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Kulmbach
Gericht

Alkohol, Sex und Prügel in Franken: Was geschah in der Spielothek?

Eine Zeugin glänzt durch Abwesenheit und die Aufklärung der Schlägerei vor einer Kulmbacher Spielothek gestaltet sich schwierig.
 
Ein Streit unter Betrunkenen in einer Spielothek in Kulmbach endete mit Gewalt: Ein 29-Jähriger steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Symbolfoto: Christopher Schulz
Ein Streit unter Betrunkenen in einer Spielothek in Kulmbach endete mit Gewalt: Ein 29-Jähriger steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Symbolfoto: Christopher Schulz

Alkohol, Sex und Prügel - im Kulmbacher Nachtleben sind die Sitten mitunter rau. Was aber vor eineinhalb Jahren im Kressenstein abging, überschritt die Grenzen des Erlaubten. Ein Streit in der Spielothek "Fly" eskalierte, und am Schluss lag ein 22-jähriger Mann bewusstlos auf der Straße (die BR berichtete). Er wurde mit gebrochenem Jochbein ins Krankenhaus gebracht. Warum die Auseinandersetzung ausartete, soll das Amtsgericht Kulmbach aufklären. Eine zähe Angelegenheit.

Seit damals ist viel Zeit vergangen, und um Mitternacht war kaum einer mehr nüchtern. Die Hauptbeteiligten machen widersprüchliche Angaben. Die Zeugen wissen nicht mehr viel oder erscheinen erst gar nicht. Deshalb gab es jetzt einen zweiten Gerichtstermin.

Streit in Kulmbacher Spielothek eskaliert: Lange Haftstrafe droht

Wegen einer offenen Bewährung droht dem Angeklagten eine mehrjährige Haftstrafe. Ihm wird vorgeworfen, den anderen Mann geschlagen und diesem, als er bereits wehrlos am Boden lag, noch einen Fußtritt ins Gesicht verpasst zu haben. Das ist gefährliche Körperverletzung und wird streng bestraft.

Der 29-Jährige, der eine Drogenvergangenheit und eine Latte von Vorstrafen hat, zeigte sich vor dem Schöffengericht geläutert. Er sei nach dem Vorfall aus Kulmbach weggezogen, habe alle Kontakte abgebrochen und eine neue Arbeitsstelle gefunden: Dorthin fahre er täglich 25 Kilometer mit dem Mofa und wieder zurück.

Den Tritt räumte er ein - einmal gegen den Kopf, wie ein Kickboxer. "Mehr war nicht", so der Angeklagte. Der Geschädigte habe sich die Gesichtsverletzung vermutlich beim Sturz zugezogen, meinte Verteidiger Alexander Schmidtgall. Aber sein Mandant sei vorher von dem 22-Jährigen provoziert worden.

Täter wurde provoziert

Nach Angaben des Angeklagten sei der Jüngere auf dem Klo zudringlich zu einer Frau geworden: "Sie saß weinend am Boden." Er habe ihn deswegen zur Rede gestellt und sei von dem anderen Mann bedroht worden: "Er sagte, er hat ein Messer und sticht mich ab."

Der Geschädigte, der damals mit 1,8 Promille auch nicht nüchtern war, hatte eine ganz andere Version anzubieten. Er habe den Angeklagten mit besagter Frau auf dem Klo angetroffen. "Beide hatten Sex auf der Toilette", sagte er. Wenig später habe ihn der Ältere gepackt, geschlagen und gesagt: "Du bist Scheiße." Auf der Straße, so der Zeuge, habe er das Bewusstsein verloren.

Wer hatte jetzt Sex mit wem auf dem Klo? Keiner, sagte die Frau, die es wissen muss. Sie gab an, dass der jüngere Mann zudringlich geworden sei: "Er wollte Sex mit mir und hat 2000 Euro geboten. Er war angetrunken, wir waren alle angetrunken." An Einzelheiten könne sie sich nicht mehr erinnern. Von der Prügelei auf der Straße will sie nichts mitbekommen haben.

Fortsetzung folgt

Auf Nachfrage von Richterin Nicole Allstadt erklärte die Frau, dass ihr an dem 22-Jährigen weiter nichts aufgefallen sei. Was auch den Verteidiger wunderte. Sehr komisch, denn der Mann stottert unüberhörbar.

Mehr Aufschluss über das Tatgeschehen erhoffte man sich von der Kellnerin des Lokals. "Wahrscheinlich die einzige, die nüchtern war", so Rechtsanwalt Schmidtgall. Aber die Zeugin kam nicht. Daher schickt das Gericht zum nächsten Termin im Oktober ein Taxi von der Polizei, um die Frau vorführen zu lassen. Dann wird auch ein zweiter Mitarbeiter der Spielothek geladen.