"Rio de Janeiro" prangt es in großen grünen Buchstaben an der Wand, darunter ist der Schriftzug "Christo Redentor" und die weltberühmte Christusstatue auf dem Berg Corcovado zu sehen. Die Abbildung des beeindruckenden Monuments hat Dominik Fiedler selbst, nachdem er es zunächst an die Wand seines Schlafzimmers projiziert hatte, über seinem Bett nachgemalt.

Vor diesem Hintergrund sind der 22-Jährige und sein sechs Jahre älterer Bruder Tobias gerade beim Kofferpacken. Am heutigen Dienstag unternehmen die beiden eine Reise in das größte Land Südamerikas. Mittwoch früh werden sie in Sao Paulo ankommen, von dort aus geht es weiter nach São Luís. Und in der Woche darauf können sie das berühmte Wahrzeichen in Rio des Janeiro selbst bewundern - bei einer Besichtigung der Christusstatue.
Vom 16. Juli bis 2. August 2013 - zweieinhalb Wochen - reisen Dominik und Tobias nach Brasilien.
Nachdem sie zunächst eine Woche lang in der Diözese Coroatá in verschiedenen Gemeinden untergebracht sind, nehmen sie vom 23. bis 28. Juli am Weltjugendtag in Rio de Janeiro teil. "Ich wollte eigentlich schon immer mal bei einem Weltjugendtag dabei sein. 2005 war er in Köln, da hat es leider nicht geklappt. Auch 2011, als er in Madrid war, hätte es mich schon gereizt. Jetzt bietet sich mir einfach die Gelegenheit dazu und es passt halt gerade - auch in beruflicher Hinsicht. Deshalb bin ich dabei", erklärt Tobias Fiedler, der zusammen mit seinem Vater selbständig einen Elektrobetrieb führt. Der Weltjugendtag richtet sich an junge Leute von 18 bis 30 Jahren. Der Entschluss für ihre Teilnahme war recht kurzfristig. So sei man erst eine Woche vor Anmeldeschluss von der Diözese angeschrieben worden.

Sie sind nicht aufgeregt

Aufgeregt sind die Brüder angesichts dieser nicht ganz alltäglichen Reise nicht. "Ich war schon drei Mal in Rom bei den Ministranten-Wallfahrten als Pfarreiverantwortlicher für unsere Ministranten dabei. Da sind wir 14 Stunden mit dem Bus gefahren. Außerdem war ich Weihnachten 2011 einmal privat in Rom. Da bin ich aber geflogen", erzählt Tobias Fiedler. Auch Dominik, der sich ebenfalls in der Ministranten-Arbeit engagiert, war schon zweimal in Rom dabei - als Teilnehmer beziehungsweise Verantwortlicher.

Die Brüder kommen aus einem sehr christlichen Elternhaus. Die Ministranten-Arbeit hätten sie mehr oder weniger von ihrer Mutter übernommen, die selbst lange aktiv gewesen sei. "Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen unserer Pfarrei macht viel Spaß. Wir sind ein Team von fünf, sechs Leuten, von denen jeder seine eigenen Aufgabenbereiche hat", erzählt Dominik, der als Schreiner arbeitet. Erfreulicherweise gebe es in Neukenroth genügend junge Leute, die sich für den Dienst am Altar zur Verfügung stellten. Beide helfen auch, wenn mal Not am Mann ist, noch selbst als Ministrant aus. "Bereits unser Vater und Großvater waren Aufdiener. Das war für uns eigentlich ganz selbstverständlich, dass wir das auch machen", meinen die beiden. Auch die Verwandtschaft sei sehr christlich "geprägt". So findet sich darin beispielsweise eine Nonne oder auch ein Pater, der in Afrika seinen Dienst verrichtet. "Man kann schon ein wenig von christlichen Genen sprechen", sagen die Brüder schmunzelnd, die auch sonst im Ortsgeschehen und bei Vereinen gerne mithelfen, wo sie gebraucht werden.

