Die Tiefgarage unter dem Eku-Platz ist endlich wieder geöffnet - aber nicht für alle: Elektro- und Hy­bridautos müssen draußen bleiben. Die in den umweltfreundlichen Fahrzeugen verbauten Lithium-Ionen-Akkus kann die Feuerwehr im Fall eines Brandes nicht löschen. Sie könnte die Akkus nur mit Wasser kühlen und müsste das Auto tagelang ausbrennen lassen.

Es hagelt Kritik

Das Problem als solches ist nachvollziehbar. Doch das ändert nichts daran, dass es heftige Kritik seitens der Bürger hagelt. Auch von Experten. Michael Möschel, Geschäftsführer der Verkehrsakademie Kulmbach, kann die Entscheidung nicht nachvollziehen und kommentiert mit einem gewissen Sarkasmus: "Andernorts bauen Kommunen Ladesäulen in Tiefgaragen und Parkhäuser. In Kulmbach sperrt man E-Autos aus. Genau mein Humor!" Möschels Ansicht nach gibt es andere Möglichkeiten, das Problem zu lösen. Dazu später.

Auslöser der Debatte war ein Fahrzeugbrand am 7. September in der Tiefgarage. Kein E-Auto, sondern ein alter Golf brannte. Es entstand beträchtlicher Schaden. Die Sanierung zog sich hin: Zunächst mussten Statiker und Sachverständige ihre Expertise abgeben, dann Versicherungsfragen geklärt werden. Erst Mitte November konnten die Arbeiten beginnen, die vor einigen Tagen abgeschlossen wurden.

Jetzt sind die Parkplätze wieder nutzbar, aber eben nicht für Autos mit verbauten Akkus. Dabei waren die doch nicht das Problem. Warum also diese Entscheidung? "Die Feuerwehr hat uns geraten, E-Autos und Hybridautos nicht mehr in der Tiefgarage parken zu lassen", erläutert Jonas Gleich, Pressesprecher der Stadt. Zu den Löschproblemen komme noch, dass aufgrund der niedrigen Deckenhöhe das Auto auch nicht aus der Tiefgarage abtransportiert werden könne, um es im Freien ausbrennen zu lassen.

"Wir befinden uns gerade in Gesprächen mit der Versicherung, um prüfen zu lassen, ob grundsätzlich noch Versicherungsschutz besteht, sollten wir trotz des Wissens über die potenziell höhere Gefahr weiterhin E-Autos und Hybride in der Tiefgarage parken lassen." Aber auch sonst obliege die Entscheidung, die Tiefgarage für E-Autos und Hybride zu sperren, der Stadt Kulmbach als Eigentümerin.

Stadtbrandinspektor Heinrich Popperl bekräftigt die Notwendigkeit dieser Entscheidung: "Es bestehen aus Sicht der Feuerwehr massive Probleme beim Ablöschen eines Elektro- oder Hybridfahrzeugs wenn die Antriebsbatterie brennen sollte. Diese Lithium-Akkus brennen teilweise tagelang und können nur mit massiven Wassereinsatz gekühlt werden. Dieses Problem gestaltet sich natürlich noch extremer, wenn solch ein Fahrzeug in einer Tiefgarage zu brennen anfängt. Solange es keine wirksamen Löschmaßnahmen gegen diese Akku-Brände gibt, kann ich nur empfehlen, solche Fahrzeuge in Tiefgaragen nicht einfahren zu lassen."

Ist das Risiko, das von E-Autos und Hybriden ausgeht, tatsächlich größer als bei Verbrennungsmotoren? "Verbrennungsmotoren können genauso Feuer fangen wie die Akkus von E-Autos oder Hybridfahrzeugen", so Jonas Gleich. "Es ist nicht das Risiko, das größer ist, es sind die Folgen, die deutlich größere Ausmaße annehmen können." Für andere alternative Antriebsarten wie Erd- und Flüssiggas sowie Wasserstoff gilt das Verbot nicht.

"Aufgrund der Meldung, dass die Stadt Kulmbach dieses Verbot ausgesprochen hat, haben sich bereits andere Städte mit uns in Verbindung gesetzt", heißt es weiter aus der Pressestelle. "Wie es scheint, ist das Parkverbot für E-Autos und Hybridautos in Tiefgaragen ein größeres Thema, das nun nach und nach mehr Beachtung findet."

