Osayuki Iyonmana ist Nigerianerin, Ankita Yadav stammt aus Indien. Die beiden jungen Frauen kommen von unterschiedlichen Kontinenten, haben völlig unterschiedliche Lebensgeschichten, aber ein gemeinsames Ziel: Sie wollen an der neu gegründeten Fakultät VII für Lebenswissenschaften der Uni Bayreuth ihren Master-of-Science-Abschluss machen.

Osayuki, die 27 ist, und Mittzwanzigerin Ankita gehören zu den vielen Studenten aus aller Welt, die Kulmbach als Studienort auserkoren haben, die gemeinsam studieren, aber auch Freizeit miteinander verbringen. Osayuki und Ankita haben sich in Kulmbachs erstem Studentenwohnheim in Metzdorf eingemietet. Wer die Namensschilder an der Haustür liest, erkennt schnell, dass dort viele Nationen unter einem Dach wohnen. Überwiegend Studenten aus Indien, Nigeria und Nepal. "Hier sind über zehn Nationalitäten zu Hause", sagt Ankita, die wie Osayuki eifrig Deutsch lernt, sich mit uns aber in der Studiensprache Englisch unterhält.

Wie eine junge Inderin nach Kulmbach kommt? "Ich habe von dem neuen Studiengang, der sich mit dem zukunftsträchtigen Feld der Ernährungswissenschaften befasst, im Internet gelesen", sagt Ankita, die nach einem abgeschlossenen Chemiestudium einen interdisziplinären Studiengang gesucht hatte. Dass sie in der kleinen Bierstadt gelandet ist, in der sich das Freizeitangebot in Grenzen hält, bedauert sie nicht. "Hier kann ich mich auf das Studieren konzentrieren", sagt die junge Frau, die Franken inzwischen schätzen gelernt hat. Mit Kommilitonen hat sie Ausflüge unternommen, so auch nach Nürnberg. "Dort schmecken die Bratwürste besser, dafür hat Kulmbach das bessere Bier", betont Ankita, die sich freut, dass es nach dem pandemiebedingten Online-Studium jetzt endlich Präsenzveranstaltungen gibt. Die Vorlesungen werden nicht an einem großen Campus abgehalten, sie finden in provisorischen Räumen statt, die die Uni auch im Kino und in der VHS gefunden hat. "Mir macht das nichts aus. Im Gegenteil, das hat seinen Reiz."

Verfolgt und beleidigt

Wie Anika spricht auch Osayuki von freundlichen Kulmbachern, die sie kennengelernt habe und die sehr hilfsbereit seien. Doch die junge Afrikanerin hat auch eine negative Erfahrung gemacht. Als sie sich mit einer Freundin auf dem nächtlichen Nachhauseweg befunden habe, sei sie von zwei offenbar betrunkenen jungen Männern verfolgt, angepöbelt und rassistisch beleidigt worden. "Da hatte ich Angst", sagt die 27-Jährige, deren Stimme zittert, als sie von dem schockierenden Erlebnis berichtet. "Ich habe mich gefürchtet. Erst als ich mein Handy in die Hand genommen habe, um die Polizei anzurufen, haben die beiden das Weite gesucht." In ihrem Blog, in dem sie regelmäßig über ihre Erfahrungen berichtet, habe sie das Erlebnis nicht geschildert. "Ich habe mit meiner Familie und Freunden darüber gesprochen, aber auch mit meinen Ansprechpartnern am Campus, die sofort notwendige Schritte eingeleitet haben."

Die Uni nimmt den Vorfall ernst: "Wir sind bestürzt, dass Studentinnen dies erleben mussten, verurteilen Rassismus und Belästigung in jeder Form. Wir sind in Kontakt mit der jungen Frau und unterstützen sie", sagt Pressesprecherin Anja-Maria Meister, die anführt: "Wir lassen das nicht auf sich beruhen, sondern haben bereits Kontakt mit Stadt und Landkreis. Auch die kommunalen Verantwortlichen haben zugesichert, aktiv zu werden." Es sei der erste Fall dieser Art, der an die Uni herangetragen worden sei. "So etwas darf sich nicht wiederholen. Eine Uni lebt von einem weltoffenen Klima, das wir fördern wollen und müssen. Dabei wissen wir, dass wir und unsere Studierenden grundsätzlich freudig und herzlich in Kulmbach empfangen werden."