Heute geht es los

Los geht es für sie am heutigen Dienstag. Mit dem Zug fahren die beiden nach Frankfurt, wo sie um 19 Uhr mit den anderen Teilnehmern aus der Diözese Bamberg zusammentreffen. Um 22 Uhr geht der Flieger, mit dem sie am Mittwoch früh um 5 Uhr in Sao Paulo eintreffen. Um 11.15 Uhr fliegen sie weiter nach São Luís. Nach ihrer Ankunft um circa 14.45 Uhr werden sie in der Diözese Coroatá in Kleingruppen in verschiedenen Gemeinden untergebracht, wobei Dominik und Tobias in verschiedenen Gruppen sind. "Die Bevölkerung im Bistum ist arm. Etwa 70 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze", weiß Dominik. An die 60 Prozent sind Analphabeten. Die Arbeitslosenquote liegt bei 50 Prozent. Außerhalb der Städte besteht keine medizinische Versorgung. Von den Kindern besucht ein Drittel keine oder nicht regelmäßig die Schule. Zehn Prozent leben als Straßenkinder ohne festes Zuhause. Über 80 Prozent der Einwohner des Bistumsgebiets sind katholisch. Brasilien selbst ist mit 150 Millionen Kirchenmitgliedern das katholikenstärkste Land der Erde.

"Wir wollen auf unserer Reise Land und Leute kennen lernen. Wir vergessen manchmal, wie gut es uns selbst geht. Da wir in Gastfamilien untergebracht sind, bekommen wir sicherlich mehr vom wirklichen Leben mit, als wenn wir in einem Hotel wären", vermutet Dominik.

In den Gemeinden erfolgt jeweils ein eigenes Programm. Am Samstag kommen alle Teilnehmer zu einem Festival in Coroatá zusammen, während man am Sonntag eine Fahrt nach São Luís unternimmt.

Am Montag schließlich fliegen alle Teilnehmer nach Rio de Janeiro zum Weltjugendgebetstag. Dieser umfasst christliche Veranstaltungen wie Gottesdienste, Katechesen mit verschiedenen Weihbischöfen, einen Kreuzweg sowie am Samstag nächster Woche eine Pilgerschaft zum Abschlussgelände Guaratiba. Dort wird Papst Franziskus am Samstagabend ein Nachtgebet abhalten, bevor er am Sonntagmorgen den Abschlussgottesdienst zelebriert.

Begegnung mit dem Papst

Nach einer Tagesfahrt nach Petropolis und einer Besichtigung der 30 Meter hohen Christusstatue sowie des Zuckerhuts geht es am 31. Juli für die Brüder wieder Richtung Heimat. Beide verspüren eine riesige Vorfreude auf die Reise mit Zeit für Sonne, Meer und viel Spaß sowie natürlich auch auf das große Fest des Glaubens, bei dem Millionen von jungen Erwachsenen gemeinsam singen, beten und zeigen, dass die Kirche jung ist. Sehr freuen sie sich auf eine Begegnung mit vielen Leuten und ganz besonders mit Papst Franziskus.

Für Diozösanjugendpfarrer Detlef Pötzl sollten die Weltjugendtage eigentlich schon ein alter Hut sein. Sind sie aber nicht. "Die Stimmung ist in jedem Land einzigartig und besonders", weiß Pötzl. Insgesamt war er mit dem Bund der katholischen Jugend schon in Köln, Sydney und Madrid - jedes Mal mit mehreren Millionen Teilnehmern und umfassender Vorbereitung.

"Zwei Brasilianerinnen haben uns beim Vorbereitungswochenende über ihr Land informiert und ein wenig die Angst vor den Sicherheitsrisiken genommen. Wie man sich am besten bei einem Überfall verhält, haben sie aber trotzdem erzählt." Der Pfarrer, der seit 2005 die Jugendarbeit des Erzdiözese Bamberg leitet, nimmt es gelassen. "Die Weltjugendtage sollen immer auch ein Beitrag zu Frieden und Gerechtigkeit sein", erzählt er. "Die Jugendlichen sollen vor allem mitnehmen, dass es so viele verschiedene Menschen gibt, mit denen allen ein freundliches Miteinander möglich ist. Grenzen sind dabei unnötig."

Die Weltjugendtage stehen dieses Jahr unter dem Motto "Geht und macht zu Jüngern alle Völker" und stellt den Jugendlichen ernste Fragen: Was bedeutet es für sie, ein Christ zu sein? Und haben sie ihr Ziel auch klar vor Augen, wenn sie sich auf den Weg machen?

Das größte Erlebnis

Auf den Weg machen werden sich die jungen Leute aus aller Welt wohl hauptsächlich zu Fuß, sei es zum Gottesdienst mit dem Papst oder zu den bekannten Sehenswürdigkeiten wie Zuckerhut oder der 38 Meter hohen Christusstatue. Das größte Erlebnis werden wohl die Menschen sein: "Die Leute in Brasilien sind sehr locker und spontan, auch in ihrer Planung," sagt Pötzl, "eine Herausforderung für uns Deutsche!"

Auf der Seite https://www.infranken.de/wjtwerden fränkische Teilnehmer des Weltjugendtages von ihren Erlebnissen berichten!