Wie groß und dunkel soll das Pflaster sein? Muss die Beleuchtung in den Boden oder an die Wand? Und braucht der Aufgang von der Kirche zum Friedhof eine Rastmöglichkeit für Rollator-Nutzer? Fragen über Fragen, die Bürgermeister Jens Korn am Mittwochabend bei einem Rundgang durch das Kirchenumfeld klären will. Unterstützt wird er dabei dieses Mal aber nicht vom Stadtrat, sondern von etwa 20 Bürgern. Sie wollen sich mit ihren Ideen einbringen, wenn es um den Startschuss für die Stadtsanierung geht.


80 Prozent Förderung

2014 wurde die vorbereitende Untersuchung für das Vorhaben abgeschlossen. Mit einem "Leuchtturmprojekt", so der Bürgermeister, soll nun die Stadtsanierung eingeleitet werden. Ausgewählt hat der Stadtrat hierfür das markante Kirchenumfeld mit dem Friedhof. Und 250.000 Euro hat das Gremium dafür in den Haushalt eingestellt. 200.000 Euro werden über eine 80-prozentige Förderung finanziert, 50.000 Euro muss die Stadt Wallenfels selbst schultern.

Da das Kirchenumfeld allerdings nicht das zentrale Projekt der Sanierung sei, gelte es, dort einen möglichst großen Effekt zu erzielen und dabei finanziell einen überschaubaren Rahmen einzuhalten, so Korn. Mit geschätzten Kosten von einer Million Euro und einem Eigenanteil von 200.000 Euro habe die Stadt dann ja noch den ganz dicken Brocken der Sanierung vor sich: den Marktplatz.


Gespräch mit Bürgern aufgenommen

"Wir wollen mit den Bürgern ins Gespräch kommen", erklärt Korn den Grund für den gut zweistündigen Besichtigungstermin am Mittwochabend. Und er scherzt: "Das Auftaktprojekt an dieser Stelle soll nicht bedeuten, dass die Zukunft der Stadt auf dem Friedhof liegt." Vielmehr wolle man mit dem Vorhandenen anfangen, die kirchliche Tradition in Wallenfels aufgreifen.

Die Planung hierfür solle nicht im stillen Kämmerlein passieren, sondern die Wünsche der Menschen einbeziehen, betont das Stadtoberhaupt. "Wir wollen den Bereich funktionaler machen, für die Nutzer leichter erschließbar", meint Korn. Deshalb sei dieser Ortstermin mit den Betroffenen besonders wichtig. Die Gestaltung müsse so vorgenommen werden, dass "die Leute annehmen, was wir planen". Bereits bei diesem Rundgang über das Sanierungsgelände dürften die Bürger mehrere Leit-Entscheidungen treffen, so Korn.


Nicht nur schön, auch sinnvoll

Christine Bardin und Udo Weber vom Sonnefelder Ingenieurbüro Kittner & Weber stellen den aktuellen Planungsstand vor. "Eine sinnvolle Nutzung", erklärt Bardin, was ihnen für das Kirchenumfeld vorschwebt. Und eine Gestaltung aus einem Guss. So sollen auch vorhandene Elemente - etwa bei der Gestaltung der Geländer - aufgegriffen werden. "Es wird fließende Übergänge geben", versprach die Vertreterin des Ingenieurbüros. Beispielsweise soll nie Asphalt an eine Mauer stoßen, um das Flair, das die alten Steine versprühen, nicht zu beeinträchtigen. Und beim Pflaster möchten die Planer einen einheitlichen Belag finden, der die hervorgehobene Stellung des Kirchengebäudes im Stadtbild noch unterstreicht.

Wenn alles glatt läuft, möchte Korn die Planungen in der Oktober-Sitzung des Stadtrates verabschieden. Dann könnte vermutlich schon im Frühjahr 2016 mit der Sanierung im Kirchenumfeld begonnen werden. Bis dahin wird weiter die Meinung der Bürger gefragt sein.


Projektdetails besprochen

Pflaster: Vorerst ist geplant, eine Pflasterung vom Kirchenvorplatz vorne an der Kirche vorbei bis zum Friedhof aufgang vorzunehmen. Das Pflaster soll nicht zu hell und eher kleinteilig sein, meinte die Mehrheit der Bürger. Eine komplette Pflasterung, also inklusive des Weges hinter der Kirche, ist momentan aus finanzieller Sicht nicht vorgesehen. Bürgermeister Jens Korn (im Bild) erklärte, dass die Stadt darauf achten müsse, was sie finanziell schultern könne.