Osayuki kann den Abend nicht vergessen, doch macht auch die 27-Jährige deutlich, dass sie überwiegend herzliche Kulmbacher kennengelernt hat. Dafür, dass sie sich wohlfühlt, sorge vor allem Studienpatin Jenny. "Sie geht mit mir zum Shoppen, hat mich schon zu sich nach Hause eingeladen. Sie ist wie eine Freundin", sagt Osayuki.

Was das Besondere am Kulmbacher Angebot ist? Das Zusammenspiel der Bereiche Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit sei beispielhaft, sagen die Studentinnen. Kulmbach sei für die Fakultät prädestiniert, weil hier viele Lebensmittelbetriebe beheimatet sind. Osayuki: "Wir können so praktische Erfahrung sammeln." Allerdings sei es bis dato schwierig gewesen, einen Praktikumsplatz bei den großen Unternehmen zu finden. Was laut Uni-Sprecherin Anja-Maria Meister vor allem daran lag, dass die Möglichkeiten für Praktika bei Firmen unter Covid-19-Bedingungen stark eingeschränkt waren. "Dies ist ein bundesweites Phänomen und gilt natürlich auch für die Unternehmen in Kulmbach. Wir hoffen, dass sich das jetzt langsam ändert."

Aus 25 Nationen

Bis zum Sommersemester waren in Kulmbach Studierende aus 25 Nationen. Warum die Fakultät weltweit auf so großes Interesse stößt? "Aus unserer Sicht gibt es vor allem zwei Gründe: die bisher ausschließlich englischsprachigen Masterstudiengänge und das Studienprogramm, das international von großem Interesse ist und in dieser Form andernorts kaum angeboten wird", sagt Meister. Im Wintersemester startet nun der deutschsprachige Bachelor-Studiengang "Lebensmittel- und Gesundheitswissenschaften", zu dem 40 Erstsemester erwartet werden, die größtenteils aus Deutschland kommen.

Dass die Uni wächst, freut die beiden Studentinnen aus Indien und Nigeria. Ankita will nach ihrem Master-of-Science-Abschluss in Deutschland bleiben, Osayuki in ihr Heimatland zurückkehren. Osayuki lernt dafür eifrig, arbeitet wie viele Kommilitonen aber nebenbei, um sich das Studium zu finanzieren. Die 27-Jährige ist als Reinigungskraft wöchentlich 15 bis 20 Stunden bei einer Firma tätig - ein Nebenjob, der ihr helfen soll, ihren Traum in Kulmbach zu verwirklichen.

Zu dem Bericht ein Kommentar von Alexander Hartmann:

Kulmbach kann international 70 Studierende aus 25 Nationen - der englischsprachige Masterstudiengang in Kulmbach war im Sommersemester international besetzt wie kein anderer an der Uni Bayreuth. Die neue Fakultät für Lebenswissenschaften, die die Bereiche Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit vereint, ist zukunftsträchtig, lockt junge Leute aus aller Welt.

Kulmbach blüht auf: Die Studenten aus Nigeria, Nepal oder auch Indien haben viele gute Erfahrungen gemacht, sprechen von hilfsbereiten Menschen, die ihnen das Einleben in ihrer neuen Heimat leicht gemacht haben. Eine neue Heimat, die beschaulich, aber doch etwas Besonderes ist. Studenten wie die Inderin Ankita (Seite 3) suchen nicht das wilde, aufregende Leben einer Großstadt, sondern wissen das kleinstädtische Kulmbach zu schätzen, in dem sie sich auf eines konzentrieren können: auf ihr Studium.

Für nicht wenige ist Kulmbach der ideale Studienort, für die Stadt ist die neue Fakultät ohne Frage ein riesiger Gewinn. Und die allermeisten Einheimischen wissen das auch zu schätzen und bereiten den Studenten einen herzlichen Empfang. Leider gibt es aber auch bei uns fremdenfeindliche Leute wie die beiden jungen Männer, die die Nigerianerin Osayuki mit rassistischen Beleidigungen in Angst und Schrecken versetzt haben. Wir zeigen ihnen die Rote Karte und sind froh, dass solche Vorfälle die Ausnahme sind. Kulmbach ist bunt - und das sollten wir alle unter Beweis stellen: Damit wissbegierige junge Leute von einem Studium in unserer Stadt nicht abgeschreckt werden.