Übers Ziel hinausgeschossen

Mit der Sperrung schießt die Stadt übers Ziel hinaus, meint Michael Möschel. Es gebe auch andere technische Möglichkeiten, für die freilich die entsprechende Ausstattung zur Verfügung gestellt werden müsse. "Die im Moment geeignetste Methode, die Berufsfeuerwehren nutzen, sind mit Abrollmulden ausgestattete Fahrzeuge, die abgedichtet sind. Ein Tanklöschfahrzeug füllt die Mulde bei Bedarf mit Wasser, ein Abschleppwagen versenkt das Auto darin."

Eine andere Möglichkeit sind spezielle Löschdecken, mit denen man das Feuer ersticken kann. "Die sind noch nicht so verbreitet, aber im Kommen", so Möschel. Die niedrige Deckenhöhe der Tiefgarage sei kein echtes Hindernis dafür, ein brennendes Fahrzeug nach draußen zu befördern. "Ins Rotmaincenter kann auch kein Abschleppauto reinfahren." Man könne einen Teleskoplader einsetzen. Unter Atemschutz kann die Feuerwehr damit das brennende Fahrzeug packen und aus der Tiefgarage ziehen. Eine solche Anschaffung wäre für die Stadt sinnvoll und auch für andere Aufgaben nutzbar.

OB will Alternativen oder Umbau prüfen

Verständnis für den Ärger der Bürger, die sich gegen ein Auto mit Verbrennungsmotor entschieden haben, zeigt Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD): "Letztlich steht die Sicherheit aber für uns an erster Stelle. Dass die Statik der Tiefgarage in Gefahr gerät, da der Brand eines Elektrofahrzeuges nicht zügig gelöscht werden kann, ist ein zu hohes Risiko, das wir nicht eingehen möchten. Bei den Planungen für die neue Tiefgarage waren entsprechende Vorkehrungen, die im Falle eines Brandes eines solchen Fahrzeuges Möglichkeiten zur Kühlung oder zum Abtransport bieten, nicht vorgesehen."

Er wolle sich aber mit der Tiefbauabteilung der Stadt sowie der Feuerwehr beraten, um zeitnah mögliche Alternativen oder nachträgliche Umbaumaßnahmen ins Auge zu fassen. Solange bitte er die Bürger um Verständnis.

E-Mobilität: Zulassungszahlen im Landkreis steigen

E-Autos und Hybride sind im Landkreis Kulmbach auf dem Vormarsch. Das machen die Zulassungszahlen deutlich: Zum 1. Januar 2020 waren im Landkreis Kulmbach von 51 367 zugelassenen Pkw 112 reine Elektroautos, 497 Hybride. Etwas mehr als ein Jahr später, Stichtag 15. Februar, sind im Landkreis 49 563 Pkw zugelassen, davon 277 reine E-Autos (deren Zahl sich damit mehr als verdoppelt hat) und 950 Hybride.

"Dieser starke Anstieg geht auf die Förderung des Bundes zurück", erläutert Ingrid Flieger, Klimamanagerin des Landkreises, selbst seit Jahren überzeugte Nutzerin eines E-Autos und Verfechterin klimafreundlicher Mobilität. Am 3. Juni 2020 habe der Koalitionsausschuss eine Erhöhung der Kaufprämie für Elektrofahrzeuge (Umweltbonus) beschlossen. Durch den Umweltbonus wird der Austausch der Kfz-Flotte durch klima- und umweltfreundlichere Elektrofahrzeuge gefördert. Der Bundesanteil am Umweltbonus wurde als neue Innovationsprämie verdoppelt. Bis zu 9000 Euro Bonus können Käufer eines E-Autos dadurch bekommen (6000 vom Bund, 3000 vom Hersteller).

Als E-Auto-Fahrerin ist Ingrid Flieger nicht erfreut, dass sie die Tiefgarage nun vorerst nicht nutzen kann. "Wir haben eine tolle Tiefgarage mit breiten Parkplätzen, kostenloser erster Stunde. Ich hoffe, dass da ein Ausgleich für E-Autos und Hybride geschaffen wird." Dennoch akzeptiert die 57-Jährige die Entscheidung. "Wenn die Feuerwehr sagt, das ist ein Problem, dann halte ich mich an die Regelung."