Auffahrt: Die Steigung von der Kirche hoch zum Friedhof kann nicht gepflastert werden. Wegen der darunter liegenden Gruften ist dieser Abschnitt des Vorhabens ohnehin schwierig. Da jedoch unter anderem Steinmetze diese Auffahrt benötigen, soll sie asphaltiert werden. Außerdem wird am Fuß der Auffahrt eine kleine Stützmauer eingeplant. Durch erhöhtes Pflaster an der Kirchenmauer soll dort zudem die Situation in einem "feuchten Eck", so Christine Bardin, verbessert werden.

Steigerung: Die Mauer entlang der Steigung zum Friedhof soll durch eine Beleuchtung nicht nicht nur verschönert, sondern auch für die dunkle Jahreszeit sicherer gemacht werden. Christine Bardin würde sich in den Boden oder in erhöhte Steine eingelassene Lichter wünschen, Udo Weber zweifelte noch, ob das angesichts des Schnees im Winter sinnvoll ist. Auf alle Fälle soll der Handlauf verbessert werden. Gegenüber wird ein neues Geländer angebracht.

Rastplatz: Auf dem Weg zum Friedhof könnte eine kleine Nische als "Rastplatz" für die Nutzer von Rollatoren entstehen. Dies könnte entweder im Anschluss an die Mauer, die nur "kosmetische Ausbesserungen" erfordert, oder darüber passieren. Bei einer Probeabstimmung sprachen sich am Mittwoch jedoch noch elf Bürger gegen diese Idee aus, nur sieben dafür. Oben, beim Zugang zum Friedhof, wäre eine Verlagerung des Brunnens in Richtung Kirche denkbar.

Geländer: Eine Geländer-Variante, die bereits auf dem Friedhof genutzt wird, könnte auch an anderer Stelle zum Einsatz kommen. An der Steigung könnte das zu Gestaltungsproblemen mit dem Handlauf führen. Wie ein Bürger feststellte, würde möglicherweise die Kreuz-Optik der Streben verloren gehen. Andererseits wurde hinterfragt, ob das Geländer ohne Handlauf nicht zu gefährlich wäre. Auf alle Fälle sollen alle Geländer, laut Christine Bardin (im Bild), anthrazitgrau werden.

Beteiligung: Die Wallenfelser Bürger sollen sich mit ihrer Meinung auch weiterhin am Fortschritt des Sanierungsprojekts beteiligen, wie Bürgermeister Jens Korn forderte. In der Kirche sollen darum bald Stellwände mit Bildern des möglichen Stadtmobiliars aufgestellt werden. Sprich: Die Wallenfelser sollen dort über die künftigen Ruhebänke im Sanierungsbereich abstimmen. Auch bei der Beleuchtung und der Pflasterung sollen sie wieder zu Wort kommen.



Kommentar von Marco Meißner : Nicht reden, reden lassen

Sie reden und reden - und aus der Sicht so manchen Bürgers reden viele Politiker zu lange. So lange, bis ganze Projekte zerredet sind. Oder bis das Gerede um einen Konsens zwischen den politischen Lagern dazu führt, dass am Ende etwas herauskommt, das zwar in einem Gremium tragfähig ist, aber für den Bürger kaum noch praktischen Nutzen hat. Mehr zuhören, weniger reden - das wünscht sich in diesem Moment Ottonormalverbraucher.

In Wallenfels geht man ein millionenschweres Projekt ganz anders an. Die Politik verzichtet auf großes Geplapper. Bürgermeister und Stadträte reihen sich bei den Bürgern ein, nehmen sich Zeit. Sie sprechen nicht vor den Wählern über ihre genialen Ideen für ein besseres Stadtbild, sondern mit den Menschen über deren Wünsche. Es geht nur darum, was bei dieser Sanierungsmaßnahme für die Wallenfelser praktisch ist, was davon aus Sicht der Ingenieure technisch umsetzbar ist und was davon sich die Stadt leisten kann.

Auch hier wird geredet, um einen Konsens zu finden. Doch das geschieht auf Augenhöhe und ganz schnörkellos mit den Betroffenen selbst. Die Politik erfährt am praktischen Beispiel, wo die Bürger Verbesserungsmöglichkeiten sehen. Und den Menschen wird vor Ort plausibel aufgezeigt, warum mancher Lösungsvorschlag nicht verwirklicht werden kann. Dafür braucht es kein großes Reden schwingen, sondern nur zwei Stunden Zeit für den Bürger von nebenan.