschen , die bei Pegida mitlaufen, nicht genau wissen, wofür sie demonstrieren.

Streng blickende "Krumpelmaus"

Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner startete beim Neujahrsempfang einen Charme-Offensive und bezeichnete den parlamentarischen Geschäftsführer als streng blickende "Krumpelmaus". Mit viel Charme brachte sie ihm die Umgehung Untersteinach nahe. "Wir bekommen ein Zehn-Milliarden-Investitionsprogramm, wenn dann 34 Millionen für Oberfranken übrig bleiben, ist das genau richtig", frotzelte Zeulner. Sie schnitt die Stromtrasse an, die Oberfranken nicht haben möchte. Und auch die Asylpolitik war für sie eine Herausforderung der Zukunft: "Jeder ist bei uns willkommen, solange er sich an die Grundrechte hält", sagte sie.

Max Straubinger indes gab sich beim Neujahrsempfang sachlich. Er zog Bilanz zu 2014 und war zufrieden mit dem abgelaufenen Jahr. Bayern sei ein Vorbild in ganz Deutschland. In Zukunft müsse der ländliche Raum und die Peripherie unterstützt werden. Der Weg des Freistaates, Schulden abzubauen und einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, sei nachahmenswert. Jetzt komme es darauf an, Datenautobahnen auszubauen, .

Straubinger ging auf die Sicherheitspolitik und die Asylpolitik ein. Eigentlich müsse man auf Prävention setzen und Flüchtlingsströme verhindern. Denn die Zahlen sprechen für sich. Im Libanon gibt es schon 1,2 Millionen Flüchtlinge, in der Türkei rund eine Million. Insgesamt sind weltweit rund 50 Millionen Menschen auf der Flucht.
"2015 wird die Herausforderung sein, den Sozialstaat zu gestalten", betonte Straubinger und beleuchtete Versorgungssicherheit in der Medizin, Mindestlohn, aber auch die Digitalisierung. Straubinger brach eine Lanze für das Freihandelsabkommen. Es könne auch dem Mittelstand nützen, erklärte er in seiner Jahreserklärung.

"Unsere Abgeordneten haben das C in der Partei beleuchtet, Max Straubinger ging auf das S im Parteinamen ein", zog der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion Wolfram Brehm ein Fazit des Neujahresempfanges und hatte für den parlamentarischen Geschäftsführer ein Präsent aus der "heimlichen Hauptstadt des Bieres".