Auf dem Marienplatz herrscht reges Treiben. Zwei Frauen holen sich in ihrer Mittagspause jeweils zwei Kugeln Eis. Sie setzen sich auf eine Bank direkt in die Sonne. Nebenan unterhalten sich drei Rentner über den neuesten Klatsch und Tratsch. Immer wieder laufen Menschen mit prall gefüllten Einkaufstaschen quer über den Platz.

Für Geschäfte ist der Marienplatz wohl die 1a-Lage von Kronach - sollte man zumindest meinen. Doch einige Geschäfte stehen dort leer. Dazu gehören beispielsweise die Marienapotheke oder auch das ehemalige Schmuckgeschäft gegenüber. Letzteres steht leer, da das Geschäft in größere Räume umgezogen ist. "Das war für uns natürlich sehr schade. Aber der ehemalige Mieter kümmert sich dort selbst um einen Nachmieter", erzählt Georg Köstner vom Bauamt der Stadt Kronach.


Stadt fungiert als Moderator

Auch das TUI-Reisebüro verlässt den Marienplatz und zieht in die Johann-Nikolaus-Zitter-Straße hinter die Weka. Der Vermieter des Reisebüros kümmere sich jedoch um einen neuen Mieter. Oft vermittelt die Stadt Kronach dabei. "Wir fungieren sozusagen als Art Moderator", meint Köstner. Sie leiten Anfragen weiter oder helfen manchmal sogar aktiv bei der Suche. "Wir arbeiten mit dem Einzelhandelsverband zusammen. Die kennen die Filial-Listen und können eventuell sagen, welche Unternehmen sich für den Marienplatz als Standort interessieren könnten", meint Köstner.

Zudem gehe die Stadt Kronach bei diesem Thema gerne direkt auf die Eigentümer zu. "Manchmal wäre es auch gut, wenn die Eigentümer den potenziellen Mietern etwas entgegen kommen würden. Beispielsweise durch eine Mietminderung", meint Köstner. Alles sei besser als Leerstand.

Mit der Schließung des Modegeschäfts "La Via" verliert der Marienplatz ein weiteres Geschäft. Seit 25 Jahren führt Hildegard Büttner die Modeboutique. Nun soll Schluss sein. "Ich werde jetzt 70 Jahre alt. Ich glaube das reicht", meint Büttner. Dass sie ihren Laden nun aufgibt, fällt ihr schwer. Auch gesundheitliche Gründe würden die Arbeit im Laden immer schwieriger machen. "Wer arbeitet denn heute noch mit 70 Jahren?", fragt die Geschäftsführerin. Das seien nur Selbstständige. Der Rest gehe schon viel früher in Rente.

Zudem laufe auch das Geschäft nicht mehr so wie früher. Alles verändere sich. "Das ist dem Online-Handel geschuldet", meint Georg Köstner. Gerade die jüngere Generation würde sich alles nach Hause liefern lassen. Auch an Öffnungszeiten sei man online nicht gebunden. "Wir fänden es wünschenswert, wenn es stadtübergreifende Öffnungszeiten gäbe. Doch das ist schwierig umzusetzen", erklärt Köstner.


Anreize in der Innenstadt schaffen

Was bereits gut funktioniere, um Kunden in die Innenstadt zu locken, seien die Veranstaltungen der Aktionsgemeinschaft wie beispielsweise verkaufsoffene Sonntage. "Mehr Highlights in der Gastronomie würden das nochmal fördern", so Köstner. Denn vom Angebot her sei Kronach gut aufgestellt. Das sehe auch der bayerische Einzelhandelsverband so. Geschäfte wie C&A, H&M oder ein gehobener Herrenausstatter wären dennoch ein ideales Zusatzangebot. "Doch das können wir nicht herbeizaubern. Wir können nur vermitteln", so Köstner.

Auch eine andere Geschäftsschließung ist zur Zeit in aller Munde: der Tchibo-Laden in der Bahnhofstraße. Wir haben direkt im Laden nachgehakt: "Frühestens im Juli 2017. Heute und morgen passiert nichts", erklärt die Verkäuferin. Erst im Juli laufe der Mietvertrag für den Laden aus. Dann müsse man sehen, wie es weiter geht. Der Pressesprecher von Tchibo versichert auf Nachfrage der Redaktion, dass es für die Filiale in der Kronacher Bahnhofstraße derzeit keine Schließungsplanungen gibt.


Anderes Bild in der Rosenau

Auf dem Rückweg von der Bahnhofstraße zur Redaktion zeigt sich in der Rosenau ein anderes Bild. Vor einem bis jetzt leer stehendem Geschäft parkt ein Handwerker-Auto. Die Schaufenster sind mit weißen Planen zugehängt. Davor hängt ein Schild, das die baldige Eröffnung eines Näh-und Strickcafés ankündigt. Es soll eine Kombination aus Geschäft und Gastronomie werden. "Das finde ich richtig gut. Vorbeigehende Kunden werden davon gelockt und gleichzeitig auf einen Kaffee da behalten", meint Köstner.

Auch auf der gegenüberliegenden Seite tut sich etwas. Dort ist man schon etwas weiter. Eine freundliche Dame in Lebensgröße grüßt als Aufdruck vom Schaufenster. "Das Reisebüro hat bei der Stadt angefragt und wir konnten etwas vermitteln. Das freut uns natürlich, wenn ein Geschäft wieder belebt wird", erzählt Georg Köstner.