Seit Tagen befinden sich die Temperaturen im Plusbereich. Sieben Grad wurden am Dienstagnachmittag in Kronach gemessen. Schnee ist auch in den nächsten Tagen nicht zu erwarten, die Skilifte im Landkreis bleiben somit weiterhin geschlossen. Der Fränkische Tag hat sich bei den Betreibern der Lifte umgehört, viele setzen ihre Hoffnung auf den Februar.

Mehr schlechte als gute Winter

Heiner Pfeiffer ist besorgt: "Früher gab es in einer Dekade acht normale und zwei schlechte Winter, heute ist es umgekehrt." Seit 1973 betreibt der Ludwigstädter mittlerweile den örtlichen Skilift. "Jedes Jahr fallen Fixkosten in der Höhe von mindestens 6000 Euro an. Wie lange der Lift noch wirtschaftlich betrieben werden kann, ist fraglich", bedauert der 64-Jährige.

Die Hoffnung darauf, dass er seinen Skilift in dieser Saison noch öffnen kann, hat er fast schon aufgegeben: "Der Januar ist eigentlich der kälteste Monat und für die nächsten zehn Tage sieht die Wetterprognose schlecht aus. Im Februar kann es schon Richtung Frühling gehen." In den letzten 40 Jahren war es Pfeiffer zufolge nur dreimal der Fall, dass der Liftbetrieb erst im Februar starten konnte. "Der letzte gute Winter mit 30 Betriebstagen ist bestimmt zehn Jahre her", berichtet Pfeiffer. Langfristig gesehen wird es seiner Einschätzung nach keine zuverlässigen Winter mehr in Lagen unter 2000 Höhenmetern mehr geben.

Der Lift im Tettauer Ortsteil Lauenhain ist in diesem Jahr sogar außer Betrieb. "Wir haben keinen Pächter für die Skihütte gefunden und den Lift, dessen Seil sich in Hüfthöhe befindet, gar nicht aufgebaut", sagt Pfeiffer, bei anderen Liften würde das Seil ganzjährig in der Höhe von drei bis vier Metern hängen.

Genug Anmeldungen zu Skikursen

Auch 15 Kilometer weiter östlich, in Haßlach bei Teuschnitz, ist die Aussicht nicht besser. "Eigentlich hätten wir genug Anmeldungen für unsere Skikurse", bedauert Michael Schmidt, der gemeinsam mit seinem Sohn den örtlichen Skilift betreibt. An den Wochenenden, an denen Kurse stattfinden, zählt der Haßlacher Skilift zwischen 60 und 70 Besuchern. "Mein Sohn, der gemeinsam mit einem anderen Skilehrer die Kurse gibt, ist gerade selbst in Österreich zum Skifahren", scherzt Schmidt.

Dennoch ist der 57-Jährige optimistisch, in den letzten Jahren sei im Laufe des Februars immer ausreichend Schnee gefallen. "Weihnachten hatten wir bestimmt schon zehn Jahre lang keinen Schnee mehr", berichtet Schmidt. Solange pro Saison für drei bis vier Wochen Schnee liegt, sieht er die kleinen Lifte nicht in Gefahr: "Die Fixkosten für Pacht und Wartung halten sich bei einem kleinen Lift in Grenzen."

2500 Besucher in fünf Wochen

Die Betreiber des Skilifts Tettau-Wildberg sind ebenfalls optimistisch. "Die aktuelle Wetterlage ist eine Katastrophe, aber in Tettau gab es bisher jedes Jahr Schnee", berichtet Peter Gerold, einer der Geschäftsführer. Tettau liege in einem Schneeloch, also in einem Gebiet, in dem vermehrt Schnee fällt. "In der letzten Saison konnten wir den Lift für die Bevölkerung über fünf Wochen öffnen, an drei Wochenenden fanden Kurse statt." Insgesamt kamen in dieser Zeit 2500 Menschen nach Tettau zum Skifahren.

Auch für diese Saison sind Ende Januar und Anfang Februar noch Kurse geplant. "Anmeldungen sind da, wir brauchen nur noch Schnee. Technisch ist alles vorbereitet, uns brennt es unter den Nägeln, dass wir endlich starten können", sagt der 51-Jährige. Er bezeichnet die Betreiber des Skilifts Tettau-Wildberg als positive Realisten und geht in den nächsten Jahren definitiv nicht von einer Schließung aus. "Auf unserer Homepage stehen die aktuellen Kurstermine. Außerdem gibt es eine Live-Kamera, die unser Skigebiet zeigt", verweist der Tettauer. Sobald der Lift geöffnet werden kann, werden auf der Homepage entsprechende Informationen veröffentlicht.

