Burgen und Schlösser sind im Landkreis Kronach zahlreich vertreten. Egal, wo man unterwegs ist, eine Burg ist meist nicht weit. Für Hochzeiten gibt es natürlich keine perfektere Ausgangslage.

Und das merken besonders die Gemeinden, die keine märchenhafte Locations anbieten können. Dazu gehört auch Stockheim. "Heiraten geht bei uns nur im Rathaus", sagt Rainer Förtsch, Geschäftsleiter im Rathaus Stockheim. Im Interview erklärt er, warum die Gemeinde nach Alternativen sucht.

Wie sind die Reaktionen der Brautpaare auf die Trauzimmer?
Rainer Förtsch: Was sehr gut ankommt ist der große Sitzungssaal, wenn er dann auch etwas festlich geschmückt ist. Die Paare können Musik abspielen lassen oder begleitende Elemente mit einbauen. Wir haben hier auch schon eine türkische Hochzeit gehabt.
Nach der eigentlichen Zeremonie, der standesamtlichen Trauung, haben die Verwandten dann noch den traditionell türkischen Teil angehängt. Man hat hier einfach viel Bewegungsfreiheit. Im kleinen Trauzimmer wäre so etwas gar nicht möglich.

Trotzdem denkt die Gemeinde an Alternativen. Was wären das für welche?
Die Variante, die wir im Hinterkopf haben, wäre, dass wir oben am Bergwerksarial einen kleinen Pavillion mit Sandsteintreppen einbauen, so wie früher in Amphitheatern. Das muss natürlich erst einmal der Gemeinderat absegnen, wenn es soweit ist. Aber da hätten wir dann auch mal einen Ausweichplatz für kleine Veranstaltungen. Wir haben ja die Bergweihnacht bei uns oder auch Sachen, wo wir in Richtung Bergwerk gehen. Dieses Areal würde sich einfach perfekt anbieten, da könnten wir Musik oder die Bergwerkskapelle spielen lassen oder sogar Konzerte abhalten. Und wenn so etwas mal errichtet werden würde, dann wäre das eine schöne Alternative für eine Trauung.

Doch ist das den großen Aufwand wert?
Natürlich müssen wir uns klar sein, dass es dann dort oben Trauungen im Freien werden. Dementsprechend müssen wir vorbereitet sein. Die Technik dafür muss da sein und wir müssen uns klar sein, dass wir eine Abschirmung brauchen, damit nicht jeder bis mitten rein laufen kann. Die Hochzeitsgesellschaft braucht einen abgegrenzten Bereich. Aber das wäre vorstellbar. Ich denke im Allgemeinen, das sieht man, wenn man sich im Landkreis umschaut, dass der Trend dazu hin geht, dass jeder etwas Besonderes haben will.

Macht sich das in Stockheim bereits bemerkbar?
Ja, wir merken das. Viele wollen schon nach Kronach gehen, weil Kronach halt die Festung als Anlage hat. Es ist halt einfach ein sehr besonderer Ort.

Warum hat man dann nicht früher reagiert?

Es fehlt einfach an gemeindlichen Räumen und dann kommen nur noch private Räume in Frage. Und wo wir als Gemeinde eigentlich nicht hingehen wollen - also meine persönliche Meinung - sind Wirtschaften. Das passt einfach nicht zu einer Trauung. Es ist ja immer noch ein standesamtlicher und auch staatlicher Akt und das sollte schon in einem Raum sein, den man auch nur für die Trauung hat.

Warum will die Gemeinde dann überhaupt neue Anreize schaffen?
Eine gewisse Gemeindebildung wollen wir hier schon halten. Besonders, wenn es mal so weit kommen sollte, dass die Standesämter in Kronach zentralisiert werden. Schließlich passieren in den kleineren Gemeinden nicht mehr so viele Standesamtfälle. Trotzdem denke ich, dass Trauungen in den Gemeinden gelassen werden sollten.

Das Gespräch führte
Lisa Kieslinger