Weniger Kinder lernen Skifahren

Ingbert Weichelt, Betreiber des Skilifts in Windheim, macht sich vor allem Sorgen um fehlenden Nachwuchs. "In mageren Jahren lernen weniger Kinder das Skifahren, das merkt man in den Jahren danach", bedauert der 70-Jährige dessen Lift hauptsächlich von Familien besucht wird. Ab einem gewissen Alter fängt der Nachwuchs seiner Einschätzung nach gar nicht erst damit an, das Skifahren zu lernen. "Wenn im Februar noch einmal Schnee fällt, verlieren viele Kinder auch die Lust, weil sie schon wieder mit dem Fahrrad gefahren sind", schildert Weigelt die Situation.

Mitte der 90er Jahre konnte der Lift oft acht Wochen im Januar und Februar öffnen. "Mit etwas Glück lag sogar schon Mitte Dezember Schnee, die letzten Jahre waren dagegen miserabel", berichtet Weigelt, der den Lift seit 1986 betreibt. In dieser Zeit habe es nur ein bis zwei Winter gegeben, in denen bis Ende Januar gar kein Schnee lag. "Im letzten Jahr ist unser Lift nur zehn Tage gelaufen, wenn es so weitergeht, ist irgendwann Schluss, weil die Unkosten zu hoch sind", schildert Weigelt die Situation. Gegen das Wetter könne man allerdings nichts machen. "Bis die Piste präpariert ist, regnet es oft schon wieder."

Mehr Ausgaben als Einnahmen

Diesselben Sorgen plagen auch Wolfgang Weber, der den Ködellift in Nordhalben seit über 20 Jahren betreibt: "Kaum hat es mal ein Wochenende geschneit, regnet es schon wieder." Dem 63-Jährigen zufolge hätte der Lift derzeit nur Ausgaben zu verzeichnen. "In den letzten Wintern war es immer relativ knapp. Die Kosten konnten gerade so gedeckt werden", sagt der Nordhalbener. Wenn nicht alle Mitarbeiter ehrenamtlich helfen würden, wäre der Lift bereits geschlossen.

Weber schätzt die aktuelle Situation generell als schwierig ein: "Der Klimawandel trifft die ganze Region, und die Kosten für Kaminkehrer und Versicherungen fallen für die Skilifte auch dann an, wenn kein Schnee liegt." Auch wenn für die kommenden Tage kein Schnee gemeldet ist, bleibt Weber optimistisch. "Wenn es schneit, muss man einfach direkt auf die Piste gehen. In der nächsten Woche kann es schon wieder vorbei sein, also sollte man nicht lange darüber nachdenken."

Der Nachwuchs in Langenau fehlt

Stefan Lipfert, einer der beiden Geschäftsführer des Skilifts Tettau-Langenau macht sich nicht nur wegen des Klimas Sorgen: "Wir haben auch mit dem demografischen Wandel zu kämpfen. Unser Skilift funktioniert auf Hüfthöhe und ist für Familien ausgelegt." In Langenau gebe es kaum noch Nachwuchs, Leute die von weiter her kommen, würden eher die Skilifte in Ludwigstadt und Tettau-Wildberg besuchen.

"Wir haben Glück, dass der Sportverein Mitwitz seine Kinder- und Anfängerkurse in den letzten Jahren bei uns veranstaltet hat", freut sich Lipfert, so konnten ein paar Neuzugänge ins Dorf gebracht werden. "Insgesamt stellt sich die Frage, ob Eltern überhaupt noch in eine Sportart investieren, die nach und nach wegfallen wird, weil kein Schnee mehr liegt." Mit roten Zahlen rechnet der 56-Jährige nicht, finanziell sei der Lift vorerst abgesichert.

Lipfert bleibt dennoch optimistisch: "Wir haben eine beheizte Liftstube für Familienmitglieder, die nur zuschauen wollen Alles ist vorbereitet - sobald es schneit, kann es losgehen."

Kein Schnee in Aussicht

Schneefall ist in den kommenden Tagen im Kronacher Raum nicht zu erwarten. "Wir befinden uns derzeit in einer Südwestströmung, die für die Jahreszeit ungewöhnlich milde Meeresluft bringt", erklärt Guido Wolz, Leiter der regionalen Wetterberatung beim Deutschen Wetterdienst in München. Diese Strömung würde bereits seit einer längeren Zeitspanne anhalten und ist der Grund dafür, dass es weder im Vorwinter noch um Silvester herum geschneit habe.

Bis Freitag wird sich an der Situation auch nichts ändern. "Für das Wochenende wird ein Schwall polarer Meeresluft erwartet", berichtet Wolz, in höheren Lagen könnten durchaus ein paar Flocken fallen, aber eine geschlossene Schneedecke sei weiterhin nicht zu erwarten. Insgesamt sind die Temperaturen für den Januar um knapp drei Grad zu hoch. "Der Mitteldurchschnitt des aktuellen Monats liegt in Kronach bei 1,5 Grad, im Vergleich zum Durchschnitt von 1961 bis 1990 wären -1,3 Grad normal", sagt Wolz. Die Extremwerte wurden im Kronacher Raum in den Jahren 1963 und 2007 gemessen. "1963 lag das Monats mittel im Januar bei -7,5 Grad, 2007 waren es 4,1 Grad."